Bonnerin Maike van den Boom forscht im Auftrag der Bundesregierung

Auf der Suche nach dem Glück

Die gebürtige Heidelbergerin Maike van den Boom ist studierte Kunsttherapeutin. Nach einer Karriere als Managerin hat sie sich die Freiheit genommen, Trainerin und Rednerin zu werden.

Die gebürtige Heidelbergerin Maike van den Boom ist studierte Kunsttherapeutin. Nach einer Karriere als Managerin hat sie sich die Freiheit genommen, Trainerin und Rednerin zu werden.

BONN. Maike van den Boom reiste durch dreizehn Länder, um das Glück zu suchen. Orientiert hat sie sich an Ruut Veenhoven, einem Rotterdamer Professor, der aus 3000 Umfragen Studien über das Glück weltweit erstellte.

Jetzt ist sie zurück: mit einem neuen Buch und einem Auftrag. Die Halbniederländerin soll im Namen der Bundesregierung herausfinden, was es für Bonner heißt, ein gutes Leben zu führen.

Nachdem das Bundeskabinett 2014 die Regierungsstrategie "Gut leben in Deutschland - was uns wichtig ist" auf seiner Klausurtagung in Meseberg beschlossen hat, werden hundert Bürgerdialoge in ganz Deutschland geführt.

Maike van den Boom organisiert einen davon. Dabei geht es um Fragen wie: Was macht Lebensqualität in Deutschland aus? Was bedeutet es, gut zu leben? Oder: Was wünsche ich einem geliebten Menschen für die Zukunft?

Innerhalb von drei Stunden sollen etwa 80 Menschen aus allen sozialen Schichten darauf antworten. Die Bundesregierung will konkrete Maßnahmen treffen, um die Lebensqualität in Deutschland zu verbessern. Haben wir etwa verlernt, glücklich zu sein? "Wenn man die Deutschen fragt, ob sie glücklich sind, finden sie erst einmal fünf Gründe, warum sie es nicht sein können", sagt van den Boom.

Wir wären sehr kritisch, würden nach Karriere und Sicherheit streben. In skandinavischen Ländern habe sie die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit ihrer Zukunft freier umgehen. Während sie sich gestatten, Fehler zu machen, könnten Deutsche nicht scheitern. "Dabei kann niemand frei sein, ohne einmal gegen die Wand zu fahren", sagt die Autorin.

Sie selbst habe ihren Job als Managerin gekündigt, um zu reisen und zu schreiben - ein Buch darüber, wie andere Menschen in anderen Ländern übers Glücklichsein denken. "In Dänemark zum Beispiel vertrauen sich die Menschen viel mehr", so van den Boom.

Als sie ein deutsches Paar besuchen wollte, das seit über fünfzehn Jahren in Dänemark lebt, hätten sie ihr einfach den Haustürschlüssel unter die Fußmappe gelegt. "Ich konnte ins Haus und dort schlafen, obwohl ich sie noch nicht gesehen habe", sagt van den Boom. Der glücklichste Mensch, den sie auf ihren Reisen getroffen habe, war ein kolumbianischer Altpapiersammler. "Der hat einfach gestrahlt, auch wenn er nichts hatte."

Um besser zu leben, müssten wir uns mehr auf humanistische Werte berufen: Vertrauen und Höflichkeit. Einfach den Platz in der Bahn frei zu machen, sei ein wahrer Glückscocktail - oder Fremden Menschen auf der Straße zuzulächeln. Anstatt die Karriere zu planen, sollten wir mehr in unsere Freizeit investieren. "Den Deutschen wird oft ihre Zielstrebigkeit vorgeworfen", sagt van den Boom. Sich Ziele zu setzen, sei aber richtig. "Ich will auch nach den Sternen greifen."

Glücklich sein bedeute für die Autorin ein selbstbestimmtes Leben und soziale Beziehungen. Das Wichtigste für sie: ihre Tochter und die Liebe zu sich selbst. Denn nur wer sich selbst liebe, könne ein Vorbild für andere sein. Mit einer insgesamt glücklicheren Gesellschaft verspricht sie sich auch mehr Leistung für die Unternehmen. "Da ist so viel ungenutztes Potenzial in Menschen", resümiert sie. Zu viele Deutsche hätten innerlich gekündigt. "Wir müssen uns klarmachen, was uns für das Leben wirklich wichtig ist."

Der Bürgerdialog findet am Montag, 27. April, im Hotel Collegium Leoninum in der Noeggerathstraße 34 statt. Maike van der Boom beginnt die Veranstaltung um 16.30 Uhr damit, aus ihrem Buch "Wo geht's denn hier zum Glück" vorzulesen, das am 23. April erscheint. Ab 17 Uhr folgt der dreistündige Workshop, in dem in Einzelgruppen über die Lebensqualität in Deutschland diskutiert wird. Anmelden kann man sich täglich im Collegium Leoninum unter Tel. 0228/62980. Anmeldeschluss ist der 15. April.