Bauvorhaben

Beethovenhalle oder Festspielhaus?

Nicht nur das Dach der Beethovenhalle muss dringend saniert und erneuert werden. FOTO: VOLKER LANNERT

Nicht nur das Dach der Beethovenhalle muss dringend saniert und erneuert werden.

BONN. Am Tag nach Bekanntwerden der möglichen Kosten der drei Sanierungsvarianten für die 50 Jahre alte Halle ist die Diskussion um Beethovenhalle und/oder Festspielhaus neu entfacht.

"Wir können die Stadt nur beglückwünschen zu einer so detaillierten Analyse", sagte Hans Hinterkeuser, Geschäftsführer des Vereins Pro Beethovenhalle. Angesichts dessen, dass der Bau eines neuen Festspielhauses "nach wie vor in den Sternen steht und ja offensichtlich das Geld dafür fehlt", plädiert Hinterkeuser dafür, die Beethovenhalle zu einem hochwertigen Konzertsaal auszubauen. Das kostet laut Stadt 70 bis 90 Millionen Euro.

Ähnlich sieht es die Bonner Bundestagsabgeordnete Katja Dörner (Grüne): "Die Beethovenhalle ist eine prominente Zeugin aus Glas und Stein unserer Zeit als Bundeshauptstadt. Eine denkmalgerechte Sanierung ist gleichzeitig Pflicht und Chance für unsere Stadt."

Die Landtagsabgeordnete Renate Hendricks (SPD) als bekennender Fan der Beethovenhalle - "Ich liebe sie" - sieht ihre Haltung mehr als bestätigt: "Die Zahlen machen deutlich, dass eine Sanierung und ein Ausbau der Beethovenhalle immer noch kostengünstiger ist als ein neues Festspielhaus."

Die von der Post veranschlagten 70 Millionen für das neue Konzerthaus seien ja reine Baukosten, "und wer weiß, ob es dabei überhaupt bleibt". Sie plädierte an die Kommunalpolitiker, "eine klare Entscheidung für die gute Stube Bonns zu treffen". Sie sei sicher, dass dann auch ein großes bürgerschaftliches Engagement für die Beethovenhalle zustande kommt - vielleicht würden sogar viele ihre Spende für das Festspielhaus zugunsten der Beethovenhalle umlenken.

Wolfgang Grießl, IHK-Präsident und Begründer des Fördervereins Beethoven-Festspielhaus, kommentiert das charmant lachend: "Nein, unsere Förderer geben ihr Geld für ein neues Festspielhaus und nicht für die Sanierung der Beethovenhalle."

Dies sei nun mal auch Aufgabe der Stadt. Letztlich müssten sich Verwaltung und Stadtrat auch den Vorwurf gefallen lassen, all die vergangenen Jahren keinen einzigen Euro für die Pflege und Sanierung ihrer Gebäude zurückgelegt zu haben.

"Es ist ja schon interessant, dass ausgerechnet diese Leute uns nun vorwerfen, wir würden zu wenig Rücklagen bilden. Nein, die Stadt hat ihre eigenen Gebäude verrotten lassen. Die Situation ist sie selbst schuld."

Seiner Ansicht nach würde die Stadt viel Geld sparen, wenn sie sich beim Festspielhaus wie vorgesehen finanziell engagiert und die Beethovenhalle grundsaniert. Bei angemessener Renovierung der Beethovenhalle durch die Stadt und Bau des Festspielhauses durch private Investoren, reduzierten sich die Gesamtkosten der Stadt um mindestens 40 Millionen Euro, meint Grießl.

Wer jetzt eine Sanierung der Beethovenhalle für 56 oder 69 Millionen Euro fordere und gleichzeitig den Haushalt der Stadt durch Schließung und/oder Zuschusskürzung beim Deutschen Museum Bonn, dem Frauenmuseum und dem Euro Theater Central fordere, "handelt verantwortungslos und unseriös", so Grießl.

Im Übrigen kritisierte Grießl die zeitliche Abfolge der Entscheidungsgremien: Im Juni soll der Rat über die Beteiligung der Stadt am Festspielhaus entscheiden, im Mai sollen die Planungsmittel für die Beethovenhalle beschlossen werden. Die Planungskosten für zwei von der Verwaltung favorisierte Varianten sollen sich auf 3,25 Millionen Euro belaufen.

Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt meint, die "Zahlenspiele" der Verwaltung sollten "suggerieren, dass sich der Bau eines Festspielhauses neben der Grundsanierung der Beethovenhalle rechnet". Man tue so, als würde die Installation eines angemessenen Konzertsaales in der Beethovenhalle die Stadt mit 20 Millionen Euro teurer kommen als die Beteiligung an einem Festspielhaus mit 15 Millionen Euro.

Unterschlagen werde aber, "dass der Unterhalt und die Finanzierung des Betriebs des Festspielhauses der Stadt über kurz oder lang mit Millionensummen jährlich auf die Füße fällt". Was den Betrieb angeht, stimmt diese Aussage allerdings nicht.

Festspielhaus kostet die Stadt rund 15 Millionen Euro

Die Stadtverwaltung hat drei Varianten für Sanierung und Umbau der Beethovenhalle berechnen lassen. Die preiswerteste liegt demnach zwischen 31 und 40 Millionen Euro und ist eine reine Modernisierung des Bestandes. Für 56 bis 70 Millionen Euro könnte eine Multifunktionshalle mit verbesserter Bühnenakustik entstehen. Der Umbau zum hochwertigen Konzertsaal kostet laut Stadt 69 bis 90 Millionen Euro.

Will Bonn das Beethovenjubiläum 2020 in einem Spitzenkonzertsaal begehen, reichen die Varianten 1 und 2 nicht aus. Ohne das geplante Festspielhaus müsste die Stadt also mindestens 69 Millionen Euro (über Kredite) selbst investieren.

Mit Festspielhaus würde es billiger für die Kommune: Die Grundsanierung der denkmalgeschützten Beethovenhalle ist zwingend - für maximal 40 Millionen Euro. Dazu kommen 4,4 Millionen Euro für die baureife Übergabe des Festspielhaus-Baugrundstücks sowie zehn Millionen Euro, die Bonn in die Betriebsstiftung zahlen würde. Macht zusammen rund 55 Millionen Euro.

Dafür hätte Bonn dann eine sanierte Beethovenhalle und ein Festspielhaus, dessen Bau von der Post und anderen Sponsoren finanziert wird. Der Betrieb des Konzerthauses soll von der Betriebsstiftung bezahlt werden, für die der Bund 39 Millionen bereithält.