Kommentar zur Klimakonferenz

Begrenzte Kapazität

Bis einschließlich diesen Donnerstag finden im WCCB die Vorgespräche zur großen Klimakonferenz im Herbst statt.

Bis einschließlich diesen Donnerstag finden im WCCB die Vorgespräche zur großen Klimakonferenz im Herbst statt.

Bonn. Wenn eine Veranstaltung zum dritten Mal stattfindet, kann man von einer Tradition sprechen, sagen die Rheinländer. Demnach ist die Klimakonferenz, die zurzeit im World Conference Center Bonn (WCCB) tagt und den ebenfalls in Bonn geplanten Weltklimagipfel COP 23 im November vorbereitet, längst eine Traditionsveranstaltung.

Die lobenden Worte, die viele Kongressteilnehmer seit Eröffnung des WCCB für den neuen Kongresssaal finden, gehen runter wie Öl. Schließlich stand der einstige Skandalbau der Stadt Bonn jahrelang nur in den Negativ-Schlagzeilen. Die uns allerdings immer wieder begleiten werden, wenn es um die städtischen Finanzen geht: Immerhin wird das WCCB, das die Stadt Bonn einst null Euro kosten sollte, das Stadtsäckel noch jahrzehntelang mit mindestens acht Millionen Euro pro anno belasten.

Jetzt gilt die Aufmerksamkeit aber zunächst den künftigen Veranstaltungen im Kongresszentrum, die immer hochkaratiger werden. Dazu zählt sicherlich die Jahreshauptversammlung der Post im nächsten Jahr, aber vor allem der Weltklimagipfel COP 23 im November, der für alle Beteiligten ohne Frage eine große Herausforderung sein wird.

Da ist die eine Frage, wie die BonnCC gemeinsam mit Bund und UN den Gipfel organisatorisch und logistisch gestemmt bekommt. Eine andere, nicht minder wichtige Frage ist, wo denn die bis zu 20 000 Teilnehmer, die erwartet werden, alle unterkommen werden. Klar ist, die Hotelkapazitäten in Bonn, die schon bei kleineren Kongressen schnell ausgereizt sind, reichen bei Weitem nicht aus. Viele Kongressteilnehmer werden teils weite Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, denn auch in der näheren Umgebung in der Region ist die Bettenkapazität begrenzt.

Die Kapazitätsfrage wird sicher auch die Diskussion um die Frage befeuern, wie viele zusätzliche Hotelbetten Bonn noch verträgt. Da gehen die Meinungen bekanntlich weit auseinander. Die etablierten Hoteliers glauben, der Bedarf ist derzeit gesättigt, was aus ihrer Sicht und der Sorge um die eigene Existenz bei einem verstärkten Wettbewerb verständlich ist. Die Stadt möchte mehr Hotelbetten in Bonn schaffen und beruft sich dabei auf ein Gutachten aus dem Jahr 2010, das Marktlücken im sogenannten Economy- und Low Budget Segment aufzeigt. Um auf einer sachlicheren Ebene diskutieren zu können, bedarf es vielleicht einer gründlichen Überarbeitung dieser Studie, die man eventuell sogar gemeinsam in Auftrag geben könnte.