Verbrenungsanlage in Bonn

Bürgerbegehren gegen neuen Klärschlammofen angekündigt

Bonn. Gegen die neue Klärschlammverbrennungsanlage in Bonn formiert sich Widerstand. Sollte der Rat den Ofen beschließen, will die Initiative "Kein Klärschlamm in der Umweltzone" ein Bürgerbegehren starten.

Im Bonner Westen formiert sich Widerstand gegen eine Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage (MVA) Am Dickobskreuz. Rund 60 Teilnehmer zählte die Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Kein Klärschlamm in der Umweltzone“ am Donnerstagabend im Gemeindezentrum der Trinitatiskirche. Sämtliche Zuhörer, die sich zu Wort meldeten, sprachen sich mit Vehemenz gegen diese Pläne aus.

Für die Initiative kündigte Katharina Schäfer ein Bürgerbegehren an, sollte der Rat der Stadt Bonn den Klärschlammofen an der MVA beschließen. Die Bürger haben große Sorgen, dass noch mehr Schwerlastverkehr durch ihren Stadtteil fährt und sich das Stadtklima durch zusätzliche Immissionen weiter verschlechtert. „Endenich ist doch schon belastet mit der Autobahn mitten durch den Ort, der MVA und dem Heizkraftwerk“, schimpfte ein Mann.

Wie berichtet, überlegt die Stadt Bonn , wie sie einer Änderung der Klärschlammverordnung Rechnung tragen kann, die ab 2029 die Phosphor-Rückgewinnung aus dem Klärschlamm vorschreibt. Drei Varianten stehen zur Diskussion: Die Erneuerung der Anlage am Salierweg mit bisheriger Kapazität von rund 8000 Tonnen Klärschlamm, eine Beteiligung an einer Anlage etwa in Düren in Kooperation mit Köln und dem Rhein-Erft-Kreis oder der Neubau eines Ofens an der MVA. Letzteres favorisiert die Stadt: Aus ökonomischen Gründen und wegen der Synergieeffekte mit der MVA sowie dem benachbarten Heizkraftwerk und dem Fernwärmeanschluss. Neben dem Bonner Klärschlamm könnten dort Klärschlämme aus der Region und dem nördlichen Rheinland-Pfalz verbrannt werden.

Vor der Diskussion unter der Moderation von Uwe Milles hatten Schäfer sowie ihre Mitstreiterinnen – die Volkswirtin Eva Günther und die Geografinnen Cordula Brendel und Christel Uebel-Lepartz – dargelegt, warum sie aus klimatologischen, städtebaulichen und umweltpolitischen Gründen den Bau der KVA an der MVA ablehnen. Unter anderem warnten sie, schon jetzt würden in der MVA rund 250 000 Tonnen Müll verbrannt, von denen zwei Drittel nicht aus Bonn stammten.

„Dieser Fremdmüll belastet unsere Umwelt bei Transport und Verbrennung mitten in Bonn erheblich“, sagte Schäfer. Bei den Klärschlammtransporten seien mit mindestens 60 zusätzlichen LKW-Fahrten täglich zu rechnen. Zudem liege die MVA mitten in der Umweltzone: „Da müsste eher jegliche zusätzliche Schadstoffbelastung vermieden werden“, sagte Schäfer. Stattdessen nehme die Stadt zusätzliche Immissionen in Kauf, auch wenn MVA-Geschäftsführer Manfred Becker diese als „irrelevant“ bezeichne.

Brendel, die im Umweltdezernat der Stadt Wuppertal tätig war, warb für eine Erneuerung der Kläranlage Salierweg. „Wir müssen für das Bonner Problem auch eine Bonner Lösung finden.“ Unter den Zuhörern waren auch drei Politiker: Marcel Schmitt (BBB), Elisabeth Struwe (AfB) und Max Biniek (SPD). Struwe und Schmitt sprachen sich unter großem Beifall für die Kooperationslösung aus. Diese Variante sei indes gefährdet, weil die Rat das Thema auf die lange Bank schieben wolle, sagte Schmitt. Biniek plädierte für eine Lösung, in der ausschließlich Bonner Klärschlamm verbrannt werden solle. Die SPD schließe allerdings das MVA-Areal als Standort explizit nicht aus, sagte er.

Die MVA lädt für für diesen Samstag von 12 bis 16 Uhr Uhr zum Tag der Offenen Tür ein. Eingang: Am Dickobskreuz, Tor 1. Die Bürgerinitiative will dort ab 12 Uhr gegen einen neuen Klärschlammofen an der MVA demonstrieren.