Gastro-Messe in Bonn

Bio-Produkte aus Bonn und der Region sind gefragt

Bauer Bernd Schmitz stellt an seinem Stand im Base Camp den Besuchern seinen Hof in Hennef-Hanf vor. Er arbeitet streng nach Demeter-Richtlinien.

Bauer Bernd Schmitz stellt an seinem Stand im Base Camp den Besuchern seinen Hof in Hennef-Hanf vor. Er arbeitet streng nach Demeter-Richtlinien.

Bonn. Im Base Camp sind am Montag Erzeuger und Verbraucher zur Bio-Gastro-Messe zusammenkommen. NRW-Ministerin Ursula Heinen-Esser spricht von einer boomender Branche. Bonn erhält eine Auszeichnung.

Bereits im zweiten Jahr hatten am Montag Bio-Erzeuger aus der Region die Möglichkeit, sich auf einer „Bio-Gastro-Messe“ im Base Camp zu vernetzen und Kontakte zu Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegern herzustellen. Die in der Gründung befindliche Bonner Initiative „Ernährungsrat“, die bereits vor einem Jahr die erste Messe ins Leben rief, schafft damit die Plattform, um gemeinsam mit allen Akteuren aus Bürgerschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Politik ein nachhaltiges Ernährungssystem für Bonn und Umgebung zu entwickeln.

Dass die Bonner Initiative inzwischen politisch wahrgenommen wird, zeigte der Besuch von Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, die die Messeteilnehmer begrüßte. Zusammen mit Bürgermeister Reinhard Limbach, Bezirksbürgermeisterin Brigitta Poppe-Reiners und dem Sprecher des Biostädte-Netzwerks, Peter Pluschke, überreichte sie der Stadt Bonn die Beitrittsurkunde zum Netzwerk der Biostädte.

„Die Biobranche boomt“, erklärte die Ministerin. Der Gesamtumsatz mit biologischen Lebensmitteln habe sich gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf inzwischen elf Milliarden Euro erhöht. Davon sind rund zwei Milliarden Euro in NRW erwirtschaftet. „Viele Menschen wollen nicht nur biologisch, sondern auch regional erzeugte Lebensmittel haben“, differenzierte die NRW-Landwirtschaftsministerin. Gerade im Köln-Bonner Raum habe man große Produktionsflächen, sodass sich „bio“ und „regional“ gut miteinander verbinden lasse.

Dagegen erklärte Dorle Gothe vom Vorstand der Regionalwert AG und Gründungsmitglied der Initiative Bonner Ernährungsrat, dass die Durchdringung mit ökologischen Flächen noch sehr gering sei: „Wir haben im Rheinland nur etwa ein Prozent des Ackerbaus ökologisch bewirtschaftet, was wirklich sehr, sehr wenig ist. Damit gehören wir zu den Schlusslichtern.“ Sie bestätigte zwar, dass die Biobranche sich insgesamt im Aufwind befände, schränkte diesen Boom jedoch für regionale Erzeugnisse ein. „Hier fehlen einfach noch die Strukturen“, so Gothe. Darum engagiere man sich auch mit der Bio-Gastro-Messe, um Erzeuger und Verbraucher zusammenzuführen.

In Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung sei die Zeit knapp. Kleine und regionale Lieferanten zu finden, koste die Einkäufer oft zu viel Aufwand und Zeit. Auf der Bio-Gastro-Messe ließen sich dagegen komprimiert Gespräche führen und Kooperationen anbahnen. „Für uns ist es total interessant zu erfahren, wie wir es anstellen können, die Gastronomen und Gemeinschaftsverpfleger der Region zu erreichen“, sagte Christian Barthen vom Biohof Bursch in Bornheim.

Zusammen mit 16 weiteren Erzeugern stellte er sich auf der Messe einem „Speed Dating“ mit potenziellen Kunden. Auch wenn der Bio-Landwirt bereits regelmäßig auf 16 Wochenmärkten mit mehr als 60 Kulturen aus Demeter-Anbau vertreten sei, fehle ihm das Know-how, um seine Produkte direkt an Großverbraucher liefern zu können. Barthen sah kein Hindernis darin, dass Bio-Produkte in der Regel teurer sind als konventionell hergestellte landwirtschaftliche Produkte.

Ganz im Gegensatz zu Andreas Koplin: Der Godesberger Bäckermeister mit Catering-Betrieb ist seit einem Jahr Bio-zertifiziert. Außer Mehrarbeit habe sich wenig verändert. „Der Endverbraucher akzeptiert die höheren Preise nicht“, ist seine Erfahrung. Qualität sei nur am Wochenende interessant. Da gönne man sich etwas. Seine Brötchen kosteten 50 Cent, da habe er keine Chance gegen den Discounter, der 13 Cent nehme. „Durchhalten kann ich Bio nur, weil ich auch noch konventionell arbeite.“