Der Ärger wächst

Beschwerden über Deutsche Post verdoppeln sich

Ein Briefträger trägt mit seinem Handwagen in Düsseldorf die Post aus.

Ein Briefträger trägt mit seinem Handwagen in Düsseldorf die Post aus.

Berlin/Bonn. Immer mehr Bürger machen ihrem Ärger über die Deutsche Post und deren Wettbewerber Luft. Die Zahl der Post-Beschwerden bei der Bundesnetzagentur habe sich in diesem Jahr auf 11.830 fast verdoppelt.

Pakete und Briefe verschwinden, Sendungen sind beschädigt oder kommen zu spät an - der Ärger über verlorene, beschädigte oder verspätete Postsendungen wächst, gerade in der Weihnachtszeit. Die Zahl der schriftlichen Beschwerden bei der Bundesnetzagentur über Zustellfehler der Deutschen Post ist im laufenden Jahr auf bisher 11.830 gestiegen, wie die Bonner Regulierungsbehörde am Freitag mitteilte. Sie hat sich damit gegenüber dem Vorjahr schon fast verdoppelt. 2017 waren noch 6100 Beschwerden bei der Netzagentur eingegangen - und im Jahr davor war ihre Zahl wiederum um 50 Prozent geringer.

Die Gründe für die zunehmenden Zustellprobleme der Post sind vielfältig. Wegen des florierenden Onlinehandels ist die Zahl der Paketsendungen, die Zusteller gerade im Weihnachtsgeschäft zu bewältigen haben, enorm angestiegen. Die Post erwartet bei den Paketsendungen jährliche Zuwächse von rund acht Prozent, während auf der anderen Seite wegen der wachsenden E-Mail-Kommunikation die Menge der Briefsendungen abnimmt. Zusteller klagen über schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne.

51 Prozent der Beschwerden der Bürger betrafen laut der Bundesregierung aber die Briefbeförderung, nur 33 Prozent die Paketzustellung, der Rest Briefkästen und anderes. "Im Paketbereich beziehen sich die Beschwerden vor allem auf Zustellausfälle, unberechtigte Rücksendungen, keine Zustellungen trotz Ankündigung, Ersatzzustellungen oder Benachrichtigungskarten trotz Anwesenheit sowie auch Falschzustellungen und Ablageorte", schreibt das Wirtschaftsministerium in seiner Antwort.

Die meisten Beschwerden im laufenden Jahr kamen aus Berlin (1070) und Hamburg (507). Doch auch in NRW ist der Ärger groß: Nach Daten der Verbraucherzentrale NRW, die das Beschwerdeportal "Post-Aerger.de" betreibt, hat es zwischen Februar und Juli in NRW 2,6 Briefbeschwerden pro 100 000 Einwohner gegeben. Das Land liegt damit im Ländervergleich im oberen Mittelfeld. Die Beschwerden bei der Bundesnetzagentur seien "nur die Spitze des Eisbergs", sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. "Die Post muss dringend aufhören, bestimmte Zustellbezirke an Subunternehmen auszulagern." Dort gebe es die meisten Probleme.

Das Porto für Briefe erhöht sich

Gerade zum Weihnachtsgeschäft steht der Konzern unter Druck. Er liefert zu Weihnachten bis zu elf Millionen Pakete an einem Tag aus. "Die Personaldecke ist an vielen Stellen der Branche auf Kante genäht. Hier sind die Unternehmen gefordert, ihre Kapazitäten auszubauen und damit die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Davon würden auch die Kunden profitieren", sagte Andrea Kocsis, stellvertretende Aufsichtsratschefin der Post und Vize-Chefin der Gewerkschaft Verdi. "Für die Kunden ist die schwache Servicequalität bei Paketen und Briefen schon sehr bedrückend. Das muss sich unbedingt bessern", forderte auch Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) .

Trotz der Serviceprobleme will die Post das Porto für einfache Briefe von 70 Cent auf 80 Cent erhöhen. Die Bundesnetzagentur prüft das Vorhaben derzeit.