Kosten explodieren weiter

Beethovenhalle: Sanierung kostet wohl 94 Millionen

Bonn. Die Kostenprognose der Stadt Bonn für die Sanierung der Beethovenhalle steigt weiter: von 87 auf 94 Millionen Euro. Auch die Fertigstellung verzögert sich.

Wolfgang Grießl ist drauf und dran, eine Wette zu gewinnen. Vor drei Jahren hat der Ex-Präsident der Industrie- und Handelskammer 1000 Euro zugunsten einer Jugendeinrichtung darauf gesetzt, dass die Kosten für die Sanierung der Beethovenhalle auf mehr als 100 Millionen Euro steigen und das Bauprojekt nicht pünktlich 2019 abgeschlossen sein würde. Bei der Bauzeit hat Grießl schon Recht behalten, und auch beim Geld fehlt nicht mehr viel.

Die Prognose steht jetzt bei 94 Millionen Euro, wie aus einer neuen Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung hervorgeht. Bei Sanierungsbeginn sollten es 61,5 Millionen sein; die letzte Ansage vor der Sommerpause lag nach zahlreichen Verteuerungsrunden bei etwa 87 Millionen Euro. Tendenz: weiter steigend. Baufirmen und Planer haben Nachforderungen über rund 4 Millionen Euro vorgelegt, die von der Stadt geprüft werden. In der Kostenprognose fehlen zudem rund 400.000 Euro, die für die Sanierung der Klais-Orgel in der Halle veranschlagt sind.

Die aktuelle Kostensteigerung begründet das federführende Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) vor allem mit Nachtragsforderungen und Zusatzleistungen – etwa „Mehrmengen“ bei der Schadstoffbeseitigung und Rohbauarbeiten. Die Sanierung asbestbelasteter Lüftungsschächte im großen Saal sei ebenso teurer geworden wie die Restaurierung historischer Türen. Bei der Ausschreibung von Parkettarbeiten seien unerwartet hohe Preise aufgerufen worden – das Problem hat das SGB wegen des Baubooms in Deutschland in fast allen Gewerken. Einziger Trost für Kämmerin Margarete Heidler: Die Stadt bekommt für die Beethovenhalle 12 Millionen Euro Fördermittel.

Auch die Fertigstellung des Baudenkmals verzögert sich weiter – laut Stadt von Februar auf April 2020. Da die Halle danach noch ausgestattet und eingespielt werden muss, werden dort frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020 Konzerte stattfinden. Die Veranstaltungen des Beethoven-Jubiläumsjahrs sollen ohnehin in andere Gebäude verlegt werden, vor allem ins Opernhaus. Als Ursache für den weiteren Zeitverzug nennt die Stadt vor allem alte Bestandspläne, die als Planungsgrundlage gedient haben, aber vom tatsächlichen Baukörper abweichen. So habe man die Rohbauplanung noch immer nicht abschließen können. Mit der Unteren Denkmalbehörde und der Urheberrechtsvertreterin des Beethovenhallenarchitekten Siegfried Wolske seien noch „Planungsinhalte“ abschließend abzustimmen, heißt es in der Vorlage. Auch das führe zu Verzögerungen. Zudem gibt es Störungen im Bauablauf selbst, an dem bis zu 50 Firmen beteiligt sind.

Zwischen dem SGB und dem Objektplaner, der Nieto Sobejano Arquitectos GmbH aus Berlin, hakt es weiterhin. Die Stadt wirft den Architekten vor, ihre Leistung mangelhaft zu erbringen. Das gelte auch für andere beteiligte Planungsbüros. Das SGB dokumentiere alle Mängel, so die Verwaltung. Mit Blick auf mögliche Schadensersatzforderung sei eine Anwaltskanzlei eingeschaltet.