Kirchen gegen Hetzwahlkampf

Bündnis aus religiösen Gemeinschaften fordert Einhaltung der Religionsfreiheit

Ernst Jochum, Siegfried Eckert, Claudia Mohadjeri, Anne Tilian und Ulrich Thomas.

BONN. Unter dem Motto "Wehret den Anfängen" setzt sich seit Mittwoch ein breites Bündnis von Religionen und religiösen Gemeinschaften gegen Missachtung der Religionsfreiheit im Wahlkampf zur Wehr.

"Wir treten ein für einen fairen Kommunal- und Europawahlkampf, der auf dem Boden des Grundgesetzes stattfindet und nicht auf Kosten von Minderheiten, Flüchtlingen, Religionen und Menschen anderer Hautfarbe oder Kultur geführt wird", erklärte der evangelische Pfarrer Siegfried Eckert als Initiator.

"Wir wollen uns nicht in den aktuellen Wahlkampf einmischen, aber Grenzen aufzeigen und Position gegen Volksverhetzung ziehen", ergänzte er auch als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Bonn. Auslöser seien Wahlplakate, die zum Beispiel mit einer durchgestrichenen Moschee und dem Text "Angstraum Stadt. Wir haben's satt" versehen sind.

"Wir sind eine Koalition der guten Geister, die aus der Notsituation eines unerträglichen Zustands gegen eine Radikalisierung plädieren", so Eckert. Man trete allen Versuchen entschieden entgegen, die Vorurteile und Ängste schürten und damit das friedliche Miteinander in der weltoffenen Bundesstadt gefährdeten, sagte Pfarrer Ernst Jochum, der als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in Bonn (ACK) unter anderem auch für das Katholische Stadtdekanat und die drei evangelischen Kirchenkreise Bonns sprach.

"Wir widersprechen allen menschenverachtenden, religionsfeindlichen und volksverhetzenden Parolen. Wir missbilligen einen Wahlkampf, der religiöse Symbole missbraucht und insbesondere den Islam zum Sündenbock für vorhandene Probleme macht."

Solche Hetze, die auf Menschen muslimischen Glaubens ziele, treffe alle Religionen und friedliebenden Bürger, ergänzte Claudia Mohadjeri, Sprecherin des Rats der Religionen Bonn. "Als Religionen und religiöse Gemeinschaften in der Stadt Bonn wollen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln widerstehen."

Man mache mit dem Bündnis klar, dass bei weitem nicht nur Muslime den Wahlkampf bestimmter Parteien kritisierten und auf weiteren friedlichen Dialog zwischen den Religionen setzten, sagte Anne Tilian vom Arbeitskreis Muslime und Christen im Bonner Norden.

"Wir sind keine harmlosen Gutmenschen. Wir sagen, wir müssen mit denen reden, die sich Ängste einjagen lassen, damit sich nicht Vorurteile in ihren Köpfen festigten", betonte Ulrich Thomas für den interreligiösen Dialogkreis Bad Godesberg. Unterzeichner des Aufrufs sind unter anderem auch die Synagogengemeinde, die Deutsche Muslim-Liga und die United Religions Initiative Deutschland.

Eine erste Aktion hatte das Bündnis schon am Sonntag zu verzeichnen. Die evangelische Johannes-Kirche in Godesberg zog mit "Schalom - Frieden - Salam. Für ein friedliches Miteinander"-Plakaten zur Ditib Moschee. "Die Menschen schlossen sich als überzeugte Kirchgänger spontan an", sagte Initiator Pfarrer Jan Gruzlak.

Kontakt zum Bündnis: Telefon 0228/3361333 oder per E-Mail an info@gcjz-bonn.de