Brasilien richtet Cop25 nicht aus

Bonn als neuer Klimakonferenz-Gastgeber diskutiert

Vor einem Jahr begann die Cop 23 in Bonn. Nicht nur die UN-Staaten, sondern auch die Kommunen sind damals wie heute gefragt, wie sie den Klimawandel aufhalten wollen.

Vor einem Jahr fand die Cop 23 in Bonn statt.

Rio de Janeiro/Bonn. Die brasilianische Regierung hat ihre Kandidatur für die Ausrichtung der UN-Klimakonferenz Cop 25 im kommenden Jahr zurückgezogen. Findet sich kein anderes Land, könnte erneut Bonn Gastgeber werden.

Brasilien hat seine Kandidatur als Gastgeber der UN-Klimakonferenz Cop 25 im kommenden Jahr zurückgezogen. Wie die Vereinten Nationen mitteilten, müsse nun ein anderes Land in Lateinamerika gefunden werden, da die Region 2019 als Gastgeber an der Reihe sei. Wolle niemand den Klimagipfel ausrichten, werde die Konferenz in Bonn abgehalten.

Auf GA-Anfrage teilte Marc Hoffmann, stellvertretender Sprecher der Stadt Bonn, jedoch mit, dass mehrere lateinamerikanische Länder bereits Interesse bekundet hätten. "Die Frage, ob Bonn erneut Gastgeber wird, stellt sich uns noch gar nicht", betonte er im Gespräch. Nach derzeitigem Stand gehe die Stadt nicht davon aus, die Klimakonferenz erneut auszurichten. Wie das Bundesumweltministerium am Freitagabend mitteilte, scheint Costa Rica aktuell der ernstzunehmende Nachfolge-Kandidat zu sein. "Wenn sich die Klimakonferenz dort aber nicht realisieren lässt und auch kein anderes südamerikanisches Land nachrückt, ist das UN-Klimasekretariat und somit Bonn Gastgeber", sagte Andreas Kübler, Sprecher des Bundesumweltministeriums.

Dass Brasilien Gastgeber der Klimakonferenz im kommenden Jahr wird, hätte bei der diesjährigen Klimakonferenz im polnischen Kattowitz besiegelt werden sollen, die vom 3. bis 14. Dezember stattfindet. „Umweltpolitik darf die Entwicklung Brasiliens nicht verpfuschen", äußerte der designierte Präsident Jair Bolsonaro am Mittwoch allerdings. „Heute ist die Wirtschaft dank der Agrarindustrie fast wieder auf Schiene, und sie wird erstickt von Umweltfragen“.

Bolsonaro tritt sein Amt erst am 1. Januar an. Die Absage kam also noch von der scheidenden Regierung, die am Mittwoch erklärte, Grund seien Etateinschränkungen. Umweltschützer vermuten aber, dass der designierte Präsident bereits Einfluss nahm. Bolsonaro hatte im Wahlkampf auch versprochen, Brasilien aus dem Weltklimaabkommen von Paris zurückzuziehen.

Bundesumweltministerium wäre kein Gastgeber

Sollte die Klimakonferenz im Jahr 2019 wider Erwarten doch in Bonn stattfinden, sähe die Stadt der Großveranstaltung indessen entspannt entgegen. "Die Cop 23 hat gezeigt, dass es möglich ist, den Klimagipfel innerhalb eines Jahres auf die Beine zu stellen", sagte Hoffmann. Organisatoren waren damals der Bund sowie das Weltklimasekretariat. Bei einer erneuten Klimakonferenz in Bonn wäre das aber wohl anders.

"Bei der Cop23 war Deutschland stellvertretend Gastgeber für die Fidschi-Inseln. Das war eine ganz besondere Situation und ein symbolischer Akt der Bundesregierung", sagt Andreas Kübler vom Umweltministerium. Aber wohl auch ein einmaliger. Wenn kein südamerikanischer Nachfolger für Brasilien gefunden wird, geht die Gastgeberrolle nach UN-Reglement vollständig an das UN-Klimasekretariat. Dort wollte man sich am Freitag nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern. "Das Bundesumweltministerium wird jedenfalls nicht Ausrichter sein", so Kübler. Trotz allem wäre es laut Ministerium eine Ehre, wenn erneut eine Klimakonferenz in Deutschland stattfinden würde.

(Mit Material von ap)