Stadt Bonn ist sich sicher Besucherrekord bei Pützchens Markt erwartet

Perspektivwechsel: Im Fahrgeschäft Commander stehen die Kirmesgäste immer wieder auf dem Kopf.

Pützchen. Drei von fünf Kirmestagen liegen schon hinter den Jahrmarktfans. Aber der Budenzauber lässt nicht nach, die Faszination ist ungebrochen und es könnte einen neuen Besucherrekord geben.

Die Stadt Bonn rechnet fest mit einem neuen Besucherrekorde auf Pützchens Markt. Harald Borchert, Marktleiter der Stadt: „Ich gehe davon aus, dass der 651. Pützchens Markt bis einschließlich Dienstagabend von 1,4 Millionen Menschen besucht worden ist.“ Der Rekord aus dem Jahr 2014 liegt bei 1,35 Millionen Menschen. Polizei und Ordnungsamt sprechen hingegen von einem der friedlichsten Jahrmärkte der letzten Jahre.

 "Ich war bislang jeden Tag hier. Ich kann mich einfach nicht sattsehen und genieße vor allem das frühabendliche Lichterspektakel in den Kirmesgassen. Pützchens Markt ist ein Mega-Event: Hier trifft man nette Menschen, und ich lerne alle Neuigkeiten an Fahrgeschäften kennen", sagt Astrid aus Hennef. Und wie lautet ihr ganz persönlicher Tipp? "Ich habe mich in die Berg- und Talbahn 'Fahrt ins Paradies' verliebt. Dieses historische Fahrgeschäft erinnert mich an meine Teenagerzeiten auf der Dorfkirmes. Die Mischung stimmt: Gute Musik, nostalgische Chaisen und dann ein verstohlener Kuss. So war das halt früher", schmunzelt Astrid und kauft an der Kasse zwei Fahrchips für sich und ihren Ehemann.

Nostalgiebahn ist sehr beliebt

Über das Lob freut sich Toni Schleifer. Der Schausteller stößt mit seiner Nostalgiebahn auf "tolle Resonanz":  "Ich stehe mit diesem Fahrgeschäft aus dem Jahr 1939 zum ersten Mal auf Pützchens Markt und konnte vorher nicht einschätzen, ob die Berg- und Talbahn in der Zuschauergunst mit den modernen Schaukeln und Freifalltürmen mithalten kann."  Der 49-Jährige ist selbst Fan von Kirmesklassikern und Mitglied in der Historischen Gesellschaft Deutscher Schausteller. Sieben Jahre lang hat er die Bahn restauriert, bevor er 2010 auf der Dürener Annakirmes mit der Holzkonstruktion an den Start ging. "Die Fahrt ins Paradies ist einzigartig in Deutschland und ich glaube, diese besondere Atmosphäre schätzen die Fahrgäste", erklärt Schleifer, der sich viel Mühe gibt, um Kundschaft anzulocken. Bei jeder Fahrt mit Tempo 18, die etwa sechs Minuten dauert, spielt Schleifer Jazz-Klassiker wie Moonriver auf seinem Saxofon live.

 

Und wie sollte es anders sein: Die übrige Musik kommt von der Schallplatte - natürlich vom Chef mit der Hand aufgelegt. Wer das Unikat selbst testen will: Die Bahn steht an der Kreuzung Markt.

Friedenstraße, die Fahrt kostet drei Euro.  Dass Glücksspiele Menschen nahezu süchtig nach Gewinnen machen, ist eindrucksvoll am "Glückshaus" festzustellen. Einzelpersonen, Paare, Gruppen stehen vor dem Schaustellerwagen der Familie Wilmering und basteln an einer erfolgversprechenden Strategie. Ziel ist es, so viele Lospunkte zu sammeln, um sich einen Hauptgewinn aussuchen zu können. "Wer viel Glück hat, zieht einen Joker und hat mit einem Los den Hauptgewinn erzielt.

 

Rezeptur bleibt Betriebsgeheimnis

In diesem Jahr sind Einhorn-Stofftiere besonders gefragt", erzählt Marc Wilmering, dessen Großvater bereits vor 40 Jahren mit einer Losbude auf Pützchen stand. Ein Los kostet 25 Cent, 25 Lose fünf Euro. Das Glückshaus steht gegenüber dem Bayernzelt. Die Bierbude von Arno Schatz ist beim 651. Pützchens Markt besonders umlagert. Der Kirmeswirt feiert nämlich Jubiläum: Seit 30 Jahren steht er mit seinem Ausschank am selben Platz in der Friedenstraße. Und wer sich in der Rummelszene auskennt weiß, dass es auf der Getränkekarte einen Kirmes-Klassiker gibt: "Arnos Rhabarber-Schätzchen". "Der Kurze schmeckt fruchtig leicht, und man bekommt garantiert keinen Kater davon", schwärmt Patricia Schönenborn, die im Zelt der Beueler Stadtsoldaten mithilft und ab und an in der Pause mal schnell zu Arno Schatz rübergeht. Und das Rezept? Arno lächelt: "Betriebsgeheimnis."

Das Schätzen der Besucherzahlen ist schwierig. Die Vertreter von Polizei und Stadt Bonn haben ihre Erfahrungswerte - zum Beispiel die Menschendichte in der Friedenstraße -, die Rückschlüsse auf die Besucherströme zulassen.

 

Die Schausteller hingegen bedienen sich eines anderen Messsystems. Hubert Markmann, der sozusagen auf Pützchens Markt aufgewachsen ist, verrät, wie er den Besucherandrang misst: "Wenn die Familie Kipp das Riesenrad mit mindestens jeweils acht Gondeln pro Hälfte besetzt, ist der Kirmesbesuch gut. Sind es nur drei Gondeln pro Riesenradhälfte ist er schlecht." Das 55 Meter hohe Europarad, das Wahrzeichen von Pützchens Markt, muss aus Gründen der Standfestigkeit stets ausgewogen besetzt sein - weiß Schaustellerkollege Markmann.

 

Am Sonntagabend folgte der nächste Höhepunkt: Beim Rheinischen Abend im Festzelt spielten Querbeat, Miljö, Kempes Finest und Kasalla bei freiem Eintritt vor 2500 Gästen. Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus dankte dem Freundeskreis Pützchens Markt für Organisation und Finanzierung dieses Events: "Die Fete wurde ohne einen Cent aus der Stadtkasse finanziert - einfach klasse."

 

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