Buchprojekt für Kinder zum Mitmachen

Auftakt zur Serie: Bonn schreibt ein Kinderbuch

Wie kommt Sima in die Zeitung? Besprechung beim GA mit (von links) Doris Pfaff,
Almuth Voß, Britta Sabbag und Stefanie Messing.

Wie kommt Sima in die Zeitung? Besprechung beim GA mit (von links) Doris Pfaff, Almuth Voß, Britta Sabbag und Stefanie Messing.

BONN. Kinder sind eingeladen, die Stadt mit den Augen von Flüchtlingskind Sima zu entdecken. Die Idee und das erste Kapitel der Geschichte stammen von Autorin Britta Sabbag. Literaturhaus und General-Anzeiger bringen das Projekt mit auf den Weg.

Einen Krimi hat Bonn schon geschrieben, jetzt ist ein Kinderbuch dran. Schulklassen, Jugendgruppen und Familien können sich dafür bewerben, ein Kapitel zur Geschichte beizusteuern. Die Hauptfigur steht schon fest: Die achtjährige Sima kommt aus Syrien, sie musste bei der Flucht vor dem Bürgerkrieg Eltern und Geschwister zurücklassen und reiste mit der Familie ihres Onkels nach Bonn.

Die Idee zum Buchprojekt „Ankommen in Bonn“ hatte die Bonner Schriftstellerin Britta Sabbag. „Als Autorin ist es mein Beruf, mich in die Figuren meiner Bücher hineinzufühlen. Jetzt möchten wir die ganze Stadt einladen, Bonn mit Simas Augen zu sehen. Eine bessere Integration kann ich mir kaum vorstellen“, sagt sie.

Zur Vorgeschichte: Sabbag hatte im vergangenen Jahr die Aktion „Bonn schreibt einen Krimi“ des Literaturhauses verfolgt und nahm Kontakt zu Almuth Voß auf, die dort für das Programm verantwortlich ist. Gemeinsam mit Illustratorin Stefanie Messing und GA-Mitarbeiterin Doris Pfaff setzt sie die Buchidee um.

Sima ist eine Figur, doch ein Mädchen wie sie haben bestimmt schon viele Bonner Kinder kennengelernt. Als Mitschülerin oder Nachbarin, im Sportverein oder im Jugendtreff. Bei ihren Recherchen zum Alltag von Flüchtlingskindern in Bonn trafen Britta Sabbag und Almuth Voß ein neunjähriges Mädchen aus der Nähe von Damaskus, das alleine ins Land gekommen war. „Die Geschichte, die ich mir ausgedacht habe, ist genauso passiert – und ich saß mittendrin“, erzählt die Autorin.

Das erste Kapitel hat sie bereits geschrieben. Es wird an alle weiteren Autoren verschickt, damit sie sich Sima vorstellen können. Für die Kapitel zwei bis sieben gibt es Themenvorgaben, zum Beispiel die Geschichte mit der Angst vor Hunden. Sima kennt sie aus ihrer Heimat nämlich nicht als Haustier. „Hunde sind in Syrien wild, wie Wölfe“, sagt Sabbag.

In den kommenden Wochen werden alle von Kindern geschriebenen Kapitel der Geschichte nach und nach in der Zeitung veröffentlicht. Wer mitmachen möchte, sollte sich jetzt bewerben (wie das genau geht steht im Text unten links). Am Ende gibt es nicht nur die GA-Serie, sondern auch ein Kinderbuch. Von jedem verkauften Exemplar wird ein Betrag für die Arbeit mit Bonner Flüchtlingskindern gespendet.

Wie viele Bürger sich bereits engagieren, hat Almuth Voß bei den Vorbereitungen erlebt: „Ich fand es schon sehr eindrucksvoll, wie viele Leute sich ehrenamtlich einsetzen und all die kleinen Schritte begleiten.“ Weil das Buch so realistisch wie möglich sein soll, wollte Voß alles über Flüchtlinge und ihren Weg wissen.

„Bei den unterschiedlichsten Anlaufstellen wurde ich mehrfach von A nach B verwiesen – bis mir ein Mitarbeiter der Stabsstelle Integration der Stadt sagte: Das sei kein Wunder. Es gebe keinen vorgezeichneten Weg, keine zentrale Zuständigkeit.“ Wenn es schon Einheimische schwer überschauen, wie soll das erst Flüchtlingen gehen?

Sima wirkt ziemlich neugierig auf das, was kommt. Sie rennt gerne, deshalb trägt sie Turnschuhe, und hat bunte Sachen an, die nicht so ganz zusammenpassen. Illustratorin Stefanie Messing hat das kleine Mädchen mit Tusche und Aquarellfarben gezeichnet. Zuerst hatte es glatte Haare, wirkte etwas streng. Nach einem Treffen mit Britta Sabbag bekam das Mädchen Locken. Die fertige Sima gefiel auch Stefanie Messings Tochter spontan.