Sanierung der evangelischen Kreuzkirche

Beten unterm Sicherheitsnetz

BONN. Nicht nur das Münster, auch die evangelische Kreuzkirche am Kaiserplatz muss in den nächsten Jahren umfangreich saniert werden. 5,2 Millionen Euro wird die Instandsetzung der Außenmauern und eines Teils des Gewölbes nach derzeitiger Kalkulation kosten.

Das haben Gutachten ergeben, die jetzt auf dem Tisch liegen. Starten sollen die Arbeiten zunächst an den Außenwänden und unten am Turm. Mit dem Baubeginn rechnet Pfarrer Gerhard Schäfer im nächsten Jahr. Eindringendes Wasser hat dem Mauerwerk seit Jahren zugesetzt. Die Sanierung der Außenwände ist im Gegensatz zu den geplanten Arbeiten im Innenraum der Kirche dennoch recht unkompliziert, deshalb soll damit begonnen werden. Zumal der Bund laut Schäfer für das nächste Jahr 600.000 Euro an Zuschüssen für die mit 1200 Sitzplätzen größte evangelische Kirche am Mittelrhein zugesagt hat.

Wesentlich aufwendiger wird die Sanierung des Gewölbes im sogenannten Vierungsbereich, also vor dem Chorraum. Anders als das übrige Gewölbe der im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Kreuzkirche wurde es während des Wiederaufbaus nicht in den ursprünglichen Zustand versetzt. Es wurde ein neues Gewölbe mit einer Konstruktion aus Stahl unter das stark in Mitleidenschaft gezogene Vorkriegsgewölbe gehängt. "Man wollte damals einen neuen architektonischen Schwung in die Kirche bringen", erklärte Schäfer.

"Mit den Jahren hat Feuchtigkeit die Stahlkonstruktion so stark beschädigt, dass sie korrodiert ist", sagte Gutachter Reiner Lemke. Sie soll ausgebaut und durch ein Edelstahlgerüst ersetzt werden. Eine Sanierung des Vorkriegsgewölbes sei aus Denkmalschutzgründen nicht möglich und zudem noch aufwendiger. Um zu verhindern, dass wie kürzlich Putzbrocken in den Chorraum fallen, wird seit einigen Tagen ein riesiges Netz gespannt. "Keine Sorge, das Gewölbe ist sicher, trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Putzteile lösen", erklärte Lemke.

Die Gläubigen werden sich an den Anblick des Netzes über ihren Köpfen gewöhnen müssen: Denn noch ist nicht klar, wann mit den Arbeiten im Innenraum, die auch eine Modernisierung des Fußbodens und der Kirchenbänke vorsehen, begonnen werden kann. Das Problem brachte Superintendent Eckart Wüster auf den Punkt: "Einen solchen finanziellen Batzen kann eine Gemeinde alleine nicht stemmen."

Für die 1871 erbaute Kreuzkirche, sozusagen die älteste Tochter der Mutter aller evangelischen Kirchen in Bonn - der Schlosskirche im Uni-Hauptgebäude - trügen alle evangelischen Gemeinden die Verantwortung. Sie sei schließlich die Stadtkirche der Protestanten in Bonn, ein Denkmal, dessen nationale Bedeutung ohne Frage anerkannt sei, sagte Wüster und erinnerte an feierliche Gottesdienste mit Staatsgästen, wie etwa am Tag der Deutschen Einheit.

Während der Gutachter die Kosten für die Sanierung der Außenmauern auf insgesamt 2,5 Millionen Euro schätzt, werde die Instandsetzung des Gewölbes samt der Modernisierung des Innenraums rund 2,5 Millionen kosten. Schäfer hofft, dass der Bund sich auch daran "im glücklichsten Fall" bis zur Hälfte der Gesamtsumme beteiligen wird. Und dass sich viele Spender finden lassen, mit deren Hilfe das Projekt angegangen werden kann.

"Vom Spendenaufkommen hängt letztlich auch ab, wann wir mit den Bauarbeiten für das Gewölbe beginnen können", so Schäfer. Ähnlich wie das Münster, für das die Sanierungsgutachten Ende in den nächsten Monaten erwartet werden, muss auch die Kreuzkirche während der Bauarbeiten wohl einige Zeit geschlossen bleiben. Gutachter Lemke rechnet mit etwa neun Monaten. Als Ausweichmöglichkeit stehen der Gemeinde die Krypta oder die Schlosskirche zur Verfügung.