Bonner Beethovenhalle wird saniert

Bühne frei für die Handwerker

Bonn. Die Beethovenhalle wird saniert und bleibt zwei Jahre lang geschlossen. Am Samstag, 22. Oktober, steigt die letzte Party, bevor die Handwerker das Regime übernehmen.

Unten im großen Saal der Beethovenhalle herrscht gähnende Leere. Kein einziger Stuhl mehr weit und breit. Kahl sind auch die Wände im Flur zu den Künstlergarderoben, die sonst die Fotos vieler Stardirigenten zieren.

Im Flügelzimmer wartet noch ein blaues Cembalo auf seinen Abtransport. Das große Ausräumen hat begonnen: Mitte November beginnt die Sanierung der Beethovenhalle. Allerdings ist noch nicht ganz Schluss. An diesem Samstagabend lässt es die Stadt bei einer sogenannten „Closing-Party“ in der Multifunktionshalle noch mal so richtig krachen.

Danach bleibt die denkmalgeschützte, nach den Plänen des Architekten Siegfried Wolske errichtete und 1959 eröffnete Halle zwei Jahre lang geschlossen. Für gut 60 Millionen Euro – so die derzeitige Kostenschätzung – lässt die Stadt sie von Grund auf sanieren und vor allem technisch auf den neuesten Stand bringen.

"Beethovenhalle ist keine Bruchbude"

Dank der rund fünf Millionen Euro der Sparkasse Köln/Bonn kann außerdem jetzt auch noch das Studio zum Kammermusiksaal ausgebaut werden, der gleichzeitig auch als zusätzlicher Probenraum für das Beethovenorchester genutzt werden soll. Und am Freitag durften noch einmal Medienvertreter einen letzten Blick hinter die Kulissen werfen.

Wer marode Ecken sucht, wird von Günter Schikorra vom Städtischen Gebäudemanagement eines Besseren belehrt: „Die Beethovenhalle ist keine Bruchbude. Sie ist in einem ordentlichen Zustand und gut gepflegt.“ Die Probleme: Die Technik ist veraltet, die Flure sind ein Labyrinth, und barrierefrei ist die Halle auch nicht überall. Hinzu kommen die Schadstoffe und die mit der Zeit immer strenger gewordenen Sicherheitsbestimmungen, denen mit der Sanierung nun ebenfalls Rechnung getragen werden soll.

Michael Tänzer, Veranstaltungsleiter der Beethovenhalle, macht am Beispiel der Deckenleuchten im großen Saal deutlich, wo die einzelnen Probleme liegen: „Meine Leute müssen beinahe täglich kaputte Halogenleuchten auswechseln.“ Sie sollen durch Energiesparlampen ersetzt werden.

Rund 5000 Stühle müssen eingelagert werden

Bevor die eigentlichen Arbeiten losgehen, haben die Mitarbeiter noch alle Hände voll zu tun: Rund 5000 Stühle müssen eingelagert werden. Sämtliche technischen Anlagen, die später wieder zum Einsatz kommen sollen, müssen demontiert und ebenfalls deponiert werden.

Ausnahme: Die großen mobilen Scheinwerfer über der Bühne, von denen laut Tänzer schon einer allein 12.000 bis 15.000 Euro kostet, sollen im Interimskonzertsaal im WCCB genutzt werden. „Die dürfen gar nicht eingelagert werden, weil die Motoren sonst verharzen und die Anlage dann unbrauchbar werden würde“, sagt Tänzer.

Aufwendig verpackt und gesichert wird mit Unterstützung der Restauratoren alles, was nicht demontiert werden kann. Wie zum Beispiel das Faßbender-Mosaik im Foyer der Halle, das Wolske-Kunstfenster in der Kassenhalle oder die große Klais-Orgel im Saal.

Lüftung wird viel leiser

Schäden, wie sie einst bei der Sanierung nach dem Brand der Beethovenhalle 1983 entstanden waren, sollen nicht noch einmal für zusätzliche Kosten sorgen, sagt Schikorra.

Eine Herausforderung stellt auch die Modernisierung der Technik dar. So soll die neue Lüftung unterm Dach mal so leise wie möglich arbeiten, damit die Orchestermitglieder ohne störende Nebengeräusche musizieren können. „Dort oben wird es aussehen wie im Motorraum eines modernen Sportwagens“, beschreibt Schikorra. Die Beethovenhalle selbst soll nach Abschluss sämtlicher Arbeiten dagegen möglichst wieder im Originalzustand erscheinen.

Karten für die „Closing-Party“ am Samstag, 22. Oktober, ab 20 Uhr sind für 16,80 Euro in den GA-Ticketshops erhältlich.