Erster Todestag des Bonner Originals

Ausstellung für "Alle-mal-malen-Mann" geplant

Bonn. Bonner kannten ihn als "Alle-mal-malen-Mann". Ein Jahr nach dem Tod von Jan Loh alias Ferdinand Johannes Gödde wollen Fans des oft mürrischen Zeichners ihm eine Ausstellung widmen.

In der abgewetzten Aktentasche steckten Block, Blei- sowie Kohlestifte, vor der Tür stand stets sein klappriges Fahrrad: Jan Loh, wie er sich als Künstler nannte, gehörte zum Nachtleben in Bonn, seit er ab Anfang der 1990er Jahre als „Alle-mal-malen-Mann“ durch Kneipen und Biergärten zog und die Gäste porträtierte. „Pro Person ein Euro“ lautete sein Angebot. Im vergangenen März ist er im Alter von 86 Jahren gestorben – vergessen ist das Bonner Original offensichtlich noch nicht.

René-Marius Westfehling erinnert sich an viele Begegnungen mit Jan Loh: „Ich bin sicher fünf Mal von ihm porträtiert worden.“ Zu Hause hat der 37-Jährige aber nur ein einziges Bild, denn Ferdinand Johannes Gödde – erst bei der Beerdigung auf dem Kessenicher Friedhof wurde der richtige Name des „Alle-mal-malen-Mann“ bekannt – zeichnete meist Gruppen oder Paare, die in geselliger Runde beim Bier saßen. „Die meisten dieser Zeichnungen habe ich damals anderen überlassen“, erzählt Westfehling. Eine Entscheidung, die er heute bedauert. „Sicher war der 'Alle-mal-malen-Mann' zuweilen auch schlecht gelaunt und mürrisch, aber er war nun einmal ein Original in dieser Stadt.“

Auf der Suche nach Leihgaben

Damit Jan Loh nicht in Vergessenheit gerät, plant Westfehling, Mitarbeiter vom Migrapolis-Haus der Vielfalt, unter dem Motto „Alle nochmal malen?“ zu Göddes erstem Todestag eine Gedenk- und Kunstaktion: Mit der Fabrik 45 am Hochstadenring will er eine Ausstellung mit möglichst vielen Zeichnungen organisieren. „Die gesamte Aktion ist ein ehrenamtliches Freundschaftsandenken, etwaige Spenden und Erlöse werden für die Grabpflege weitergereicht“, stellt Westfehling das Projekt vor.

Geht es nach dem 37-Jährigen, dann werden Anfang März rund 100 Zeichnungen an den Wänden des Kunst- und Kulturdomizils nahe der Viktoriabrücke hängen. „Dafür sind wir auf Unterstützung angewiesen“, erklärt Westfehling. Er hofft, dass möglichst viele Bonner ihre Zeichnungen für die Gedenkausstellung vom 8. bis 10. März (eventuell länger) zur Verfügung stellen. Zwar würden auch Originale entgegengenommen – „am liebsten hätten wir Kopien und Scans“, erklärt er.

Idealerweise sollten die Bilder mit einigen persönlichen Angaben ergänzt werden. „Es wäre schön, wenn wir einen Vornamen bekommen sowie Angaben darüber, wann und wo das Bild entstanden ist“, so Westfehling. Ergänzt werden soll die Präsentation durch eine Aktion, bei der sich die Besucher gegenseitig malen sollen. Eingereicht werden können die Zeichnungen bis Ende Januar in der Fabrik 45 am Hochstadenring oder per Mail an info@fabrik45.de.