Kommentar zu Bürgerdiensten in Bonn

Betriebsausflug ist Spaßtag auf Bürgerkosten

Schlange vor dem Bürgerbüro

Schlange vor dem Bürgerbüro

Bonn. Das Dienstleistungszentrum der Stadt Bonn verärgert die Bürger immer wieder mit extrem langen Wartezeiten. Der Stadtdirektor muss diesen Krisenherd endlich in den Griff bekommen, meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Aus dem Arbeitsamt wird eine „Agentur“, aus der Meldestelle ein „Dienstleistungszentrum“: Dass schicke neue Namen nicht gleich mehr Bürgerfreundlichkeit bedeuten, zeigt ein Blick ins Stadthaus. Seit der Umstellung auf die Vorabterminvergabe vor mehr als zwei Jahren verärgert das Dienstleistungszentrum die Bonner immer wieder mit extrem langen Wartezeiten auf einen freien Termin. Sich zwei Monate in Geduld fassen zu müssen, um eine dringende Reisepassangelegenheit zu klären, ist besonders vor Beginn der Sommerurlaubssaison eine echte Zumutung.

In jedem Wirtschaftsunternehmen würde man alles daran setzen, so einen Auftragsstau schnellstens abzubauen. Die Stadtverwaltung macht das anders: Sie schließt das Dienstleistungszentrum für einen ganzen Tag, damit die Mitarbeiter einen Betriebsausflug genießen können. Mag ja sein, dass dieses Privileg in einer Betriebsvereinbarung verankert ist. Aber wie instinktlos muss man sein, um einen solchen Spaßtag ausgerechnet in dieser Hochdruckphase zu veranstalten? Dass auch noch versehentlich Bürger in die geschlossene Behörde bestellt werden: ohne Worte...

Der zuständige Stadtdirektor Wolfgang Fuchs muss den Krisenherd endlich in den Griff bekommen. Seit Monaten argumentiert die Verwaltung mit Personalengpässen und dem Zeitaufwand für das Anlernen neuer Mitarbeiter. Doch irgendwann sollte der Laden auch mal laufen. Denn das Meldewesen dreht sich mitnichten um „Dienstleistung“: Es geht um eine mit deftigen Gebühren bezahlte Pflichtaufgabe, die eine Kommune in einer Art und Weise zu erfüllen hat, die keine Zumutung für die Bürger darstellt.