"Bonn und die Welt"

Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe von GIZ und General-Anzeiger

Das Podium: (von links) Moderator Andreas Mühl, Dominik Ziller von der GIZ, Coletta Manemann und Hidir Çelik.

GRONAU. 300.000 Zuwanderer braucht Deutschland pro Jahr, um in Zukunft genug Fachkräfte zu haben, rechnet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe "Bonn und die Welt" von GIZ und General-Anzeiger ging es am Montagabend deshalb um das Thema "Gekommen um zu bleiben? Interkulturelles Leben und Arbeiten in Bonn". Die Podiumsdiskussion moderierte der stellvertretende GA-Chefredakteur Andreas Mühl vor gut 100 Zuhörern.

Dominik Ziller, GIZ-Experte für Migration, verdeutlichte, dass es in einer alternden Gesellschaft nicht ausreiche, die Zahl der Ausbildungsabbrecher zu senken oder die Vollzeit-Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern. "Wir müssen ausländische Potenziale anzapfen", sagte Ziller. Fachkräftemangel gebe es nicht nur im Pflegesektor, sondern künftig auch bei Ingenieuren, Schweißern und Lageristen.

"Zuwanderer werden auch die Retter unserer sozialen Versicherungssysteme sein", verdeutlichte Ziller. Im Wettbewerb um Arbeitskräfte habe Deutschland Nachteile: "Wir gelten als nicht sehr ausländerfreundlich, außerdem ist die Sprache nicht einfach." Im Verlauf der Diskussion ging es deshalb immer wieder um Willkommenskultur.

Hidir Çelik leitet seit 20 Jahren die Evangelische Integrations- und Flüchtlingsarbeit in Bonn und wird immer noch gefragt, wann er denn "zurück geht". Er zeigte auf, zu welch paradoxen Situationen das Ausländerrecht führt. Da werden Flüchtlinge in Länder wie Bosnien abgeschoben, in denen die GIZ gleichzeitig um Arbeitskräfte wirbt.

Da werden Fachkräfte aus Vietnam ausgebildet, die Krankenpflegehelferin aus dem Iran, die in Deutschland lebt, kann aber keine Ausbildung zur Krankenschwester machen, weil sie keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung hat. "Wir sind Lichtjahre von einer Willkommensgesellschaft entfernt", sagte Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn.

UN-Mitarbeiter hätten Probleme bei der Wohnungssuche, Ärzte erlebten Rassismus in der Straßenbahn. "Das ist sehr schädlich für die Stadtgesellschaft", sagte Manemann. "Wir sind alle rheinisch, weltoffen, locker und nett - und ich finde manchmal, da könnten wir noch ein bisschen dran arbeiten."

Für Verunsicherung, auch bei Bonner Muslimen, sorgen zurzeit gewaltbereite Salafisten. "Man muss sich dagegen wehren und Aufklärungsarbeit machen, aber keine Panik verbreiten", sagte Çelik. Es seien in erster Linie junge Männer, die sich durch einfache Botschaften angezogen fühlen, erklärte Manemann. Um das zu verhindern, seien Fortbildungen für Lehrer ebenso wichtig wie gute männliche Vorbilder in den muslimischen Vereinen.