1950 und heute

Ausstellung über Plätze in Deutschland

Bonn. Fotografien im Volksbank-Haus nahe der Rheinaue stellen die Veränderung des Stadtbildes im Laufe der Jahre dar. Zu sehen sind die Bilder bis zum 27. Oktober.

Plätze sind mehr als unbebaute Stellen in der Stadt. Das beweist die Ausstellung „Plätze in Deutschland 1950 und heute – eine Gegenüberstellung“, die im Volksbank-Haus in der Heinemannstraße eröffnet wurde. Die Ausstellung stellt Fotografien deutscher Plätze aus den 1950er Jahren aktuelle Aufnahmen vom selben Standort gegenüber, um auf die Fehlplanungen und Versäumnisse in der Gestaltung des Stadtraums aufmerksam zu machen.

Von den mehr als 30 Städten, in denen fotografiert wurde, ist Bonn gleich mit dem ersten Aufnahmenpaar dabei: Es zeigt den Bonner Bahnhofsvorplatz. Wie er war mit O-Bus, Straßenbahn und schönem Baumbestand und alter Häuserfront, die den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Die neue Aufnahme zeigt den Platz, wie er vor dem Abriss der Südüberbauung aussah: kahl und kalt.

„Wir haben bewusst auf schriftliche Erklärungen verzichtet“, erklärt dazu Christoph Mäckler, Direktor Deutsches Institut für Stadtbaukunst und Professor für Architektur und Bauwesen an der Technischen Universität Dortmund, „damit sich jeder unvoreingenommen und ohne lange Erklärungen sein eigenes Bild machen kann.“ Er hat zusammen mit Birgit Roth die Ausstellung konzipiert. Dass die Ausstellung, die bereits seit 2013 gezeigt wird, jetzt in Bonn Station machen kann, hat sie der Kommunalakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung zu verdanken, die diese Wanderausstellung ermöglicht hat.

"Viele Städte sind erst nach dem Krieg kaputt gemacht worden"

„Mir wurde bei der Erstellung der Ausstellung sehr deutlich, dass die zerstörten Teile der Städte durch uns zerstört wurden. Viele Städte sind erst nach dem Krieg kaputt gemacht worden“, sagte Mäckler. In den 1950er bis 1970er Jahren, so fuhr er fort, sorgte das Leitbild der verkehrsgerechten Stadt für massive Eingriffe in die Struktur vieler deutschen Plätze.

Dem motorisierten Verkehr wurde die führende Rolle zugestanden. „Viele Plätze wurden zu reinen Verkehrsknotenpunkten ohne jegliche Aufenthaltsqualität.“ Mäckler prägte auch den Satz, dass die Außenansicht der Häuser einer Stadt die Innenansicht der Stadt selber sei.

Die beiden Bonner Bilder sind seine Lieblingsbilder. „Weil es so was von grotesk ist, wie unglaublich lebendig das alte Straßenbild im Gegensatz zum neuen ist. Es ist einfach traurig, was da passiert ist.“ Die Fassaden hätten Städtebauer und Architekten zu verantworten. In den abgerissenen Häusern habe es eine soziale Mischung gegeben, die es heute so nicht mehr gibt. „Vorne war Symmetrie, Repräsentation für Wohlhabende. Auf der Rückseite im Hof wohnten die Menschen mit weniger Geld. Solch eine Möglichkeit gibt es im sozialen Wohnungsbau nicht mehr.“

Die Ausstellung ist bis 27. Oktober in der Volksbank an der Heinemannstraße 15 zu sehen und für Besucher von Montag bis Samstag, 8 bis 18 Uhr, geöffnet. Der Eintritt ist frei.