Ratsentscheidung in Bonn

Baustopp für Beethovenhalle ist vom Tisch

Bauleiter Kilian Allmann zeigte im Februar bei einem Rundgang durch die Beethovenhalle, wo das Problem im Untergrund steckt: Mauerreste und Hohlräume unter der alten Bodenplatte.

Bauleiter Kilian Allmann zeigte im Februar bei einem Rundgang durch die Beethovenhalle, wo das Problem im Untergrund steckt: Mauerreste und Hohlräume unter der alten Bodenplatte.

Bonn. Der Bonner Rat hat sich in einer Sondersitzung am späten Montagabend gegen einen Baustopp bei der laufenden Sanierung der Beethovenhalle ausgesprochen. Kritik richtete sich vor allem gegen das federführende Planungsbüro.

Die Sanierung der Beethovenhalle läuft weiter. Mit klarer Mehrheit hat der Stadtrat am späten Montagabend einen gemeinsamen Antrag von SPD und Sozialliberalen abgelehnt, wegen der massiven Probleme in dem Projekt einen Baustopp zu verhängen. Beide Fraktionen hatten vorgeschlagen, die Stadtverwaltung eine abgespeckte Sanierung oder sogar Abriss und Neubau prüfen zu lassen. Nur der Bürger Bund Bonn (BBB) unterstützte sie in namentlicher Abstimmung.

Den Sozialliberalen schwebt ein neues Mehrspartenhaus auf dem Grundstück der Beethovenhalle vor, um sich damit die auf mindestens 82 Millionen Euro veranschlagte Instandsetzung der Oper zu ersparen. „Die Beethovenhalle wird am Ende garantiert mehr als 100 Millionen Euro kosten“, sagte Carsten Euwens. Da sei ein Neubau wirtschaftlicher. Das vermutet auch der BBB: „Wir sollten uns die Zeit zum Nachdenken nehmen“, forderte Fraktionsvorsitzender Marcel Schmitt. Da die Halle wegen der starken Bauverzögerungen für das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 keine Rolle mehr spiele, gebe es keinen Zeitdruck mehr.

Für die FDP wäre ein Stopp nur infrage gekommen, wenn die Probleme auf der Baustelle nicht beherrschbar sein sollten. Das aber sicherte Marion Duisberg, die Leiterin des Städtischen Gebäudemanagements Bonn (SGB), in der Sitzung zu: „Alle Themen, die in ihrer Vielzahl nicht vorhersehbar waren, sind lösbar.“ Nötig seien aber mehr Zeit und mehr Geld als ursprünglich gedacht.

Ebenso wie die Linkspartei machten auch die Grünen schnell klar, dass ein Baustopp für sie nicht infrage kommt. „Wir sind für den Weiterbau“, unterstrich Fraktionssprecherin Brigitta Poppe-Reiners, auch wenn sie den Eindruck habe, dass die Probleme gerade etwas „verniedlicht“ würden. Hans-Friedrich Rosendahl (Allianz für Bonn) warf der Stadt vor, im Vorfeld nicht genug auf die Risiken einer umfassenden Modernisierung hingewiesen zu haben.

Denkmalschützer bestehen auf Erhalt der Originalbausubstanz

Es war allerdings Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der eine viel bescheidenere Sanierung vorgeschlagen hatte. Die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP beschloss damals aber den großen Wurf mit Umbau des Studios und einem Erweiterungsbau als Technikzentrale an der Wachsbleiche. Eine Entscheidung, die CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles vehement verteidigt. Diese Variante biete einen erheblichen Mehrwert für die künftige Nutzung der Beethovenhalle, betonte er gegenüber dem GA.

In der Ratssitzung berichtete Gilles, der selbst Bauingenieur ist, er habe auf der Baustelle nichts gesehen, das zu „besonderen Schwierigkeiten“ führen dürfte. „Das Problem liegt nicht im Bauwerk, sondern bei den Projektbeteiligten“, sagte er. Gilles schlug vor, die alten Wände des Studios, das fünf Meter tief als Kammermusiksaal ausgebaut werden soll, komplett durch neue zu ersetzen. Es müsse geprüft werden, ob das wirtschaftlicher sei, als die alten Wände aufwendig zu unterfangen.

Denkmalschützer und die Urheberrechtsvertreterin bestehen allerdings darauf, dass so viel Originalbausubstanz wie möglich erhalten bleibt. „Wir können nicht einfach entkernen, sondern müssen uns für jeden Eingriff ins Gebäude das Einverständnis holen“, unterstrich Andreas Fröhlich von der Firma Drees & Sommer, die mit der Projektsteuerung beauftragt ist. Ohne die alten Wände müsse das umgebaute Studio wohl aus der Denkmalliste gestrichen werden. Außerdem seien für den Gilles-Vorschlag, der – wie berichtet – auch schon auf der Baustelle diskutiert worden ist, umfangreiche Umplanungen notwendig.

Mit den Planungen hängt das Büro Nieto Sobejano Arquitectos laut Fröhlich und Stadtverwaltung ohnehin stark hinterher. Auch die Koordination weiterer Planungsbüros und Baubeteiligter erfüllten die Architekten nicht „bedarfsgerecht“. Ein weiteres externes Büro soll nun die Koordination verbessern. Als Fertigstellungstermin hatte die Stadt zuletzt Februar 2020 genannt. Stadtdirektor Wolfgang Fuchs will für den Termin aber „nicht die Hand ins Feuer legen“.