Neues Einkaufsangebot

Bauern starten Markt in der Bonner Altstadt

Amarine von Gillern bietet an ihrem Stand unter anderem Kartoffeln und Zwiebeln.

Amarine von Gillern bietet an ihrem Stand unter anderem Kartoffeln und Zwiebeln.

Nordstadt. Man riecht den Markt, bevor man ihn entdeckt. Etwas versteckt, unter den Stelzen des Gemeindezentrums von St. Petrus, haben Bauern aus der Umgebung am Donnerstagnachmittag zum ersten Mal ihre Stände zum Feierabendmarkt aufgebaut.

Auf dem dahinterliegenden Vorplatz der Marienkirche stehen größeren Stände und auch zwei Wagen mit Kühlung. Das Angebot reicht aus, um die Zutaten für das Abendessen zusammenzukaufen: Gemüse aus Lindlar, Käse aus Ziegen- und Kuhmilch, Fleisch, dazu frisches Brot, Kaffeebohnen und Walnussspezialitäten. Immer donnerstags werden die Landwirte ab jetzt ihre Produkte dort anbieten.

Für den Geruch ist allerdings Amarine von Gillern verantwortlich. An ihrem Stand verkauft sie Kartoffeln und Zwiebeln von ihrem Hof in Bedburg – jeweils in Kilosäckchen abgepackt und beschriftet. Vor Ort macht sie daraus aber auch frische Kartoffelchips in Spiralform. Den Hof betreibt sie zusammen mit ihrem Freund Christoph Brosch. Vor den abgepackten Säcken bleiben auch Julia Dicks und Ilka Dahlmanns stehen. „Wir haben schon einiges gekauft“, erzählt Dicks. „Es ist ein schönes Angebot. Die Leute, die die Produkte verkaufen, lassen einen auch probieren“, sagt sie weiter. „Es wäre schön, wenn das bleiben würde“, sagt auch Dahlmanns. Die beiden wollen wiederkommen.

Hinter dem Bauernmarkt steckt der neu gegründete Verein „Stadt.Land.Markt“. Initiatoren sind Zoe Heuschkel, Anja Kern und Nicolas Merlet. Zum Welternährungstag im vergangenen Oktober hatten sie bereits einen kleinen Markt auf dem Vorplatz organisiert. „Wir hatten erst gar nicht vor, einen Verein zu gründen“, erzählt Heuschkel. Aber eine Vereinsgründung hat den bürokratischen Aufwand vereinfacht. Den Verein haben die insgesamt neun Mitglieder – passend zum Thema – bei einem Abendessen formell gegründet.

Verantwortungsvolle Produktion ist Bedingung

Wer seinen Stand auf dem Kirchplatz aufbauen möchte, muss eine verantwortungsvolle Produktion nachweisen. „Wir haben kleinbäuerliche Landwirtschaftsbetriebe ausgesucht, die verantwortungsvoll arbeiten“, so Heuschkel. Dazu gehört beispielsweise der Verzicht auf Ackergift. Ausschlaggebend sei nicht etwa die Anzahl der Biosiegel. „Lieber ein kleiner Betrieb mit Gemüse aus Bornheim, der auf sich und die Umwelt achtet“, so die Initiatorin.

Bei der Suche nach passenden Bauern, gab es aber auch Kritik und negative Reaktionen. Das Marktmodell sei rückwärtsgewandt, bekamen sie unter anderem zu hören. Einigen Landwirtschaftsbetrieben sei ein Markt zu viel Arbeit, sie hätten schlichtweg keine Kapazitäten für eine solche Verkaufsoption. „Das ist ein Prozess der Entfremdung. Nicht nur wir entfernen uns von den Landwirten, sondern auch auf der anderen Seite findet eine Entfremdung vom Kunden statt“, beobachtet Heuschkel. Der Markt soll genau diese Lücke versuchen, zu überbrücken. Auf dem Kirchvorplatz kommen an diesem Nachmittag Landwirte und Käufer ins Gespräch über Anbau, aber auch über Rezepte. Das Publikum ist bunt gemischt: junge Pärchen, Familien, Senioren.

Unterstützt wird das Projekt von der Petrusgemeinde und dem Quartiersbüro im Macke-Viertel, das einen Teil des Quartiersfonds zur Verfügung stellt. Ab September soll es auch Äpfel und Birnen von einem Obsthof aus Meckenheim geben. Zudem läuft der Antrag auf eine Ausschanklizenz für einen Winzer von der Ahr. „Ich fände es schön, wenn sich der Platz zu einem Treffpunkt entwickelt“, hofft Heuschkel. Der Anfang ist zumindest gemacht.

Der Feierabendmarkt findet donnerstags von 15.30 bis 19 Uhr auf dem Vorplatz der Marienkirche, Adolfstraße 28, statt. Besucher sollten mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, da keine Parkplätze in der Nähe sind.