Zukunft des Viktoriakarrees

Bürgerwerkstatt gibt Empfehlung für Viktoriakarree

Bonn. Wie geht es mit dem Viktoriakarree weiter? Nach zehnstündigem Ringen um eine Empfehlung für die städtebauliche Zukunft des Karrees wurde am Samstagabend das Ergebnis der Beratungen bekanntgegeben.

Am Samstag war es endlich so weit: Die Empfehlungskommission der Bürgerwerkstatt Viktoriakarree tagte in der Aula der Bonner Universität, um in öffentlicher Sitzung zu einer Empfehlung für die politischen Gremien und die Verwaltung der Stadt Bonn zu kommen. Ziel der Kommission war es herauszufinden, welches der vier vorliegenden und vieldiskutierten Nutzungskonzepte und städtebaulichen Ziele einem Bebauungsplan für das Viktoriakarree zugrunde gelegt werden sollten.

Im Gegensatz zu einem Architekturwettbewerb ging es dabei nicht um die Ermittlung eines Siegers aus den vier im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung erstellten Entwürfen (der GA berichtete), sondern um die Erarbeitung einer tragfähigen Empfehlung unter Berücksichtigung der vorliegenden Arbeiten. Inwieweit diese Bemühungen allerdings noch einen Sinn ergeben, seitdem sich mit Signa der Besitzer eines Großteils der Gebäude zwischen Franziskaner- und Stockenstraße, Rathausgasse und Belderberg aus der Kommission zurückgezogen hat, bleibt abzuwarten.

Wie berichtet, hatte Signa-Chef Christoph Stadlhuber kurz vor dem Zusammentreffen der Empfehlungskommission den Ausstieg aus der Kommission erklärt. Sein Argument: Die Bürgerwerkstatt sei von Anbeginn an nicht von einer breiten Öffentlichkeit getragen worden, sondern nur von vereinzelten Partikularinteressen, die nicht die Gesamtentwicklung der Bonner Innenstadt im Fokus gehabt hätten.

"Viva Viktoria"

Aus dem Stadthaus wurde jedoch kommentiert, dass man dort an „unterschiedlichen stadtgesellschaftlichen Sichten“ interessiert sei. Bekanntlich hatte Georg Fenninger (CDU) nach dem Ausstieg Signas eine pragmatische Sichtweise angemahnt: „Ein Investor wird nur wirtschaftliche Projekte umsetzen und keine ,Wünsch dir was'-Vorstellungen aus einer Bürgerwerkstatt.“

Die Initiative „Viva Viktoria“ entgegnete darauf in einer Pressemeldung, dass die Bürgerbeteiligung in Bonn zur „Farce“ und als „Instrument zur Beschäftigung beteiligungsbereiter Bürgerinnen und Bürger“ missbraucht würde, wenn deren Ergebnisse nicht anerkannt und politisch umgesetzt würden.

Zu dem Ergebnis, dass es sich bei den vier Entwürfen, die das Kölner Architekturbüro „neubig hubacher“ für die Abschlussveranstaltung in eine vergleichbare Präsentationsform gebracht hatte, um „insgesamt hervorragende Diskussionsgrundlagen“ handele, kam der Vorsitzende der Experten- und Empfehlungskommission Michael Koch, der als Architekturprofessor und Städteplaner in Berlin, Hamburg und Zürich arbeitet. Kaum mehr als 50 interessierte Bonner folgten der knapp zehnstündigen Entscheidungsfindung der 25-köpfigen Empfehlungskommission, die sich paritätisch – mit unterschiedlichen Stimmrechten – aus Vertretern der Politik, der Bonner Stadtgesellschaft und Fachplanerinnen und Fachplanern zusammensetzte.

Geschäftszeile mit Wohnungen geplant

Die temperamentvoll geführte Auseinandersetzung über die vorhandenen Entwürfe geriet unter den Experten immer wieder zu einer Diskussion über die Anteile von Einzelhandel, Wohnflächen und kultureller Nutzung. Letztlich konnte die gewünschte Konsensentscheidung nicht gefunden werden. Mit 20 Ja-Stimmen zu sechs Enthaltungen beauftragte die Kommission ihren Vorsitzenden Koch damit, eine Empfehlung an die Stadt zu formulieren, die nun im Wesentlichen auf den beiden Konzepten der Architekturbüros „skt umbaukultur“ aus Bonn und „scheuvens + wachten plus“ aus Dortmund basiert.

Dabei soll das Viktoriakarree durch eine neu zu schaffende Gasse zwischen Franziskanerstraße und Rathausgasse in zwei Hälften geteilt werden. In dem Teil zur Stockenstraße soll die kleinteilige Bebauung mit Einzelhandelsflächen und Wohnungen erhalten bleiben. Für den Innenbereich überzeugte die Kommission das Konzept für eine Markthalle. In dem Karree zum Belderberg soll das Stadtmuseum ins Bad umziehen. Ein Großteil der jetzigen Bebauung soll bestehen bleiben.

An der neu entstehenden Teilungsgasse ist eine Geschäftszeile mit darüberliegenden Wohnungen geplant. In dem somit entstehenden Innenhof soll eine Freifläche erhalten bleiben. Die von der Kommission gewürdigten Konzepte enthalten noch viele Möglichkeiten der Interpretation. Von daher ist abzuwarten, wie die endgültige Empfehlung durch den Kommissionsvorsitzenden Koch aussehen wird. Für nächste Woche ist sie angekündigt.