Verein will Anmietung verlängern

Aus der Volkshochschule wird ein Kulturzentrum

Stolz präsentieren Kira Lizza und Jo Hempel das „Archiv“ ihres Vereins Rhizom in der alten VHS.

Stolz präsentieren Kira Lizza und Jo Hempel das „Archiv“ ihres Vereins Rhizom in der alten VHS.

Bonn. Vor drei Jahren zog die VHS aus dem städtischen Gebäude an der Kasernenstraße in Bonn aus. Vor drei Monaten zog der Verein "Rhizom" in die Räume ein - und macht seitdem von sich reden. Jetzt will er dort deutlich länger bleiben.

Ursprünglich wollte der Verein „Rhizom“ das Gebäude der ehemaligen Volkshochschule (VHS) zwischen Kasernenstraße und Wilhelmstraße nur für drei Monate nutzen. Hintergrund: Der Verein, der sich der alternativen Kultur verschrieben hat und sich als Netzwerk von Kulturschaffenden jedweder Art versteht, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und benötigte für die verschiedenen Veranstaltungen aus Anlass des Geburtstags ein festes Dach über den Kopf. Jetzt will Rhizom die VHS für ein ganzes Jahr von der Stadt Bonn mieten.

Das denkmalgeschützte Gebäude stand seit dem Umzug der VHS vor drei Jahren in das neue Haus der Bildung am Mülheimer Platz leer. Seit drei Monaten hat Rhizom es wieder mit Leben gefüllt. Langfristig plant die Stadt, dort eine Kita unterzubringen. Ob aus den Plänen etwas wird, ist fraglich: Die Politik hat große Bauschmerzen angesichts der Kosten, die eine entsprechende Instandsetzung und Sanierung verursachen würden.

Große Resonanz auf Angebote

„Wir stehen zurzeit mit der Stadt in Verhandlung. Das Haus wird ausgesprochen gut angenommen, deshalb würden wir uns freuen, es länger nutzen zu können“, sagt Jo Hempel. Der 41-jährige Journalist hat den Verein vor zehn Jahren mitbegründet und ist selbst ein wenig überrascht über die große Resonanz auf die Angebote in der alten VHS. So tummeln sich dort Schauspieler, Musiker, Literaten und andere Künstler. Auch Familien mit Kindern zählen zu den Besuchern. Für sie ist in einem der ehemaligen Schulungsräume ein Spielzimmer eingerichtet. In einem anderen, beinahe doppelt so großen Raum treffen sich am Wochenende Menschen zum Tanzen.

Da kann es auch schon einmal richtig voll werden, wie kürzlich, als mehr als 120 Gäste an einem Tanzabend teilnahmen. Wiederum in anderen Räumen sind Werkstätten eingerichtet, etwa für bildende Künstler. Sogar eine Art Archiv gibt es, wo die Mitglieder die Geschichte des Vereins per Fotos nachgezeichnet haben. Sämtliches Inventar, wie Werkbänke oder die vielen Sofas, die in den Räumen zum Verweilen einladen, ist gespendet. Ein bisschen chaotisch, aber auch gemütlich wirkt das Haus, aus dem der Verein am liebsten auf Dauer ein niederschwelliges Kulturzentrum machen würde.

Wurzelstock mit vielen Verästelungen

„Nicht umsonst trägt unser Verein den Namen Rhizom“, erklärt Kira Lizza, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins kümmert. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bezeichnet eine Art Wurzelstock mit vielen Verästelungen. So wie dieses Geflecht verstehe sich auch der Verein, aus dem viele Kulturschaffende hervorgingen und sich wiederum mit anderen Kulturfreunden verbinden würden. Willkommen seien alle, gleich welchen Geschlechts, Alters oder welcher Kultur, erklärt Hempel. Aber: „Jeder der kommt, muss Verantwortung hier im Haus übernehmen.“

Dazu gehört unter anderem die regelmäßige Reinigung der Räume. Hempel zufolge zählt der Verein zurzeit 35 zahlende Mitglieder. Er finanziere sich aber hauptsächlich aus Spenden. Und die reichten aus, um derzeit die Betriebskosten für die alte VHS und später auch die Miete zahlen zu können, erklärt Hempel. Alles andere, ob der Betrieb des Cafés, das viermal die Woche von 18 bis 22 Uhr geöffnet hat, der Schlüsseldienst – ab 22 Uhr wird das Gebäude abgeschlossen – oder die vielfältigen Kulturangebote, werde ehrenamtlich organisiert. „ Und das hat bisher sehr gut geklappt“, versichern Lizza und Hempel unisono.

Für diesen Sonntag lädt der Verein von 12 bis 22 Uhr zu einem Tag der Offenen Tür in die alte VHS an der Kasernenstraße 50 ein. Nähere Details zum Verein und zu seinen Projekten auf www.alte-vhs.de