Verbesserungen in Bonn gefordert

Behinderte finden in Bus und Bahn oft keinen Platz

Nicht nur der Einstieg in einen Bus ist für Rollstuhlfahrer beschwerlich. Oft ist für sie auch im Fahrzeug nicht genügend Platz.

Nicht nur der Einstieg in einen Bus ist für Rollstuhlfahrer beschwerlich. Oft ist für sie auch im Fahrzeug nicht genügend Platz.

Bonn. Die Bonnerin Linda Mattern hat im Bürgerausschuss die zunehmende Rücksichtslosigkeit von Fahrgästen angesprochen. Behinderte fänden in Bus und Bahn oft keinen freien Platz. Sie fordert eine Verbesserung.

Menschen mit Behinderung, Senioren oder Eltern mit Kinderwagen: Sie alle sind im Alltag auf besondere Rücksichtnahme angewiesen. Zum Beispiel, wenn sie im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind. Doch viele von ihnen erleben offenbar ein immer rücksichtsloseres Verhalten von Fahrgästen.

Deutlich machte das Linda Mattern mit ihrem Bürgerantrag im Ausschuss für Bürgerbeteiligung am Mittwochabend. Die Bonnerin fordert von der Stadtverwaltung und den Stadtwerken, die Situation für alle mobilitätseingeschränkte Menschen in Bussen und Bahnen deutlich zu verbessern. Ihr Antrag fand die volle Zustimmung aller Fraktionen.

Mattern fährt täglich mit Bus und Bahn zur Arbeit und hat über die Jahre hinweg eine Zunahme der Gleichgültigkeit bei Fahrgästen beobachtet. Exemplarisch schilderte sie etwa einen Fall, den sie kürzlich in der Linie 61 erlebt hatte. Die Bahn sei voll besetzt gewesen – auch die Plätze für Schwerbehinderte. Auf einem davon habe ein junger Mann gesessen, der einen zweiten Behindertenplatz mit seinem Fahrrad blockiert habe.

Als ein sichtlich gehbehinderter Mann in die Bahn einstieg, habe sie den jungen Fahrgast gebeten, dem älteren Mann einen Platz freizumachen. „Seine Antwort lautete: 'Ich teile nicht'“, berichtete Mattern den Politikern. Dabei seien oberhalb der Plätze entsprechende Symbole angebracht mit dem Hinweis, dass die Plätze für Menschen mit Behinderungen reserviert seien.

Mattern berichtete zudem von einer älteren Frau mit Rollator, die in eine ebenfalls voll besetzte Straßenbahn eingestiegen war. „Sämtliche Fahrgäste haben die Frau einfach ignoriert.“ Ihre Nachfrage unter anderem bei der Beschwerdestelle der Stadtwerke sei aus ihrer Sicht nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Zwar sei ihr bestätigt worden, dass viele Fahrgäste die Bedürfnisse von mobilitätseingeschränkten Menschen missachteten, aber der Vorschlag der Beschwerdestelle, in diesen Fällen den Fahrer anzusprechen, sei nicht wirklich hilfreich. „In den Bahnen sitzen die Fahrer in abgetrennten Kabinen. Und in vollen Bussen ist es schier unmöglich, zum Fahrer zu gelangen.“

Hinweise über Lautsprecher sollen helfen

Ihr Vorschlag: Stattdessen sollten Fahrer in vollen Bussen von sich aus über Lautsprecher regelmäßig darauf hinweisen, dass bei Bedarf diese Plätze freizumachen seien. Auch müssten die Plätze besser gekennzeichnet werden, sagte Mattern, die dem Ausschuss für die einhellige Zustimmung zu ihrem Antrag dankte. Grünen-Ratsherr Christian Trützler, der selbst im Rollstuhl sitzt, wies noch auf ein anderes Problem hin: So fehle es in Bussen und Bahnen auch an ausreichendem Platz für Rollstuhlfahrer und für Kinderwagen. „Ich bin deshalb schon an der Haltestelle zurückgelassen worden.“

Die Verwaltung sicherte zu, sie werde alsbald mit den Stadtwerken über die Verbesserungen unter anderem von Kommunikationsmaßnahmen reden, damit die Bedürfnisse der betroffenen Fahrgäste besser wahrgenommen würden und auch die Hilfsbereitschaft wieder steige. „Grundsätzlich sind nach den Beförderungsbestimmungen Sitzplätze für Menschen mit Behinderung freizugeben. Das ist aber von der Bereitschaft anderer Fahrgäste abhängig – diese lässt sich nicht erzwingen.“ Eventuell könne man den Hinweis auch in die automatische Haltestellenansage aufnehmen. Ebenso werde darüber nachgedacht, wie in den Fahrzeugen in Zukunft mehr Platz für Rollstühle und Kinderwagen geschaffen werden könne.