Dringlichkeitsvorlage abgelehnt

Beirat will Betonfläche auf Bonner Kunst!Rasen-Bühne verhindern

Bonn. Der Bonner Naturschutzbeirat will in der Rheinaue eine Betonfläche für die Bühne der Kunst!Rasen-Konzerte verhindern. Diese soll den Aufbau erleichtern. Eine Dringlichkeitsvorlage der Stadtverwaltung lehnte das Gremium ab.

Die Stadt hatte sich mit Kunst!Rasen-Veranstalter Ernst-Ludwig Hartz auf den baulichen Eingriff in die Parkanlage unterhalb des Post Towers geeinigt. Die Bodenplatte soll den Aufbau der Bühne erleichtern, auf der in den vergangenen Jahren schon Größen wie Carlos Santana und Bob Dylan gespielt haben. Bislang werde sie an einer Böschung errichtet und müsse entsprechend unterbaut werden, schreibt die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage.

Außerdem müsse sie aufwendig gegen Auftrieb bei starkem Wind gesichert werden – mit bis zu 30 Wasserbehältern, die als Gegengewicht unter dem Bühnenboden aufgestellt würden. Deshalb sieht die Stadt, die das Gelände für das Sommerfestival an Hartz verpachtet, auf eigene Kosten eine 14 mal 29 Meter große Bodenplatte vor, in der die Bühne verankert werden kann.

Laut Bebauungsplan sind auf der Wiese „Einrichtungen für Sport- und Freizeitnutzungen“ möglich. Das Amt für Umweltschutz als Untere Naturschutzbehörde beabsichtigt, eine landschaftsrechtliche Befreiung für die Aufstellfläche zu erteilen.

Beiratsmitglied kritisiert "Salami-Taktik"

Doch im Naturschutzbeirat stieß die Behörde auf harten Widerstand. Die Stadt sei dem Kunst!Rasen-Festival ja schon mit jährlichen Baugenehmigungen entgegengekommen, kritisierte etwa Beiratsmitglied Wolfgang Kehren in der Sitzung. „Das ist eine Art Salami-Taktik, das mag ich nicht.“ Es sei zudem unklar, ob die Kunst!Rasen-Konzerte auf Dauer fortgesetzt würden.

Bei einer Enthaltung lehnte das Gremium die Vorlage am Ende einmütig ab. „Der Stadtrat wird sich wahrscheinlich nicht daran halten“, mutmaßte der Vorsitzende Hartmut Stellmacher. Und spitzte zu: „Das kennen wir aus der Erfahrung ja nicht anders. Zumindest haben wir selbst ein reines Gewissen.“ Die Stadtverwaltung prüft jetzt in der Tat, ob sie eine Vorlage für den Rat erstellt.

Die war bisher nicht vorgesehen. „Wenn dann der Rat wie der Naturschutzbeirat beschließt, ist die Bühnenfläche abgelehnt“, sagte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Stimmt die Mehrheit aber gegen den Beschluss des Beirats, muss der Vorgang der Höheren Naturschutzbehörde zur Entscheidung vorgelegt werden. Das ist die Bezirksregierung in Köln.

Auftakt macht Tom Jones

Veranstalter Hartz reagierte gelassen auf das Veto der Naturschützer. „Der Unterbau würde uns die Arbeit natürlich erleichtern“, sagte der Bonner, der die Stadtverwaltung ausdrücklich für ihre kooperative Haltung lobte. Man habe lange gemeinsam nach einer Lösung für das Bühnen-Problem gesucht. Froh wären die Kunst!Rasen-Macher, wenn sie an ausgewählten Freitagen und Samstagen Konzerte bis 23 Uhr veranstalten dürften.

Die strengen Lärmschutzauflagen erlauben bisher nur einen Betrieb bis 22 Uhr. Die Lärmgrenzwerte sind eine wesentliche Auflage in der temporären Baugenehmigung für das Festivalgelände. Die Werte müssen während der Konzerte gemessen und der Stadt nachgewiesen werden. „Wir halten die Lärmschutzwerte jederzeit ein“, versicherte Hartz.

Den Auftakt beim diesjährigen Kunst!Rasen macht die energiegeladene Bühnenlegende Tom Jones am 28. Juni. Mit dem Vorverkauf für das Festival insgesamt zeigt sich Hartz mehr als zufrieden: Rund 30 000 Karten seien schon weg, allein 9000 davon für die Fantastischen Vier am 20. Juli.