Gemeinsames Lernen an Ebert-, Helmholtz- und Arndt-Gymnasium

Aufsicht bestimmt drei Inklusions-Gymnasien

Das Friedrich-Ebert-Gymnasium im Bonner Süden ist mit 1284 Schülern das größte Bonner Gymnasium. Aber nicht jeder Schüler wird dort in Zukunft das Abitur anstreben.

Das Friedrich-Ebert-Gymnasium im Bonner Süden ist mit 1284 Schülern das größte Bonner Gymnasium. Aber nicht jeder Schüler wird dort in Zukunft das Abitur anstreben.

BONN. Ab dem kommenden Schuljahr werden in Bonn auch drei Gymnasien, und zwar das Friedrich-Ebert-, das Helmholtz- und das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA), offiziell Inklusionsschulen. Eltern von Förderkindern können also demnächst ihren Nachwuchs an diesen drei Gymnasien vorstellen.

Damit hat die Schulaufsicht ihre Ankündigung wahrgemacht, nun auch diese Schulform für den gemeinsamen Unterricht zu verpflichten (der GA berichtete). In Helmholtz- und im EMA knüpfe man an die schon bislang geleistete Integration für eine ganze Reihe Förderschüler an, erläutert Helmholtz-Direktorin Dorothee von Hoerschelmann auf GA-Anfrage.

"Auch für uns ist gemeinsames Lernen kein Neuland. Eine Akzeptanz für Kinder mit Förderbedarf gibt es schon länger", erläutert Frank Langner, Rektor des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (FEG).

Nun stelle man sich einer noch größeren Herausforderung: Man werde zieldifferent arbeiten. Nicht jeder FEG-Schüler werde also demnächst das Abitur anstreben. "Die Haltung unserer Schule dazu ist positiv", betonen Langner und sein Stellvertreter Dirk Bahrouz. Langner (44) ist seit gut einem Jahr Schulleiter des mit 1284 Schülern größten Bonner Gymnasiums.

Die Gymnasien hätten in der Debatte um Inklusion also zu Unrecht am Pranger gestanden. Wie berichtet, hatte 2014 ein Brandbrief der Elternvertreter aller fünf Gesamtschulen eine gerechte Verteilung zu fördernder Schüler auf alle Schultypen angemahnt sowie im Schulausschuss und bei öffentlichen Gesprächen zu heftigen Debatten geführt.

Gesamt-, Haupt- und Realschulen sollten nicht die Gesamtlast für eine wachsende Zahl von Kindern tragen, die Anrecht auf Plätze in Regelschulen hätten. "Ich hoffe, dass sich mit dieser Entscheidung die Diskussion um gemeinsamen Unterricht in weiterführenden Schulen in Bonn beruhigt", sagt Langner.

Andererseits sei Inklusion auch nicht zum Nulltarif zu haben. Man brauche zusätzlich Differenzierungsräume und vor allem multiprofessionelle Teams, also pädagogische Doppelbesetzungen. Allein aus den Schulressourcen sei das nicht zu stemmen. "Hier ist auch das Land gefordert." Eine der fünf FEG-Anfängerklassen werde einige Förderschüler integrieren.

"Da gibt es natürlich Ängste vor Überforderung", so Langner. Denn es könne sicher nicht sein, dass hier die normale Klassenstärke von 30 Kindern angesetzt werde. Man hoffe, dass gemeinsamer Unterricht in einer Klasse von nur 25 Kindern laufen könne. All das werde in den kommenden Wochen mit der Schulaufsicht geklärt, denn schon im November seien die interessierten Familien zum Gespräch zu erwarten.

Und wie reagieren seine Schüler auf die Nachricht? "Wir denken, dass wird unsere Schule bereichern. Wir werden bestimmt neue Erfahrungen sammeln", erklären die Schülervertreterinnen Linda Ensslin, Elly Schneider und Sophie Pohle unisono.

Erst einmal freuten sie sich aber auf die im November in ihrer Schule startende internationale Klasse für Flüchtlinge. Damit wäre das FEG nach dem Clara-Schulmann-Gymnasium das zweite Gymnasium, das sich dieser Aufgabe stellt.

Direktor Langner bestätigt die hohe Einsatzbereitschaft der gesamten Schule. "Eine internationale Klasse ist doch ein Herzensanliegen für ein Gymnasium mit fremdsprachlichem Profil."