Streit um Viktoriakarree Bonn

Blow up will sein Lokal nicht verlassen

Die Initiative Viva Viktoria demonstrierte für den Erhalt des Clubs "Blow up".

Die Initiative Viva Viktoria demonstrierte für den Erhalt des Clubs "Blow up".

Bonn. Der Mietvertrag für den Club läuft Donnerstag aus. Jetzt hat der Pächter den Vermieter, die Signa-Holding, auf Entfristung verklagt. Für Mittwoch ist erneut eine Demonstration angekündigt.

Die Uhr tickt: An diesem Donnerstag enden die Mietverträge für einige Häuser im Viktoriakarree, die dem österreichischen Investor Signa gehören. Einer der Mieter, der Betreiber des Szenelokals „Blow up“ an der Rathausgasse 10, hat Gegenwehr angekündigt. Blow-up-Geschäftsführer Daniel Christel zufolge hat der Eigentümer des Lokals, Oliver Helmerat, beim Amtsgericht Bonn die Signa-Holding auf Entfristung des Mietverhältnisses verklagt.

Viele der Signa-Flächen in dem Karree stehen bereits seit Längerem leer. Nach Angaben von Signa Sprecher Robert Leingruber laufen Ende des Monats die Mietverträge für das Blow up und vier weiteren Geschäftsbetreibern aus. Ansonsten wolle sich Signa zu dem ganzen Vorgang nicht äußern.

„Wir bleiben auf jeden Fall“, betonte Christel. Die Rathausgasse 10 sei immerhin seit 20 Jahren Stammsitz des Lokals. Ziel der Klage sei zunächst eine Fortsetzung des Mietverhältnisses, bis eine konkrete Entwicklungsplanung für das Viktoriaviertel vorliege, heißt es in einer Pressemitteilung des Blow up. Damit sei aufgrund der Dauer der Bürgerwerkstatt und des Verfahrens zur Aufstellung des Bebauungsplanes nicht vor Mitte 2019 zu rechnen, ist Christel überzeugt.

Die Signa, ein Unternehmen des Karstadt-Investors René Benko, hat zahlreiche Immobilien im Viktoriakarree gekauft, um dort ein Einkaufszentrum und eine Bibliothek für die Universität zu errichten. Der geplante Kauf der dafür ebenfalls benötigten städtischen Immobilien – in erster Linie handelt es sich um das 2010 geschlossene Viktoriabad – scheiterte an einem von dem Verein „Viva Viktoria“ initiierten Bürgerbegehren gegen diese Planung, dem sich der Rat im November 2015 mit Mehrheit anschloss. Der Verkauf an Signa wurde damit gestoppt.

Seit März streitet das Unternehmen mit der Stadt Bonn vor der Vergabekammer in Köln mit dem Ziel, die Stadt zur Fortführung des Vergabeverfahrens zu verpflichten. Ein Ergebnis liege noch nicht vor, sagte Stadtsprecherin Monika Hörig am Montag. Auch hat die Signa-Holding Strafanzeige gegen Mitglieder der Kampagne „Für ein libertäres Zentrum in Bonn“ (LIZ) erstattet, die seit einigen Wochen Räume in der ebenfalls der Signa gehörenden Immobilie Rathausgasse 6 besetzt halten (der GA berichtete). Wie man in dem Fall weiter vorgehen will, wollte Signa-Sprecher Leingruber am Montag ebenfalls nicht verraten.