Hauptbahnhof-Sanierung

Bahn darf am Hauptbahnhof weitere Bäume fällen

Kastanien am Bahnhof sollen weg.

Kastanien am Bahnhof sollen weg.

Bonn. Kastanien stören die Sanierung des Hauptbahnhofs, meint die Baufirma und hat daher Anzeige gestellt. Nun gibt es in dem Streit doch noch eine Wende.

Nachdem die Deutsche Bahn im Zusammenhang mit der Sanierung des Bonner Hauptbahnhofs der Stadt mitgeteilt hat, ein von der Bahn mit der Sanierung beauftragtes Unternehmen habe eine Behinderungsanzeige gestellt, weil der Sanierungsbeginn gefährdet sei, darf die DB nun doch weitere Bäume vor dem Hauptbahnhof fällen. Dabei handelt es sich um vier laut städtischer Baumsatzung schützenswerte Rosskastanien, die unmittelbar entlang der Haltestelle der Straßenbahnlinien 61 und 62 wachsen.

Die Fällung hat die Verwaltung jetzt aufgrund einer Dringlichkeitsentscheidung durch Bonns Bezirksbürgermeister Helmut Kollig (SPD) und des FDP-Bezirksverordneten Elmar Conrad-Hassels genehmigt. Die Bezirksvertretung Bonn hatte vor der Sommerpause lediglich die Fällung einer ebenfalls schützenswerten Kastanie im nördlichen Bereich an Gleis 1 beschlossen. Der Baum ist inzwischen gefällt worden.

Ursprünglich hatte die DB beantragt, alle fünf entlang des Gleises 1 wachsenden Kastanien fällen zu dürfen, um dort Kräne und Baustelleneinrichtungen platzieren zu können. Als Begründung hatte die DB unter anderem aufgeführt, dass sie einen größeren Abstand zu den Kränen auf der Baustelle für das Maximilian-Center gegenüber benötige. Wie berichtet, war vor einigen Wochen ein Kran bei den Abrissarbeiten für die Südüberbauung umgekippt und in das Bahnhofsvordach gekracht. Die Bezirksverordneten hatten jedoch die Fällung der fünf Kastanien abgelehnt und eine Genehmigung nur für den nördlichsten Baum in der Reihe erteilt.

Dass jetzt trotzdem weitere Bäume fallen müssen, und zwar die in der vorderen Reihe, findet Helmut Kollig zwar schade, er sehe aber die Zwänge der Bahn. Immerhin hätten bei einem verspäteten Sanierungsstart unter anderem bereits disponierte Sperrzeiten im Bahnverkehr nicht mehr eingehalten werden können. „Im Übrigen hatten wir in der Bezirksvertretung darüber diskutiert, dass eventuell die vordere Baumreihe geopfert werden könne“, erinnert er sich. Grünen-Ratsherr Rolf Beu bestätigt: „Das entspricht meinem Vorschlag. Das hätte man auch schon vorher haben können.“ Ärgerlich finde er allerdings die grundsätzliche Position der Verwaltung, die unkritisch jedweden Baumentfernungswünschen von Baufirmen und Investoren zustimme.

Von der Stadt war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Die Bahn teilte auf GA-Nachfrage mit, sie äußere sich zu internen Abläufen nicht. „Das Verhältnis und die Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn ist vertrauensvoll und konstruktiv.“