Stillstand im Viktoriakarree

Bonn erwägt Nutzung des Viktoriabads für Beethovenfest

Bonn. Die Gespräche mit Signa über die Vorschläge der Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Viktoriaviertels bleiben nach wie vor ergebnislos. Derweil erwägt die Stadt Bonn die Nutzung des maroden Viktoriabads fürs Beethovenfest 2020.

Nach wie vor bewegt sich nichts im Viktoriakarree: Nach den gescheiterten Plänen des Investors Signa für den Bau eines Einkaufszentrums sowie der Bürgerwerkstatt, die 2017 Konzepte für die Zukunft des Karrees entwickelte, herrscht dort Stillstand.

Allerdings soll sich demnächst etwas im ehemaligen Hallenbad tun: Dort ist das Dach so marode, dass es durchregnet. Auch fallen die Kacheln von den Wänden. Die Schäden sollen aber alsbald behoben werden, teilte das städtische Presseamt dem GA auf Nachfrage mit. Denn: Wie der GA erfuhr, ist das Viktoriabad im Rahmen des Beethovenjubiläums 2020 als Veranstaltungsort im Gespräch.

Mit Folgen für die Schülerruderclubs des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (FEG). Beide Clubs, der GRC vom EMA und der SRC vom FEG, haben in der Schwimmhalle seit einigen Jahren ihre Boote gelagert. Eine Interimslösung, nachdem die beiden Schülerruderclubs ihre vorherige Unterkunft im Uni-Ruderclub verlassen mussten.

Was ist 2020 geplant?

Bisher war die Suche nach einer neuen Bleibe möglichst in Rheinnähe erfolglos, sagte Ramin Fleckner, Vorsitzender des Fördervereins des SRC. „Wir haben vielleicht eine Möglichkeit, städtische Lagerräume unterhalb der Kennedybrücke auf der Beueler Seite zu nutzen, doch dort müssten umfangreiche Brandschutzmaßnahmen erfolgen“, sagte er. Man sei diesbezüglich mit der Stadt Bonn in Verhandlung.

Hintergrund: Die Stadt Bonn war es, die einst das frühere Bootshaus und das Gelände der mehr als 100 Jahre alten Schülerclubs der beiden städtischen Gymnasien verkaufte und danach für die Vereine bei der Uni einen zehnjährigen Mietvertrag unterschrieb. Nach Ablauf des Mietvertrags 2014 begann die Suche nach einer neuen Unterkunft. Sogar ein Neubau mit Unterstützung der Stadt und der Fördervereine wurde erwogen. Doch es fehlte bisher an einem passenden Grundstück.

Umso erstaunter reagierte Fleckner, als die Clubs jetzt Post vom Städtischen Gebäudemanagement (SGB) erhielten. In dem Schreiben werden die Clubs aufgefordert, „die Suche nach einem Ersatzstandort“ für die Boote zu intensivieren, weil das Viktoriabad im Rahmen des Beethovenjahrs 2020 für eine Zwischennutzung vorgesehen sei.

Signa-Gespräche nach Bürgerwerkstatt ohne Erfolg

Das verwundere die Vereine doch sehr, weil ihnen häufiger gesagt worden sei, das Viktoriabad sei ziemlich marode und daher sei ein Aufenthalt außerhalb von Transporttagen dort verboten, so Fleckner. Von der Stadt Bonn war am Montag noch keine Auskunft zu den Fragen zu bekommen, was 2020 konkret in der Schwimmhalle geplant sei und welche Lösung sie für die Rudervereine bereithält.

Auf die Frage, was aus den Gesprächen mit Signa über das Ergebnis der Bürgerwerkstatt herausgekommen sei, verwies das städtische Presseamt auf eine Mitteilungsvorlage, die noch intern abgestimmt werden müsse. Signa selbst reagierte nicht auf eine telefonische GA-Anfrage am Montag.

Wie der GA aber erfuhr, sollen die Gespräche mit Signa zu keinem Ergebnis geführt haben. Wie berichtet, hatte eine Kommission nach Ende der Bürgerwerkstatt vorgeschlagen, unter anderem Einzelhandel, Wohnungsbau und kulturelle Nutzungen im Karree unterzubringen.

Das Planungsamt habe nun vorgeschlagen, selbst Vorstellungen für die eigenen Liegenschaften zu entwickeln. Details, ob zum Beispiel auch ein Verkauf infrage komme, nannte die Stadt noch nicht. Das Vorhaben an sich stößt in der Ratskoalition auf Zustimmung: „Wenn man mit Signa auf keinen Nenner kommen kann, halte ich das für einen gangbaren Weg“, sagte der CDU-Planungsexperte Bert Moll dem GA.

Zwar sei man sehr „an einer einvernehmlichen Lösung“ interessiert, aber wenn die Gegenseite dazu nicht bereit sei, müsse sich die Stadt andere Schritte überlegen. Moll: „Es geht hier um ein beträchtliches städtisches Vermögen, das seit Jahren brachliegt.“