Brückenforum angemietet

Beethoven Orchester probt im Provisorium

Beethoven Orchester probt im Brückenforum das "Heldenleben von Strauss"

Beethoven Orchester probt im Brückenforum das "Heldenleben von Strauss"

Beuel. Das Beethoven Orchester nutzt als Interimsspielstätte den Saal des Beueler Brückenforums. Für jede Probe wird der Saal extra angemietet, die Stühle und Notenpulte auf- und wieder abgebaut.

Laut donnernd rollt ein Wagen der Müllabfuhr die Hermannstraße entlang. Darunter mischt sich die alltägliche Geräuschkulisse der Beueler Innenstadt. Kaum einer, der an diesem Morgen am Brückenforum vorbeieilt, ahnt, dass sich nur wenige Meter entfernt die Musiker des Beethoven Orchesters auf ihre erste Probe im neuen Jahr einstimmen. Während der Sanierung der Beethovenhalle nutzt das Orchester den großen Veranstaltungssaal als Ausweichprobenort.

Im Flur vor dem Saal hängen von der letzten Veranstaltung noch bunte Glitzergirlanden. An der Theke stehen einige Musiker bei einer Tasse Kaffee zusammen. Es ist kurz vor 11 Uhr. Von drinnen klingen Melodiefetzen und Tonleitern ans Ohr. In dem Saal sind Stühle und Notenpulte in einem Halbkreis stufenförmig aufgebaut. Einige der Musiker haben schon an ihrem Pult Platz genommen, andere packen ihre Instrumente aus, wieder andere haben sich zum Einspielen in einen der Garderobenräume zurückgezogen.

Mit den Einspielzimmern der Beethovenhalle haben diese Räume nur wenig gemein: In einer Ecke steht eine Couch, in der anderen lagert Geschirr. In einem Nebenraum stehen weitere Notenständer, Stühle und die schweren Instrumente, die nicht so einfach transportiert werden können. „Jede Probe ist ein logistischer Verwaltungsaufwand“, erklärt Generalmusikdirektor Dirk Kaftan. „Aber wir werden von den Leuten hier sehr gut betreut.“

Erste Pause nach 75 Minuten

Für jede Probe wird der Saal extra angemietet, die Stühle und Notenpulte auf- und wieder abgebaut. Darum kümmern sich insgesamt vier Orchesterwarte im Schichtdienst. Ihr Arbeitstag beginnt, lange bevor die Musiker an diesem Dienstagmorgen ihre Instrumente auspacken. Insgesamt verfügt das Beethoven Orchester über 105,5 Stellen, hinzu kommen 14 Mitarbeiter im Orchesterbüro.

Dann verstummt das Durcheinander aus Tonleitern und Melodien plötzlich, und für einen kurzen Augenblick herrscht erwartungsvolle Stille. Bis ein einziger Ton durch den Saal hallt – es ist das „eingestrichene a“ der Oboe, nach dem sich das gesamte Orchester zu richten hat. Nacheinander korrigieren die einzelnen Instrumentengruppen den Klang ihres Instruments. Danach hebt Kaftan den Taktstock und lässt sein Orchester 45 Minuten lang durchspielen – ohne eine einzige Unterbrechung.

Bei den ersten Proben mache er das immer, erklärt Kaftan später. Geprobt wird „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss. Die sinfonische Dichtung wird das Orchester bei seinem Konzert an diesem Freitagabend ab 20 Uhr in der Bonner Oper präsentieren. „Es wird was werden“, sagt Kaftan zufrieden – für den Laien klingt es bereits nach Konzertniveau.

Erst nach diesem Durchgang begibt sich der Dirigent an die Feinheiten des Stücks. Er korrigiert die Lautstärke, die Artikulation. Von den Blechbläsern fordert er mehr Präzision. Seine Unterbrechungen sind stets höflich und prägnant, versehen mit seiner Interpretation darüber, was der Komponist zum Ausdruck bringen wollte. „Je zickiger, desto besser“, empfiehlt er an einer Stelle seinen Musikern. Es ist der Part, den der Komponist seinen Kritikern gewidmet hat. Eine Violinistin nutzt das Solo der ersten Geige, um mit Bleistift Markierungen in ihren Noten vorzunehmen. Ihre Noten erhalten die Musiker in der Regel vier bis sechs Wochen vor Probenbeginn, um die Stimmen zu üben. Danach gibt es gemeinsame Proben wie an diesem Morgen sowie Termine, an denen nur die einzelnen Instrumentengruppen zusammenkommen. Nach 75 Minuten räumt Kaftan eine Pause ein.

Provisorium hat auch Grenzen

In der Pause schenkt Volker Struhs Getränke aus. Er ist Hausmeister des Brückenforums, für die Zeit der Proben wird er zum Barkeeper. „Die Musiker brauchen vor allem Kaffee, Tee, Wasser und ab und zu einen Snack“, erzählt er, während er die gespülten Tassen abtrocknet. „Das gibt es in der Beethovenhalle nicht“, sagt Frank Geuer. Der Kontrabassist ist auch Mitglied des Orchestervorstands, ein fünfköpfiges Gremium, das die Interessen des Orchesters vertritt.

Doch das Provisorium hat auch Grenzen. Die Musiker können nicht in der Lautstärke spielen, die sie später im Konzert präsentieren werden, weil die akustische Belastung in dem begrenzten Raum für sie zu groß wäre. „Man muss immer abwägen, was in den Noten steht, und was den Kollegen zumutbar ist.“ Wie laut oder auch leise sie spielen müssen, können die Musiker immer erst in der Generalprobe am eigentlichen Konzertort austesten, wie Geuer und sein Kollege Daniel Lohmüller, Hornist und ebenfalls Mitglied des Orchestervorstands, erklären. Ideale Bedingungen, was Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit anbelangt, sollen die Musiker in ihrem neuen Probensaal in der Beethovenhalle vorfinden. Im Zuge der stark verzögerten Sanierung wird das ehemalige Studio umgebaut. Früher fanden die Proben im großen Saal statt. Bis sie dort spielen können, wird es noch mindestens bis Sommer 2020 dauern. „Wir Musiker verbringen die meiste Zeit in einem Probenraum – nicht im Konzertsaal“, sagt Kaftan.