Feierstunde im Alten Rathaus

Bonn feiert Jahrespartnerschaft mit der EADI

BONN. Entwicklungshilfe und - politik sind in Bonn eine der tragenden Säulen des städtischen Lebens. Daher ist die Jahrespartnerschaft 2014 der Bundesstadt mit der European Association of Development Research and Training Institutes (EADI) ein gelungener Akt der Kooperation. Besonders viel Sinn macht diese Partnerschaft im 40. Jahr des Bestehens der Einrichtung..

Schade, es war Oberbürgermeister Nimptsch, der die Einladung zur Auftaktveranstaltung der Jahrespartnerschaft ausgesprochen hatte. Und nun steckte er im Stau, als sich 80 Gäste im Gobelinsaal des Alten Rathauses zur Feierstunde einfanden.

Im vorformulierten Grußwort ließ der OB das Thema der Veranstaltung "Die Messbarkeit von Ungleichheit" aus städtischer Sicht von einem Mitarbeiter vortragen. Ungleichheit sei zwar zumeist negativ besetzt, so Nimptsch, aber andererseits könne sie im Interesse der Individualität sogar auch positive Aspekte aufweisen. Dennoch müsse natürlich eine Gesellschaft dafür sorgen, dass Ungleichheit möglichst niedrig gehalten wird, die auf Geschlecht, Herkunft oder Religion basiere.

Auf kommunaler Ebene sei die Stadt Bonn für die Lösung der Probleme verantwortlich, auf internationaler Ebene trage die EADI viel zu wachsendem Verständnis bei. Das bestätigte der Vizepräsident des Forschungs- und Trainingsinstituts, Jürgen Wiemann. Er erläuterte anschaulich die Wandlungen der Arbeitsinhalte während der vergangenen 40 Jahre. Die reichten von der reinen Armutsforschung bis hin zu Fragen, die die "neue weltweite Mittelklasse" aufwerfe.

In vielen Entwicklungsländern, in China, Indien und in den arabischen Staaten entstünden reiche Eliten, die die Armut in ihren eigenen Gesellschaften nicht ernst genug nähmen. Wiemann warf daher die Frage auf, ob diese neuen Mittelklassen sich nur auf den Konsum konzentrieren werden oder ob sie "unseren entwicklungspolitischen Erkenntnisstand" erreichen, der auch Hilfe und Nachhaltigkeit im Blick hat. "Wir haben noch keine Erkenntnisse dazu", meinte er.

Gut gesicherte Erkenntnisse förderte dagegen der Hauptredner der Veranstaltung, Markus Loewe vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, zutage. Er präsentierte eine neue Forschungsidee, auf der basierend sich die Ungleichheit in der Gesellschaft mehrschichtiger messen lässt. Es gehe dabei nicht mehr nur noch um materielle Armut, sondern um die Ursachen und Auswirkungen von Ungleichheit. Wenn eine Teilhabe am sozialen Geschehen kaum noch möglich sei, dann trete Armut am deutlichsten zum Vorschein. Die Ursachen dafür seien bekannt: Geschlecht, Herkunft, Bildungschancen, oft auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion und sehr häufig Migration seien die Hauptgründe.

Ungleichheit, die in Deutschland seit Jahren stark zunimmt, gibt es auch in Bonn. 16 000 Menschen gelten hier als arm, während in der Stadt 11 000 Millionäre leben.