Familientreffen auf dem Münsterplatz

Beethovens Nachfahren besuchen Bonn

Mit den Besuchern aus Belgien wächst die Hörl-Installation auf dem Münsterplatz auf 747 lächelnde van Beethovens an.

Mit den Besuchern aus Belgien wächst die Hörl-Installation auf dem Münsterplatz auf 747 lächelnde van Beethovens an.

Bonn. 47 flämische Verwandte Ludwig van Beethovens haben Bonn besucht. Sie erfuhren dabei Überraschendes über den Komponisten und bevölkerten auch die Hörl-Installation auf dem Münsterplatz.

Vor zwei Jahren entstand im Verein der Bürger für Beethoven die Idee, die aus Mechelen stammenden Nachfahren Ludwig van Beethovens nach Bonn einzuladen. So machten sich am frühen Samstagmorgen 47 van Beethovens mit rund weiteren 40 Verwandten und Freunden per Bus von der flämischen Stadt in der Nähe Antwerpens auf den Weg ins etwa 250 Kilometer entfernte Bonn.

Walter Sluydts, ein Vetter des Dirigenten und Beethoven-Biografen Jan Caeyers, hatte in wenigen Monaten auf Anregung des Bürgervereins 136 van Beethovens in Belgien ausfindig gemacht und im Auftrag des Bonner Vereins in Beethovens Geburtsstadt eingeladen.

Einer trägt sogar den Vornamen Ludwig

„Ja!“, sagte Wout van Beethoven aus Antwerpen am Samstag, er sei stolz, den Namen Beethovens zu tragen. Aber es habe – bis auf diese Einladung ins schöne Bonn – noch keinen Einfluss auf sein Leben gehabt. „In Belgien ist das nicht so speziell, den Namen zu haben“, ergänzte seine Frau Alexandra.

Auch Lisa (25) und Sam van Beethoven (20) aus Gent bestätigten, dass es nichts Besonderes sei, den Namen des weltberühmten Komponisten zu tragen. Manche Leute würden allerdings bei der Namensnennung oft ungläubig gucken. Das muss dem 53-jährigen Werkzeugmacher Ludwig van Beethoven häufiger passieren, da seine Eltern auch den Vornamen des berühmten Vorfahrens für ihren Sohn gewählt haben.

Der auf den deutschen Namen „Werner“ getaufte van Beethoven aus dem flämischen Lier erinnert sich an seinen Besuch im Bonner Beethoven-Haus vor etwa zehn Jahren: „Als man dort meinen Pass sah und den Namen las, hatte ich nicht nur freien Eintritt, sondern wurde auch zum Abendessen eingeladen.“

Dagegen weiß Frank aus Antwerpen erst seit wenigen Wochen, dass er ein Nachfahre des Komponisten ist. Bis zum Zeitpunkt, als ein Oxford-Professor anfragte, seine DNA untersuchen zu dürfen, um die genealogischen Spuren Beethovens nachzuzeichnen, sei der berühmte Vorfahren für ihn kein Thema gewesen. Nun wisse er, dass er in der neunten Generation nach Ludwig geboren sein und fange an, sich mit dem Bonner Genie zu beschäftigen.

Vielen der flämischen Beethovens war kaum etwas über Beethovens Zeit in Bonn bekannt. Um so aufmerksamer folgten sie den kenntnisreichen und amüsant vorgetragenen Ausführungen des Vereinsvorsitzenden Stephan Eisel, der seine Gäste vom Beethoven-Haus über die Bonngasse führte, in der viele Musiker und auch der Großvater Ludwigs gewohnt hatten. Am Marktplatz machte er Halt vor Beethovens damaliger Stammkneipe Zehrgarten, um auch seine amourösen Talente nicht auszusparen.

Bevor er die leibhaftigen Beethovens mit den 700 lächelnden Plastikausgaben auf dem Münsterplatz konfrontierte, sparte Eisel vor der Schlosskapelle auch das für Bonn wenig schmeichelhafte Bild vom Umgang mit dem berühmten Sohn der Stadt nicht aus. Angefangen damit, dass 1845 nicht die Stadt das Denkmal auf dem Münsterplatz setzte, sondern Bürger um Franz Liszt und Robert Schumann die Initiatoren und Geldgeber waren.

Auch das Beethoven-Haus wäre von der Stadt abgerissen worden, erfuhren die erstaunten Belgier, wenn sich nicht ein privater Verein gegründet hätte, der es sanierte und bis zum heutigen Tag erhält und betreibt.

Als die Stadt vor 25 Jahren alle Gelder für ein Beethovenfest gestrichen habe, waren es ebenfalls die Bürger, die drei Jahre lang ein privates Beethovenfest organisierten. Daraus sei der Verein Bürger für Beethoven entstanden, der mit 1600 Mitgliedern inzwischen zum größten der Stadt geworden sei.