Verspätungen und Ausfälle Ausbau der S13 wird zur Geduldsprobe für Bonner Pendler

Auch am Bonner Hauptbahnhof spüren die Pendler die Auswirkungen des S13-Ausbaus. Güterzüge werden linksrheinisch umgeleitet.

Bonn. Der Ausbau der S-Bahn-Linie 13 und damit verbundene Änderungen im Fahrplan stellt Pendler auf die Geduldsprobe. Viele sind von den Verspätungen und Zugausfällen genervt.

Genervt schauen Fahrgäste auf die Anzeigentafel am Beueler Bahnhof. Die Regionalbahn der Linie RB 27 in Richtung Mönchengladbach hat Verspätung. Schon wieder. Dabei ist der RB 27 derzeit der einzige Zug, der hier stündlich in Richtung Köln abfährt. Die Informationskästen sind voll gestopft mit gelben Sonderfahrplänen und Baustellenhinweisen. Grund dafür ist der Ausbau der S-Bahn-Linie S 13 bis Oberkassel.

Seit Anfang April ist der Bereich zwischen Unkel und Troisdorf daher teilweise gesperrt. Am Wochenende fahren keine Züge, Busse werden als Schienenersatzverkehr (SEV) eingesetzt. Auch montagmorgens im Berufsverkehr müssen die Fahrgäste auf den SEV ausweichen: Von Unkel fährt ein Ersatzbus über Beuel bis Troisdorf, von dort geht es weiter mit dem regulären Zug. Auch in der Gegenrichtung. An den übrigen Werktagen ist die Strecke zwar frei, aber statt der üblichen zwei Verbindungen pro Stunde in Richtung Köln mit dem RE 8 und RB 27 fährt nur ein Zug. Für Pendler ein Ärgernis.

Zu knappe Umsteigezeiten

„In der App war nicht angezeigt, dass die Bahn verspätet kommt“, erklärt Steffen Freymann. Er nutzt die Verbindung zwischen Beuel und Köln regelmäßig. Morgens könne man die Fahrt mit nur einer Verbindung noch planen, abends sei das schwieriger. Er fahre dann eher über Siegburg zurück. Auch Joachim Derdzinski pendelt täglich von Beuel bis Pulheim. „Es funktioniert besser, als ich dachte“, sagt er. Um flexibler zu sein, hat er sein Faltrad dabei. Allerdings kritisiert er die Taktung der Ersatzbusse: In Troisdorf verpassten viele Pendler den Zug, weil die Zeit zum Umsteigen zu knapp sei. „Wir haben nicht nur in Troisdorf einen Umsteigepunkt, sondern auch in Unkel“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Wenn wir in Troisdorf die Umsteigezeit verlängern würden, müssten wir diese in Unkel automatisch kürzen.“ Die Umsteigezeiten liegen zwischen fünf und elf Minuten, bei den kurzen Umsteigezeiten handele es sich aber um Einzelfälle.

Derdzinski hat, wie er sagt, auch schon erlebt, dass der einzige Zug in der Stunde einfach ausfällt oder nur ein Kurzzug einfährt, in dem kaum alle Pendler Platz finden. Im Zug herrsche dann dichtes Gedränge. Aufgrund zahlreicher Bürgerbeschwerden hatte auch der Beueler CDU-Bezirksverordnete Marco Rudolph einen Brief an die Verantwortlichen geschrieben.

„Allgemein kann es während einer Bauphase zu einem erhöhten Fahrzeugbedarf kommen, so dass wir auf Reservefahrzeuge zurückgreifen müssen, um den Baustellenfahrplan fahren zu können“, erklärt die DB. Dadurch entstünden eher Unregelmäßigkeiten als im Regelbetrieb. Zudem mussten viele Fahrzeuge des RB 27 gewartet werden, „sodass nicht immer alle benötigten Fahrzeuge für den planmäßigen Einsatz verfügbar waren“. In Koblenz wurde daher ein zusätzlicher Standpunkt für die Wartungs- und Reparaturarbeiten eingerichtet sowie zwei Fahrzeuge der Linie RE 8 abgezogen. Als Maßnahme will die DB nun den RB 27 bei der Fahrzeugausstattung bevorzugen. Auch linksrheinisch sind die Auswirkungen der Bauarbeiten zu spüren, Anwohner klagen über Lärm durch mehr Güterzüge: Der Güterverkehr wird aktuell auf die andere Rheinseite umgeleitet. „Hierbei wird natürlich auch auf der Strecke auf die Betriebsqualität geachtet und die Strecke nicht überlastet“, so der Bahnsprecher. Hinzu kommt: Gleichzeitig werden die Ferngleise zwischen Köln und Düsseldorf erneuert.

Fahrgäste werden ernstgenommen

„Es ist richtig und wichtig, dass gebaut wird“, sagt Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. Als zwischen Hamburg und Berlin die Züge wegen Bauarbeiten weitläufig umgeleitet wurden – die Fahrzeit verlängerte sich um rund 50 Minuten – gab es für die Passagiere ein Croissant und Mineralwasser. Für Naumann eine Geste, dass der Fahrgast ernstgenommen werde. Wichtig sei, Verständnis zu schaffen und zügig zu bauen.

Dass gebaut werden muss, sieht auch Rainer Bohnet, Vorsitzender des Kreisverbands Bonn/Rhein-Sieg/Ahr des Verkehrsclub Deutschlands (VCD): „Aber wie gebaut wird, ist eine andere Frage.“ Zur Entlastung schlägt er vor, die Züge des Fernverkehrs bei Ausfällen auch für Pendler und Jobticketnutzer freizugeben. „Ich weiß, wie schwierig es ist, das administrativ umzusetzen“, so Bohnet. Dafür müssten Absprachen zwischen der DB Regio und der DB Fernverkehr getroffen werden. Bis 8. Juni müssen Pendler sich noch in Geduld üben: Bis dahin laufen noch die aktuellen Arbeiten.

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