Zu spät für Jubiläumsfeiern

Beethovenhalle in Bonn wird erst 2020 fertig

Bonn. Die Bonner Stadtverwaltung hat die Ratsfraktionen am Mittwochnachmittag informiert, dass sich die Fertigstellung des Baudenkmals massiv verzögert. Auch das Beethovenfest 2019 ist betroffen.

Bei der Sanierung der Beethovenhalle verschärfen sich die Probleme dramatisch. Nach Angaben aus Ratsfraktionskreisen werden die Arbeiten erst im Februar 2020 abgeschlossen sein – also im Beethoven-Jubiläumsjahr, in dem bisher hochkarätige Veranstaltungen in der denkmalgeschützten Halle geplant waren. Von den Verzögerungen betroffen ist auch das Beethovenfest, das im kommenden Jahr erneut ins World Conference Center Bonn (WCCB) ausweichen muss.

Darüber hat der verantwortliche Stadtdirektor Wolfgang Fuchs die Ratsfraktionen am Mittwoch in einer eilig einberufenen Sitzung informiert. Das Presseamt verwies auf GA-Anfrage allerdings auf eine Pressekonferenz, die an diesem Donnerstag stattfinden soll.

Bislang war vorgesehen, die Sanierung der Beethovenhalle bis Frühjahr 2019 abzuschließen. Die Hauptursache für die massive Verzögerung, die nun droht, scheint im Erdboden unter dem Gebäude zu liegen. „Nach städtischen Angaben sind Probleme bei der Sanierung des Fundaments festgestellt worden, die auf Altlasten im Untergrund zurückzuführen sind“, berichtete Sebastian Kelm aus der Fraktion der Sozialliberalen. Außerdem könne der Kampfmittelräumdienst nicht garantieren, dass das Areal unter der Halle frei von Kampfmitteln sei. Die Sozialliberalen forderten, das Sanierungsprojekt sofort zu stoppen.

Zwei weitere Quellen bestätigten dem GA die Angaben der Sozialliberalen zum Inhalt der Sitzung. Marcel Schmitt, Fraktionsvorsitzender des Bürger Bund Bonn, zeigte sich am Abend „entsetzt“ darüber, dass der Untergrund der Halle nicht schon vor Baubeginn auf Kampfmittelspuren untersucht worden sei. Schließlich sei bekannt, dass das Gelände nach dem zweiten Weltkrieg mit Schutt aufgefüllt worden sei. „Ich halte dieses Vorgehen für grob fahrlässig“, kritisierte Schmitt.

Mit den Architekten ist am kommenden Montag ein Treffen geplant, bei dem nach Beschleunigungsmöglichkeiten gesucht werden soll. Wann die Beethovenhalle wirklich wieder nutzbar ist, bleibt unklar. Nach Fertigstellung muss sie noch etwa drei Monate „eingespielt werden“ – das würde nach aktuellem Stand bedeuten, dass im Mai 2020 die ersten Jubiläumskonzerte stattfinden könnten.

Die Stadtverwaltung will deshalb an einem „Plan B“ arbeiten und nach Ausweichstandorten suchen. In Frage kommen dafür neben der Oper zum Beispiel das Maritim-Hotel mit seinem großen Saal und das WCCB. Für das Beethovenfest 2019 hatte die Stadt vorsorglich bereits das Kongresszentrum reserviert.