Baupläne im Bundesviertel

Behörde stoppt Asbecks Hochhausvorhaben

BONN. Im Rathaus bahnt sich Ungemach an: Die Bezirksregierung Köln hat die Stadt Bonn aufgefordert, einen positiven Bauvorbescheid zur Aufstockung der ehemaligen Landesvertretung Niedersachsen um sechs Geschosse zurückzunehmen. Das geht aus einem Schreiben an Stadtbaurat Werner Wingenfeld hervor.

Die Aufsichtsbehörde macht damit den Erweiterungsplänen des Immobilienkaufmanns Marc Asbeck, Eigentümer des an die Deutsche Post vermieteten Gebäudes an der Kurt-Schumacher-Straße, einen Strich durch die Rechnung.

Und stellt Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, der dem Vernehmen nach den positiven Vorbescheid nach Rücksprache mit dem Bauordnungsamt persönlich veranlasst haben soll, vor ein Problem: Der Investor könnte die Stadt in Regress nehmen. Asbeck selbst wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. "Mir liegen schriftliche Erklärungen der Stadt bisher nicht vor", erklärte er.

Ursprünglich wollte der Kaufmann, der zahlreiche Immobilien im Bundesviertel besitzt und im kommenden Jahr in Bonn insgesamt 500 Millionen Euro investiert haben will, noch höher hinaus. Er wollte vor dem Hintergrund des immensen Platzbedarfs der Post die ehemalige Landesvertretung um 14 Geschosse aufstocken. Dafür müsste der Bebauungsplan geändert werden.

Doch da macht die Politik erst recht nicht mit. Die Ratsmehrheit will keine Planungen genehmigen, die über die bisherigen Festsetzungen des Bebauungsplanes hinausgeht, betonten gestern die Planungsexperten von CDU und Grünen, Arno Hospes und Hartmut Lohmeyer.

Sie begrüßten die Entscheidung der Bezirksregierung ausdrücklich. "Das ist gut so", sagte Hospes und erinnerte daran, der Rat habe im April beschlossen, für den noch aus Hauptstadtzeiten stammenden Bebauungsplan ein Änderungsverfahren einzuleiten. Mit dem Ziel, diese Festsetzungen rechtssicher zu machen.

"Das ist erforderlich, weil der Bebauungsplan noch eine Hauptstadtnutzung vorsieht, die jetzt überholt ist", erklärte Lohmeyer. Er fände es richtig, wenn die 1990 eingeweihte Landesvertretung unter Denkmalschutz gestellt würde. "Sie bildet mit anderen Häusern dort ein Ensemble und ist Zeugnis für die Baukultur der Hauptstadtzeit."

Im Übrigen, so Hospes, wolle man keine weiteren Hochhäuser in dem Areal. Das beeinträchtige die Wirkung des Posttowers als Solitär. Auch die Höhe des einst für die Abgeordneten geplanten Schürmann-Baus (Deutsche Welle) sei bewusst an die Höhe des Ensembles angepasst worden.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Bernhard Wimmer. Der Fraktionschef des Bürger Bunds Bonn hatte sich geärgert, als er erfuhr, dass die Verwaltung mit dem Vorbescheid Fakten geschaffen hatte und sich darüber bei der Bezirksregierung beschwert.

Die Stadt hat indes erhebliche Zweifel an der Rechtswirksamkeit des Bebauungsplanes und ist der Auffassung, dass die Überschreitung der Geschossigkeit in einem Teil des Baugrundstückes rechtens ist, hieß es gestern aus dem Presseamt. Sollte Asbeck gegen den Aufhebungsbescheid klagen, könnte es dazu kommen, dass ein Gericht den Bebauungsplan auf seine Rechtswirksamkeit prüft.