Weltpremiere

Bananenkunst in Bonner Operationssaal

Die weltweit erste Kunstaktion im Operationssaal: Bananensprayer Thomas Baumgärtel im Bonner Gemeinschaftskrankenhaus.

Die weltweit erste Kunstaktion im Operationssaal: Bananensprayer Thomas Baumgärtel im Bonner Gemeinschaftskrankenhaus.

Bonn. Weltpremiere im Bonner Gemeinschaftskrankenhaus: Der berühmte Sprayer Thomas Baumgärtel hat im Operationssaal seine Bananenkunst auf Wände gesprüht.

Gut möglich, dass der Patient, der demnächst in Jürgen Remigs Operationssaal im Petruskrankenhaus geschoben wird, für Graffiti gerade keinen Sinn und auf Kunst keine Lust hat. „Aber es ist doch schön, wenn der sedierte Mensch hier mal etwas Fröhliches sieht“, meint der als Bananensprayer bekannte Künstler Thomas Baumgärtel und kramt in der Mappe nach „lustigen Schablonen“. Im grünen OP-Kittel erkennt man den 57-Jährigen kaum, immerhin hat er die Atemmaske umhängen, das Erkennungszeichen der Graffiti-Gemeinde.

Routiniert erkennt er eine passende Ecke auf dem Kachelgrün des OPs, legt eine Schablone auf, sprüht ganz zart schwarze Farbe darüber. Ein Umriss entsteht. „Um einen Stand zu haben“, erklärt er später. Dann legt er die nächste Schablone auf, sprüht Gelb. Und als letzte kommt noch einmal die Schablone vom Anfang: Kräftig sprüht er die schwarze Kontur und Binnenzeichnung aufs Gelb. In wenigen Minuten ist es fertig, das gelbe, wieselhafte Tier mit dem wilden Blick und der spitzen Nase. „Das ist der Stecher“, sagt Baumgärtel. Er habe dieses Wesen schon oft mit Gemälden Alter Meister konfrontiert, oft mit nackten schönen gemalten Frauen.

Gebannt verfolgen rund 40 Gäste am Freitagnachmittag die Aktion des Bananensprayers im engen OP. Alle mussten grüne OP-Kleidung und Hauben anziehen. Ein bizarres Bild. „Kunst heilt!" sprüht Baumgärtel auf eine andere Wand, darüber eine „Äskulap-Banane“. Gegenüber entstehen zwei organische Formen in Gelb: „Das ist der Bananenmagen und das die Magenbanane“, erklärt er lachend und erinnert sich, als er mit einem „Magen-Darm-Arzt“ ausgestellt hat.

Gegen sterilen Raum Museum ankämpfen

Dass er einmal in einem sterilen Raum sprayen würde, hätte er nie gedacht, erzählt er und lacht erneut: „Mit meinen Sprayaktionen habe ich immer gegen den sterilen Raum Museum angekämpft.“ 4000 bis 5000 Kunstinstitutionen – so genau weiß er es nicht – hat Baumgärtel inzwischen weltweit mit seinem gesprühten Bananenlogo am Eingang markiert. Für die Museen ist das ein wichtiges Markenzeichen, für den Sprayer selbst eine neue Erfahrung, ein Punkt in der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Institution. Denn nicht jede bekommt ihre Banane.

„Früher musste er im Dunkeln sprühen, jetzt darf er es offiziell im OP und im Hellen tun“, scherzt Chefarzt Remig, für den mit dieser Aktion ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Seit Langem sammelt er Baumgärtel-Kunst. Und nun – anlässlich des Jubiläums 15 Jahre Gefäßchirurgie am Gemeinschaftskrankenhaus Bonn – holte er seinen Freund Baumgärtel ins Petruskrankenhaus. Mit der Ausstellung „Der medizinische Block“ und der spektakulären Aktion im OP. Für Baumgärtel ist das auch eine Reise in die eigene Vergangenheit, wie er dieser Zeitung erzählt: „Mein Vater wollte, dass ich Arzt werde.“ Der Sohn studierte etwas Pharmazie und Chemie in Bonn, arbeitete während des Zivildienstes in einem Krankenhaus im niederrheinischen Rheinberg. „Ich habe wirklich alles gesehen“, sagt er, „das waren heftige Erlebnisse“.

An der Kölner Fachhochschule – da war die Entscheidung gegen Medizin und für Kunst längst gefallen – malte er sich Eindrücke mit wilden PVC-Bildern von der Seele. Etliche davon sind in der Schau in St. Peter zu sehen – ein interessanter Blick aufs Frühwerk.

„So etwas habe ich noch nie gemacht“, sagt er nach der OP-Aktion erhitzt im Umkleideraum. Und Remig freut sich, dass er bei der nächsten vierstündigen Gefäßoperation in den seltenen Pausen die Lupenbrille mal absetzen und sich beim Blick auf Baumgärtels Graffiti etwas entspannen kann.