Kommentar zur Bonner Oper

Auf der langen Bank

Die Oper in Bonn.

Die Oper in Bonn.

Bonn. Oberbürgermeister Ashok Sridharan schlägt einen Neubau des Opernhauses als mögliche Alternative zur Instandsetzung vor. An der Vorgehensweise der Stadt Bonn ist einiges verwunderlich, findet GA-Redakteur Andreas Baumann.

Die Kultur ist den Bonnern lieb – und sie bleibt teuer. Seit Mittwoch ist ein Gutachten öffentlich, wie die mit 1,7 Milliarden Euro verschuldete Stadt ihre Ausgaben in diesem Bereich senken könnte. Passieren wird aber erst einmal – nichts. Die Spitze der Stadtverwaltung will die Expertenstudie erst in zwei Jahren in konkrete Vorschläge übersetzen.

Zu Recht betont Oberbürgermeister Ashok Sridharan zwar, dass Oper und Schauspiel in den vergangenen Jahren schon Geld eingespart haben. Dieser Effekt wird allerdings durch die Personalkosten aufgezehrt, die alle zwei Jahre durch die regelmäßigen Tariferhöhungen kräftig ansteigen.

Natürlich braucht eine Stadt wie Bonn als Standort für Dax-Konzerne, Bundesministerien und Vereinte Nationen ein vielfältiges Kulturangebot. Natürlich wären Kürzungen beim Orchester und dem Beethovenfest kontraproduktiv, wenn Bonn nach dem Jubiläumsjahr 2020 weiter im Terminkalender der Klassikliebhaber bleiben will. Und natürlich ist auch der kleinste Einschnitt in die gewohnte Angebotsqualität schmerzhaft. Aber kann man deshalb sämtliche Sparszenarien der von der Stadt beauftragten Gutachter vom Tisch wischen, wie es Oberbürgermeister Ashok Sridharan am Mittwoch in einem „persönlichen“ Statement sehr deutlich getan hat?

Aus gutem Grund hat die Ratskoalition beschlossen, den 60-Millionen-Etat der Bonner Kultur ab 2023 um 3,5 Millionen Euro zu kürzen. Das würde den Stadthaushalt zwar nicht retten, sobald die Zinsen steigen oder die Konjunktur einbricht. Aber es wäre ein Beitrag. Deshalb bleibt zu hoffen, dass die Jamaika-Koalition genug Stehvermögen beweist, das Sparziel nicht sang- und klanglos aufzugeben – zumal die Actori-Gutachter nicht einmal untersucht haben, welches Potenzial eine engere Kooperation mit den städtischen Bühnen in Köln hätte. Denn das gehörte erstaunlicherweise nicht zum Prüfauftrag.

Noch etwas anderes ist verwunderlich. Seit dem erfolgreichen Bürgerentscheid gegen das geplante Wasserland-Bad setzen Stadtverwaltung und Rat stärker als je zuvor auf Bürgerbeteiligung – ob in der Bäderfrage oder zur Zukunft der Theatergebäude. Die fünf Actori-Einsparszenarien will die Verwaltungsspitze bisher aber nicht zur Debatte stellen. Könnte ja auch brenzlig werden: Was, wenn eine Mehrheit der Bonner sich dafür aussprechen würde, zum Beispiel auf das Schauspiel zu verzichten?