Stadt unter Zugzwang

Bonn braucht neuen Ofen für Klärschlamm

Bonn. Rund 7000 Tonnen Klärschlamm aus den vier Bonner Kläranlagen werden pro Jahr in der Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) am Salierweg verbrannt. Doch die Anlage ist in die Jahre gekommen, und eine Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Das hat die Stadt Bonn jetzt auf einer internen Infoveranstaltung am Montagabend für Kommunalpolitiker mitgeteilt. Zur Diskussion steht deshalb unter anderem der Bau eines neuen Klärschlammofens auf dem Areal der Müllverbrennungsanlage (MVA). Das stößt jedoch in der Politik bei einigen auf Skepsis.

Um eine Klärschlammverbrennungsanlage in Zukunft wirtschaftlich betreiben zu können, muss laut Tiefbauamtsleiter Peter Esch deutlich mehr Klärschlamm verbrannt werden als bisher, um – wie vom Gesetzgeber gewünscht – entsprechend viel Phosphor zu gewinnen. Im Gespräch sind rund 35.000 Tonnen inklusive des Bonner Klärschlamms, die in der MVA verbrannt werden könnten und aus aus den Nachbarkommunen kommen sollen. Das erfordert eine größere KVA als die am Salierweg.

Dort ist eine Erweiterung jedoch wegen der nahe gelegenen Wohnbebauung ausgeschlossen. Laut MVA-Geschäftsführer Manfred Becker werden in der MVA in Endenich rund 250.000 Tonnen Hausmüll pro Jahr verbrannt. Die Genehmigung umfasse 315.000 Tonnen. „Allerdings sind Abfall und Klärschlamm nicht gleichzusetzen. Insofern gehen wir von einer separaten Genehmigung für die Klärschlammverbrennung aus“, erklärte Becker.

Drei Optionen prüfen lassen

Insgesamt hatte das Tiefbauamt drei Optionen durch eine externes Büro prüfen lassen. Neben dem – bereits ausgeschlossenen – Neubau am Salierweg sowie der Erweiterung auf dem Areal der MVA wurde auch eine Kooperation unter anderem mit dem Stadtentwässerungsbetrieb Köln (StEB), dem Wasserverband Eifel-Ruhr und dem Erftkreis beleuchtet. Bei dieser Option würde die Stadt sich, so Esch, mit zehn Prozent an dem Bau einer Klärschlammverbrennungsanlage voraussichtlich westlich von Köln beteiligen. „Bei dieser Option hätten wir als Juniorpartner aber nur ein geringes Mitspracherecht, etwa bei der Gebührengestaltung.“ Bei ihrer Bewertung hätten die Gutachter schließlich der Bonner MVA den Vorzug gegeben.

Auf die Frage zu den Investitionskosten sagte Esch, es gebe noch keine realistischen Zahlen. Bei der Gegenüberstellung der drei Optionen sei zunächst eine sogenannte normierte Berechnung erstellt worden. Hinsichtlich des Zeitraumes müsse die Stadt Bonn spätestens in zehn Jahren der neuen Klärschlammverordnung Rechnung tragen. „Deshalb müssen wir schon im Laufe des nächsten Jahres eine Entscheidung treffen.“

Darauf drängten zum einen die Kooperationspartner, zum anderen benötige der Bau einer neuen Anlage einige Jahre Vorlauf. Auch auf die Frage, warum die Infoveranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden habe, lieferte Esch eine Antwort: „Wir wollten zunächst die Politik informieren, werden aber im Verlauf der weiteren Diskussion die Bürger mit ins Boot nehmen.“

Frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit wichtig

Genau das aber stößt Brigitta Poppe-Reiners (Grüne) und Elisabeth Struwe (Allianz für Bonn, AfB), besonders auf: Mit Blick auf den Widerstand der Bürger damals im Zusammenhang mit dem Bau der MVA und vor noch nicht allzu langer Zeit gegen die geplante vierte Verbrennungslinie in der MVA wäre ein frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit wichtig gewesen, meinen beide. „Zudem fand ich die Informationen zu undurchsichtig und an einigen Punkten schöngeredet“, kritisierte Struwe.

Wie sie beklagt auch Poppe-Reiners, dass noch viele Fragen offen geblieben seien. Etwa die nach der Verkehrsbelastung rund um die MVA, wenn rund 35.000 Tonnen Klärschlamm zusätzlich dorthin transportiert werden müssten. „Mir erscheint zudem die Alternative Kooperation nicht genügend beleuchtet worden zu sein“, sagte Poppe-Reiners. „Wir werden die Verwaltung deshalb noch einmal in die Fraktion einladen.

Das überlegt auch Stephan Eickschen, umweltpolitischer Sprecher der SPD und Mitglied des MVA-Aufsichtsrates. „Richtig ist, dass eine Lösung her muss. Wir müssen uns trotz der gebotenen Eile genügend Raum nehmen, darüber seriös zu diskutieren.“ Christian Gold, CDU-Ratsherr und MVA-Aufsichtsratsvorsitzender, kann sich dagegen durchaus vorstellen, Klärschlamm künftig in der MVA verbrennen zu lassen. „Unterm Strich überwiegen für mich die Vorteile. Das klingt nach einer vernünftigen Lösung.“ Allerdings müsse das Thema noch in der Fraktion beraten werden.