Start in die achte Saison

Aufbau für KunstRasen-Konzerte läuft auf Hochtouren

BONN. Noch zwei Tage, dann geht es los mit der Open-Air-Saison auf dem KunstRasen. 5500 Fans werden beim ersten Event erwartet: Tears For Fears und Kim Wild als Vorband. Die Aufbauarbeiten laufen auf Hochtouren.

Carmen Emmert lehnt an der VIP-Empore und schaut auf die große schwarze Bühne. "Die Vorfreude ist fast das schönste", sagt die Vorsitzende des Fördervereins KunstRasen. Mittagspause bei 32 Grad. Gut zwei Dutzend Männer sitzen auf den Bänken und essen Spaghetti Bolognese. Die Wassercontainer zum Rheinufer hin stehen schon als Schallschutz, zwei Männer gehen über den Rasen mit Laptops auf den Armen und testen den glasklaren Klang, der von den großen Lautsprechern kommt. Andere schrauben noch an Gestängen für den Bühnenaufbau.

"Wir sind gut inn der Zeit", sagt Veranstalter Ernst Ludwig Hartz. Eigentlich sollte ja Max Giesinger jetzt auftreten, dann mussten wir das verschieben. Deshalb steht die Technik schon."

Mehr als 50.000 Tickets sind für diese Saison schon verkauft, meldet Kunst!Rasen-Veranstalter Ernst-Ludwig Hartz. Am Freitag, 28. Juni 2019, eröffnen die britischen Synth-Pop-Legenden Tears for Fears die Bonner Open-Air-Reihe. Die beiden Musiker Roland Orzabal und Curt Smith werden ihre größten Hits aus ihrem Best-of-Album „Rule The World“ präsentieren.

Ein neues Konzertpaket

Der KunstRasen bekommt Nachwuchs. Nach dem großen Erfolg mit dem Doppelkonzert von Querbeat und LaBrassBanda im vergangenen Sommer legen die Veranstalter mit "Sound of Heimat" ein neues Konzertpaket auf. Bei diesem Festival im Festival soll der Heimatbegriff zeitgemäß definiert werden. Am 29. Juni treffen rheinische Heimathelden wie Kasalla, Cat Balou und Druckluft auf die bayerischen Frohnaturen Kellerkommando, LaBrassBanda und Kreuzwort.

Neu ist eine ebenfalls im Vorjahr getestete Veranstaltungsreihe des KunstRasen-Vereins, der an konzertfreien Tagen den Gäste- und VIP-Bereich als KunstZelt ausflaggen will. Auf dem Programm stehen Lesungen überwiegend von Bonner Autoren. Der Eintritt ist frei. Und: Das Bonner GOP Varieté Theater feiert eine Premiere auf dem Grün in der Gronau. Die Akrobaten präsentieren Auszüge aus ihrer Show "Slow". "Das deckt sich mit der Philosophie unseres Festivals", sagt Veranstalter Ernst-Ludwig Hartz und verweist auf die Tradition des jährlichen Picknicks, bei dem das Beethoven Orchester regelmäßig mehrere Tausend Besucher mit sommerlicher E-Musik beglückt.

Alle reden von Sting, klar. Der britische Superstar hat an drei Tagen im November die Konzertkassen gerockt: 9000 Fans hüten ihr Ticket für den großen Moment am 15. Juli. Es ist der Lohn harter Verhandlungsführung: Seit drei Jahren ist Hartz mit dem Londoner Sting-Agenten im Gespräch. Hartz hat noch andere Lieblingsthemen. Zum Beispiel die Feinmechanik einer sinnvollen Festivalplanung. Welche Vorgruppe passt zu welchem Star? Bei Sting ist es der Ire Jack Lukeman ("Hallelujah"), bei den Scorpions die aufstrebende Rockband The New Roses aus Wiesbaden. Bei James Bay war die Position lange vakant, dann ergab sich die Möglichkeiten, den aktuellen ESC-Sieger Duncan Laurence ("Arcade") aus den Niederlanden zu verpflichten.

Zuständigkeiten verteilen sich auf viele Schultern

Das Paket der Classic Rocknacht schnürt Hartz komplett selbst, da geht der Fan mit ihm durch: Jethro Tull und Fish sind Helden seiner Jugend, dazu passen Riverside aus Polen und Vanderlinde aus Holland. Auch zum Wiederholungstäter Wolfgang Niedecken könnte man viel erzählen. Der BAP-Chef spielt zum dritten Mal auf dem KunstRasen, 6000 Tickets sind bereits weg. Die Fans wissen, was sie erwartet: dreieinhalb Stunden volles Programm.

 

Die Zuständigkeiten beim Festival verteilen sich auf viele Schultern. Carmen Emmert, Vorsitzende des KunstRasen-Vereins, zeichnet für das neue KunstZelt verantwortlich. "Der KunstRasen kann nicht nur Musik, er steht für Vielfalt", formuliert sie ihr Credo. Emmert bindet viel regionale Szene ein. Bonner Autoren wie Britta Sabbag, Claus Vaske und Michael Wenzel lesen. Musikalisch versierte Mitglieder der Vereinten Nationen spielen Weltmusik mit ihrer Band World Music Bonn.

2020 kommen The BossHoss

"Sound of Heimat" realisiert Emmert mit Katrin Weinreis, der Geschäftsführerin der KunstRasen GmbH, auch wenn die Kollegin derzeit vorrangig mit der Festival-Hardware beschäftigt ist. Weinreis (32) koordiniert alle Gewerke auf dem Gelände. Die Bühne - 25 Meter breit, 12 Meter tief, 10 Meter hoch - steht bereits. "Der Aufbau dauert drei Tage", sagt die gelernte Veranstaltungskauffrau. "Für den Schallschutz haben wir anfangs zwei Wochen gebraucht, jetzt schaffen wir es in sechs Tagen." Schallschutz, das bedeutet: eine Wand aus 552 IBC-Containern, die aus Stabilitätsgründen teils mit Wasser gefüllt werden müssen. Geht alles nach Plan, wird der KunstRasen an diesem Wochenende einsatzbereit sein.

Im hinteren Bereich will Weinreis noch ein paar Bierzeltgarnituren aufbauen, "damit sich die Leute auch mal hinsetzen können". Neu ist eine Biergartenhütte am Eingang. Auch die Umwelt ist Thema: "Wir kaufen unser Baumaterial nicht jedes Jahr neu", sagt Weinreis. Auch das Pfandsystem habe sich bewährt. "Die Becher sind aus Maisstärke hergestellt und kompostierbar."

"Ich denke, es wird eine tolle Saison", ergänzt die Veranstalterin. 50.000 Karten sind bereits bei den Fans, weiß Kollege Hartz. Die achte Saison wird die siebte, die 63.000 Besucher verbuchte, wohl toppen. Wobei Hartz in Gedanken bereits bei der neunten ist. Eine erste Bestätigung liegt bereits vor: Am 7. August 2020 spielt The BossHoss.