Eröffnung von Geschäftsstelle

Beratung gegen Depressionen in Tannenbusch

Wlatraud Rinke (links) und Dagmar Siewersen.

Wlatraud Rinke (links) und Dagmar Siewersen.

Tannenbusch. Die Depressionsliga hat in Tannenbusch eine Geschäftsstelle eröffnet. Aufklärung und Nächstenhilfe sind die Hauptanliegen.

Was früher schlicht als Melancholie abgetan wurde, ist heute als Depression benannt und diagnostizierbar. Eine Krankheit, nicht anders als ein gebrochenes Bein oder ein Schlaganfall. Und doch werden Betroffene noch immer oft nicht ernst genommen, die Symptome als persönliche Schwäche und Unvermögen eingeordnet. 2009 gründeten Betroffene den Verein Deutsche Depressionsliga mit dem Anliegen, eine Patientenvertretung für andere Erkrankte zu etablieren. In Tannenbusch eröffnete nun die erste hauptamtliche Geschäftsstelle.

Die Therapeutin Dagmar Siewertsen war in ihrer Jugend selbst von der Krankheit betroffen und entschied sich auch deshalb, die Leitung der Geschäftsstelle zu übernehmen. Zuvor war sie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Onlineberatung und arbeitete mit schwerstbehinderten Kindern. „Hier in Bonn werden wir vor allem als Vermittler zu anderen Stellen tätig sein. Die direkte Beratung von Betroffenen wird weiter von unseren Ehrenamtlichen per Telefon und Mail angeboten.“ Für Bonn als Standort habe man sich wegen des lebendigen Umfeldes an Vereinen und Organisationen entschieden.

Wenn bei der Arbeit das Telefon klingelte, habe sie nicht mal mehr den Hörer abnehmen können, so Waltraud Rinke, Vorsitzende und Gründerin des Vereins Deutsche Depressionsliga. „Die Depression raubt einem jede Kraft. Und das bisschen Energie, das einem bleibt, verwendet man dazu, die Krankheit vor anderen zu verbergen. Denn die Leute denken immer noch, mit ein bisschen gutem Willen könne man das überwinden. Man solle sich mal nicht so anstellen“, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Auch reiche es nicht aus, die Ursachen der Krankheit immer auf die Leistungsgesellschaft zu schieben.

Rinke selbst war im oberen Management tätig und sagt, von Depressionen seien Menschen verschiedenster Altersklassen und Berufsgruppen betroffen. Ein Mosaik aus verschiedensten Faktoren, zu dem das soziale Klima, das persönliche Umfeld, aber auch genetische Veranlagungen gehören, könne zur Erkrankung führen.

In der Gesellschaft sei man über diese Komplexität noch immer wenig informiert. Die Deutsche Depressionsliga leistet darum vor allem Aufklärungsarbeit und möchte so zur Entstigmatisierung von Depressionen beitragen. Neben den Beratungen organisieren die Ehrenamtlichen bundesweit Projekte wie zum Beispiel seit 2014 die MUT-Tour.

Jedes Jahr treffen dabei an Depression Erkrankte und Nicht-Erkrankte aufeinander und radeln oder wandern gemeinsam kilometerweit durch Deutschland. Am 28. August durchquert die MUT-Tour auch Köln und Bonn. „Unsere Aktionen sollen aktiven Charakter haben und Depressive in die Gesellschaft holen“, so Martin Georgi, Berater des Vereinsvorstandes. Waltraud Rinke würde nie sagen, dass sie geheilt ist. Aber durch eine Therapie erkennt sie heute Alarmzeichen und hat gelernt, sich selbst gegenüber achtsam zu sein.