Führung durch die Beethovenhalle

Bürger besichtigen Bonns teuerste Baustelle

Constanze Falke erklärt einer der Besuchergruppen im Foyer die Baumaßnahmen, die der Denkmalschutz verlangt.

Constanze Falke erklärt einer der Besuchergruppen im Foyer die Baumaßnahmen, die der Denkmalschutz verlangt.

Bonn. Der erste Blick durch den Bauzaun für die Öffentlichkeit. 125 Frauen und Männer haben sich von Experten durch die Beethovenhalle führen lassen.

Zum ersten Mal konnten Bonner Bürger am Samstag einen Blick hinter die Bauzäune der Beethovenhalle werfen. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte zusammen mit Marion Duisberg vom Städtischen Gebäudemanagement (SGB) die Aktion für 125 interessierte Bürger ermöglicht, die sich zuvor anmelden mussten. „Wir machen die Veranstaltung, damit sich die Bonner ein Bild verschaffen können“, so der OB. An vier Stationen wurden Gruppen mit bis zu zwanzig Personen über den Stand der Sanierung informiert.

„Im Herbst hoffen wir, mit Fassade und Dach der Halle fertig zu sein“, erläuterte die kommissarische SGB-Leiterin beim Gang durch das Gebäude. Im Inneren der Großbaustelle ging es ruhig zu; auch wochentags sind aktuell nur fünf Firmen in der Halle tätig.

Im Foyer liefen die Besucher über rohen Estrich. Ursprünglich war der Boden mit einem wertvollen Teakparkett belegt, das später durch Eiche ersetzt wurde. Unter dicken Folien ließ sich das 27 Meter lange abstrakte „Ohne Titel“-Wandgemälde von Joseph Fassbender nur noch erahnen.

"Der Stolz der Stadt"

Vor einem der Treppenaufgänge, deren Teakholz-Handläufe noch erhalten sind, ging die Kunsthistorikerin Constanze Falke der Frage nach, warum die 1959 eingeweihte Beethovenhalle 1990 als „besonderes Werk der Nachkriegsmoderne“ unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Stadt Bonn habe sich 1959 eine „absolut hochwertige Konzerthalle“ geleistet, nachdem sie Hauptstadt geworden war.

„Die Beethovenhalle war der Stolz der Stadt, die Antwort auf den Bund“, so Falke. Die transparente Bauweise der von Siegfried Wolske entworfenen Halle sei ein exemplarisches Beispiel für das „Organische Bauen“ seiner Zeit. Falke vertritt auf der Baustelle die Urheberrechtsinhaber. In der Bestandsaufnahme vor Beginn der Bauarbeiten, „hat es uns alle überrumpelt, wie viel hier tatsächlich noch im Originalzustand ist“, so die Fachfrau, die gegenwärtig über Halle und Architektur ihre Promotion abschließt. „Was noch da ist, sollte idealerweise erhalten werden.“

Um sich ein Bild von der Vielfalt der verwendeten Materialen in der Beethovenhalle machen zu können, konnten die Besucher ausgesuchte Edelhölzer, Strukturelemente, Wandfarben und Beschläge in Augenschein nehmen.

Respekt einflößender Überblick

Andreas Fröhlich vom Büro des Projektsteuerers Drees & Sommer gab einen Respekt einflößenden Überblick über die komplexe Gesamtbaumaßnahme. An vielen Stellen des Gebäudes werden Korrekturen vorgenommen, die für eine ökonomische Nutzung oder für Barrierefreiheit notwendig sind. Kleinteilige Strukturen im Untergeschoss wurden bereits aufgelöst, um größere Räume zu schaffen. Ein größtenteils unterirdischer Anbau an der Wachsbleiche soll später die Gebäudetechnik aufnehmen.

Die aufwendige Be- und Entlüftung, verbunden mit Schall- und Brandschutz in einem denkmalgeschützten Gebäude, das bis zu 5000 Menschen Platz bietet, stelle die Planer vor erhebliche Herausforderungen, berichtete Manuela Geimer, SGB-Ingenieurin für technische Gebäudeausrüstung.

„Der große Saal hatte nicht die optimale Kubatur für ein Konzert“, so Geimer. Eine neue Lautsprecher- und Nachhallanlage soll den Mangel ausgleichen. Die Vorgabe, die Technik für einen multifunktionalen Konzertraum in den Bestand einzubauen, sei manchmal so, als wolle man einen V8-Motor in einen Trabbi einsetzen, sagte die Expertin lachend.

Besucher sind beeindruckt

Die Besucher der vom GA begleiteten Gruppe verließen die Baustelle beeindruckt. Sie schienen Verständnis dafür zu entwickeln, dass bei einem so komplexen Vorhaben unerwartete Probleme auftreten können. So resümierte eine Bonnerin, die anonym bleiben wollte: „Wenn es 2021 fertig ist, werden wir uns alle freuen.

Das war bei der Elbphilharmonie in Hamburg auch so.“ Stefan Keller nahm einen optimistischen Eindruck mit heim nach Niederkassel: „Es war zu sehen, dass bereits viel geschafft ist“, sagte er. „Aber es liegt auch noch viel vor den Projektbeteiligten. Ich freue mich auf die Fertigstellung.“

Die frühere Landtagsabgeordnete Renate Hendricks (SPD) hatte ebenfalls an der Führung teilgenommen. „Ich bin sehr froh, gesehen zu haben, wie weit alles inzwischen ist“, betonte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins ProBeethovenhalle. „Es gibt sichtbare Fortschritte.“