Tradition aus New York

Blechbläser spielen Weihnachtskonzert in Bonner Altstadt

Zwei Stunden üben und dann los: Blasinstrumentalisten spielen in der Altstadt vor Sankt Marien ein Weihnachtskonzert im Rahmen des Adventskalenders.

Zwei Stunden üben und dann los: Blasinstrumentalisten spielen in der Altstadt vor Sankt Marien ein Weihnachtskonzert im Rahmen des Adventskalenders.

Bonn. Eine Tradition aus New York hat die Bonner Altstadt belebt. Blechbläser haben nach zwei Übungsstunden ein weihnachtliches Konzert gespielt.

Bei dem Einen ruht die Tuba auf dem Oberschenkel, der Nächste hält das kleinere Euphonium locker in der Hand und ein Anderer trägt das große Sousaphon wie einen Schwimmring um die Hüfte. Die Melodien sind bekannt, doch der tiefe Sound ist besonders. Dick eingepackt mit Weihnachtsmütze und Schal spielten rund 30 Musiker am Samstagnachmittag vor der Marienkirche Weihnachtslieder von Jingle Bells bis O Tannenbaum. Optisch und akustisch erlebten die Zuhörer die breite Vielfalt der tiefen Blechblasinstrumente.

Die Teilnehmer hatten sich erst zwei Stunden vorher getroffen, um die Weihnachtsklassiker einzuüben. „Wir sind heute ein zusammengewürfelter Haufen“, sagte Moderator Mark Rosenthal und stellte das jüngste Mitglied der Truppe, den elfjährigen Matthias, vor. Rosenthal kennt die Tradition Tuba Christmas als gebürtiger Amerikaner gut. Erstmals veranstaltete sie der Tubaspieler Harvey Phillips 1974 in Gedenken an seinen Mentor William J. Bell – damals vor der beeindruckenden Kulisse des Rockefeller Centers in New York. Seitdem verbreitete sich die Aktion weltweit und erreichte letztes Jahr Bonn.

Deutschlandweit einmalig

Organisator Erhard Schwartz kannte das offene Konzert für Tiefblechbläser aus der Schweiz. „Dann wollte ich das auch in meiner Umgebung haben“, sagte der Diplom-Orchestermusiker. „So etwas gibt es deutschlandweit nur hier“, sagte Tim Weighardt, der aus dem mehr als 200 Kilometer entfernten Herford anreiste. Der 24-Jährige studiert Kirchenmusik und spielt seit zehn Jahren Tuba. Die Wahl des Instruments lief bei der zwölfjährigen Klara aus der Südstadt ganz pragmatisch ab: „Trompete klang mir zu hoch und Tuba war zu groß für mich. Deshalb spiele ich Euphonium.“ Ihre Mama Hedwig Nosbers stieg schnell mit ein. Warum? „Das groovt“, sagte sie.

Besonders auffällig war das Instrument von Meike Herzig aus Köln. Der „Urgroßvater“ der Tuba, der Serpent, ist nicht aus Blech, sondern aus Holz gebaut, schwarz und geschwungen wie eine Schlange mit weichem Klang. „Ich kannte das Instrument noch aus dem Studium und habe irgendwann geträumt, dass ich es lernen muss“, sagte Herzig, die an der Bonner Musikschule unterrichtet. „Die Instrumente ahmen die menschliche Stimme nach: von Sopran bis Bass“, sagte Thomas Graf. Graf ist Trompeter in der Bigband der Uni Bonn, aber für Tuba Christmas greift er zum Sousaphon. „Einige aus der Gruppe spielen eigentlich andere Instrumente, wollten aber dabei sein.“ Vielleicht liegt es auch daran, dass durch die tiefen Töne der Tuba populäre Weihnachtslieder mal anders und so gar nicht schmalzig klingen.