Platz ist wenig einladend

Bürger sollen Vorschläge für Auerberger Mitte machen

Auerberg. Die Auerberger Mitte ist Heimat für viele Menschen, durch viel Beton und zu wenig Grün äußerlich aber nicht sehr einladend. Bei einer Bürgerwerkstatt im Mai sollen Ideen für eine Verschönerung des Platzes gesammelt werden.

Nichts, eine große Leere – das war die Auerberger Mitte noch in den 1990er Jahren. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 61 von Graurheindorf über Josefshöhe und Pariser bis zur Kopenhagener Straße 1994 markierte aber, wo die neue Auerberger Mitte entstehen würde. Zählte Auerberg 1980 rund 6000 Einwohner, waren es 20 Jahre später gut 10 000. Die Neubauten waren vergleichsweise rasch hochgezogen und bewohnt. Mit Verzögerung richtete sich auch die Nahversorgung mit Supermarkt und Bäcker ein. Doch die Mitte als Herzstück des neuen Ortsteils ist noch in der Findungsphase. Aufenthaltsqualität und Belebung des Platzes lassen unter der Dominanz von Beton zu wünschen übrig.

Bereits in der Planungsphase machte der Ortsausschuss einen gewichtigen Einwand, der schließlich auch berücksichtigt wurde. „Die Häuser sollten keinesfalls sechsgeschossig werden. Angesichts der baulichen Verdichtung wäre der Schattenwurf vor allem im Winter enorm gewesen“, erinnert sich Jürgen Haffke. So wie es jetzt ist, „mit den nicht zu langen Gebäudeblöcken“, gefällt es ihm. Im Prinzip auch der Platz und die Auerberger Allee jenseits der Pariser Straße, wenn nicht der Makel wäre, dass die Allee nicht auch Richtung Rhein fortgeführt wurde. „So macht das keinen Sinn.“

Freilich muss ein aus dem Boden gestampftes Quartier Zeit haben zu wachsen. Die Ideensuche, wie ein schön großer Platz auch einladend wird, ist in Arbeit. 2017 waren Bürger aufgerufen, Kritik und Vorschläge zu äußern: „Zu viel Beton, unfreundlich, kaum Sitzplätze, Grün fehlt, der geplante Brunnen wurde eingespart. Auf dem Platz zieht es im Winter; im Sommer ist er brüllend heiß.“

Starker Bevölkerungszuwachs in Auerberg

Bestandteil eines sogenannten Integrierten Entwicklungskonzept für Auerberg, das im September 2018 in der Bezirksvertretung Bonn präsentiert wurde, ist unter anderem eine soziodemografische Analyse. Danach verzeichnet Auerberg im Vergleich zur Gesamtstadt und dem Stadtbezirk Bonn einen starken Bevölkerungszuwachs mit einem hohen Anteil an Alleinerziehenden- und Seniorenhaushalten. Zudem stellen die ausländische Bevölkerung sowie Menschen mit Migrationshintergrund die größte Gruppe. Im Vergleich zu Gesamtbonn ist Auerberg von einer jüngeren Altersstruktur – in erster Linie der ausländischen Bevölkerung – geprägt. Doch es wird eine doppelt so hohe Arbeitslosenquote und ein hoher Anteil an Transferleistungsempfängern festgestellt.

Die Analyse taxiert auch die Stärken und Defizite der Auerberger Mitte. Drei zentrale Stärken sind die innenstadtnahe Lage mit guter Verkehrsanbindung sowohl für den Individual wie auch den öffentlichen Nahverkehr, die „besonderen“ Freiraumqualitäten des Ortsteils sowie die modern gestaltete Auerberger Mitte. Die Schwächen: unzureichende Bedarfsdeckung in der sozialen Infrastruktur, fehlende seniorengerechte Wohnungen und schließlich Defizite in Gestaltung und Attraktivität der Auerberger Mitte.

Auf dem Platz fehlt es an Grün

Nächster Schritt soll eine Bürgerwerkstatt gemeinsam mit dem Quartiersmanagement sein, die Ideen für mehr Aufenthaltsqualität auf dem Platz sammelt. Laut Verwaltung kostet die Veranstaltung rund 30 000 Euro. Anschließend wird sich herauskristallisieren, wie viel Geld die Platzverschönerung kostet und wie viel zur Verfügung steht. Auf Nachfrage bei der Verwaltung sollen die Bürger am „Tag der Nachbarn“ am Freitag, 24. Mai, zu Wort kommen. Die bisher eingereichten Ideen – zum Beispiel Wochenmarkt, Events und Aktionen, Begrünung und Gestaltungselemente – werden präsentiert und zur Diskussion gestellt. „Bis Ende Mai erarbeitet die Verwaltung einen Fahrplan für die Umsetzung“, kündigt das Presseamt an.

Dass auch Grün auf dem Platz fehlt, bemängelt der Auerberger Ortsausschuss seit Jahr und Tag und unterbreitet seinerseits eine Liste von Vorschlägen. Gewünscht sind etwa Feste der Vereine auf dem Platz. „Denkbar ist auch ein Diner en Blanc.“, erläutert der Vorsitzende Gert-Michael Schwaegermann. Und er geht ins Detail: „Die Fläche soll etwa durch Blumenbeete, Hecken und Bäume gegliedert werden und einen Springbrunnen bekommen. Denkbar wären auch Urban gardening, Spielecken und ein öffentlicher Bücherschrank.“ Der Ortsausschuss hat kein Geld. Daher ist die Verwirklichung der Vorschläge auf Fördermittel und den städtischen Haushalt angewiesen.