Test

Barrierefrei mit der Bahn durch Bonn

Zu einer Besichtigungsfahrt steigen die "Testfahrer" am Bertha-von-Suttner-Platz in die Stadtbahn ein.

Bonn. Modern und barrierefrei präsentieren sich die im Rahmen des SWB-Projektes "Zweiterstellung" sanierten Stadtbahnen. "Die sind top", meinte Claus Parlow, Rollstuhlfahrer und stellvertretender Vorsitzender der Behinderten-Gemeinschaft Bonn.

Der Verein stand der SWB bei der Bahnsanierung mit jeder Menge Vorschläge und Ideen zur Seite. Am Dienstag luden die Stadtwerke die Vereinsmitglieder zu einer Besichtigungsfahrt ein - vom Bertha-von-Suttner-Platz nach Dransdorf und wieder zurück.

"Ganz viele Dinge berücksichtigen wir sowieso", sagte Anja Wenmakers von der SWB Bus und Bahn. An vieles denke man aber auch nicht, wenn man nicht selber behindert ist. Den Stadtwerken bei der Bahnsanierung beratend zur Seite zu stehen, sei eine Idee der Behinderten-Gemeinschaft gewesen, berichtete deren Geschäftsführerin Constanze Wörner. Seit Anfang der 90er Jahre tausche sich der Verein regelmäßig mit diesen aus.

Statt der neu eingebauten modernen Motoren und der neuesten Technik standen am Dienstag all jene Dinge im Fokus, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität das Bahnfahren erleichtern: Ein akustisches Signal hilft sehbehinderten und blinden Fahrgästen, die Tür zu finden. Bei geöffneter Tür ist der Piep-Ton langsam, ein schnelles Signal zeigt an, dass sich die Tür schließt. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein Lichtgitter.

Derweil sind die gelben Türöffnungstaster so angebracht, dass auch Rollstuhlfahrer sie bequem erreichen können. Drückt man beim Aussteigen auf die darauf befindliche Behindertentaste, bleibt die Tür länger geöffnet. Die Türöffnungstaster befinden sich auch an der Bahnaußenseite.

Der Innenraum ist kontrastreich gestaltet, damit sich sehbehinderte Menschen leichter orientieren können: Die roten Haltestangen heben sich von den weißen Wänden besonders deutlich ab. Auch die anthrazitfarbenen Sitze dienen dem Kontrast. Im Eingangsbereich sorgen Klappsitze für eine großzügige Raumaufteilung.

So können Rollstuhlfahrer, aber ebenso Eltern mit Kinderwagen oder aber Radler im Eingangsbereich wenden und drehen. Dennoch verfüge die Bahn über 64 Sitzplätze, erläuterte Christian Burk, stellvertretender Betriebsleiter bei der SWB: "Das ist vergleichbar mit vorher."

Auch die Piktogramme sind neu gestaltet und international leicht verständlich. Zeigten die Monitore der Innenraumdisplays sonst alle in eine Richtung, zeigen sie nun in beide. Trotz all dieser Maßnahmen sei die Sanierung nur unwesentlich teurer, berichtete Werner Schui von der SWB.

Dennoch gab es für Robert Landsberg, der mit seinem Blindenhund mitfuhr, etwas zu beanstanden: Auf dem Türöffner stehe zwar in Blindenschrift "Open", fand er, es fehle jedoch der Druckpunkt sowie ein Rücksignal. Ansonsten gefiele ihm die Bahn gut.

In Zukunft werde der Türöffner über ein solches Signal verfügen, nahm Wenmakers die Kritik an. Auch der sehbehinderte Rolf Schumacher, Vorstandsmitglied im Blinden- und Sehbehindertenverein Bonn/Rhein-Sieg, war zufrieden. Allerdings hätte er gelbe Haltestangen bevorzugt: "Aber das ist bei jedem anders."