150 Filialen geschlossen

Bäckerei Oebel will Samstag wieder öffnen

Vor geschlossenen Türen standen Oebel-Kunden in der Filiale Bad Godesberg an der Bonner Straße.

Vor geschlossenen Türen standen Oebel-Kunden in der Filiale Bad Godesberg an der Bonner Straße.

Bonn. Die Bäckereikette Oebel aus Aachen ist insolvent. Von den mehr als 150 Filialen sind derzeit fast alle geschlossen. Oebel betreibt auch rund zehn Läden in Bonn und der Region.

Die Filialen der insolventen Bäckereikette Oebel sollen bis spätestens Samstag wieder öffnen. Das teilte eine Sprecherin von Insolvenzverwalter Dirk Wegener mit. Die Unternehmensgruppe mit rund 150 Läden hatte am Dienstag Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Fast alle Filialen waren am Mittwoch geschlossen, darunter etwa zehn in Bonn und Umgebung. Im Großraum Köln betreibt Oebel weitere rund 20 Läden, viele sind Supermärkten oder Einkaufszentren angeschlossen.

Auslöser der Insolvenz seien zum einen „Logistik-Probleme infolge der Insolvenz des Lieferanten Kronenbrot“ gewesen, hieß es. Die Großbäckerei Kronenbrot aus Würselen, die auch einen Standort in Köln betreibt war bereits Mitte Juni in die Pleite gerutscht – zum zweiten Mal nach einem Insolvenzantrag 2016. Oebel hatte sich zuvor seine unternehmerische Verflechtung mit Kronenbrot gelöst und ließ sich von dem Großbäcker lediglich beliefern. Für die geplante Wiedereröffnung der Oebel-Filialen am Ende dieser Woche sei der Nachschub mit Backwaren allerdings gesichert, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter mit.

Hitze verdirbt Appetit auf Kuchen

Auch „unerwartet massive witterungsbedingte Umsatzeinbrüche im Juni“, hätten Oebel in Schieflage gebracht, hieß es weiter. Während der Hitzewelle sei der Appetit der Kunden auf Kuchen und Torten deutlich zurückgegangen.

Die rund 940 Beschäftigten der Oebel-Gruppe sollen nun Insolvenzgeld erhalten. „Die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Oebel beabsichtigt, den Geschäftsbetrieb in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und Vertretern der Gläubiger in den kommenden Wochen fortzuführen und zugleich Sanierungschancen auszuloten“, kündigte der Insolvenzverwalter an.

Am Mittwoch führten Geschäftsführung und Insolvenzverwalter erste Gespräche über die Perspektiven des Unternehmens und wollten sich noch nicht konkreter äußern. Die Aachener Zeitung berichtete, Oebel-Geschäftsführer und -Mitinhaber Wolfgang Mainz habe wegen der Insolvenz des Familienunternehmens sein Amt als Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen mit sofortiger Wirkung abgegeben.

Bäckereien: Insolvenzen nicht selten

Im Bäckerhandwerk sind wirtschaftliche Probleme derzeit keine Seltenheit. „Wir haben derzeit in der Branche sehr viele Insolvenzen“, sagte Alexandra Dienst, Geschäftsführerin der Bäcker-Innung Köln/Rhein-Erft-Kreis am Mittwoch. Diese Entwicklung sei auch unabhängig von der Betriebsgröße.

Die Gründe für die Pleiten seien vielfältig: „In den Betrieben herrscht extremer Personalmangel, für die Inhaberfamilien gibt es in der Regel Sieben-Tage-Arbeitswochen“, so die Innungsvertreterin. „Dazu kommen wachsende bürokratische Hürden und Kosten, selbst die Kontrollen der Lebensmittelbehörden müssen die Betriebe selbst bezahlen.“ Auch die Konkurrenz durch Backstationen in Supermärkten und bei Discountern drücke die Margen der Bäckereien. „Nirgendwo ist die Zahl der Discounter pro Einwohner so hoch wie in Köln“, sagte Innungsvertreterin Dienst.

Laut Branchenverband zählten die Bäcker im vergangenen Jahr mit 10.926 Meisterbetrieben, einem Gesamtumsatz von knapp 15 Milliarden Euro und 270.400 Mitarbeitern zu den wichtigsten Handwerkssparten Deutschlands.

Diese Bäckereien in Bonn und der Region backen noch selbst.