Kulturbetrieb in Bonn

Auf das Pantheon wartet viel Arbeit

Bonn. Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Pantheon-Chef Rainer Pause haben am Dienstag in der Halle Beuel den Mietvertrag im Beisein von Kulturdezernent Martin Schumacher und dem Intendanten des Bonner Theaters Barnhard Helmich unterzeichnet und damit die Zukunft des Kulturbetriebs am Bonner Standort gesichert.

Rainer Pause macht einen ziemlich entspannten Eindruck. Dafür, dass der Pantheon-Chef noch im Juli einen kurzfristigen Rückzieher gemacht hatte und auf ihn nun eine ziemliche Herausforderung zukommt, um die alte Halle Beuel des Schauspiels Bonn zum neuen Spielort des Pantheon zu machen, wirkt der 69-Jährige locker wie lange nicht. Keine Angst? „Nö“, sagt Pause, und auf sein Alter angesprochen: „Ich bin ja schon lange Rentner – nur: Ich hatte es gar nicht bemerkt.“ Für 30 Jahre hat sich das Pantheon nun verpflichtet, das Gebäudeensemble an der Siegburger Straße zu übernehmen. Sollte Pause das biblische Alter eines seiner Großväter erreichen, der mit 98 Jahren starb, hat er noch eine lange Periode vor sich.

Der lange Tisch steht am Rande der 1100 Quadratmeter großen Werkhalle, wo Dynamit Nobel früher Bodenbeläge herstellen ließ, nachdem auf diesem weitläufigen Gelände mit den Backsteinbauten Ende des 18. Jahrhunderts die erste juteverarbeitende Fabrik Deutschlands entstanden war. Und da sitzen sie nun am Dienstagmittag: Rainer Pause und die künstlerische Leiterin des Pantheon Martina Steimer, Oberbürgermeister Ashok Sridharan, Kulturdezernent Martin Schumacher, der Intendant des Bonner Theaters Bernhard Helmich und sein kaufmännischer Direktor Rüdiger Frings. Die Unterschriften sind schnell geleistet, und alle machen einen glücklichen Eindruck.

„Ich bin froh, dass wir zu einem für beide Seiten akzeptablem Ergebnis gekommen sind“, sagt Sridharan. Vor allem sei er glücklich darüber, „so ein Aushängeschild für qualitativ hochwertiges Kabarett- und Musiktheater hier halten zu können“. Helmich macht keinen Hehl daraus, dass die Trennung schmerzt. „Für viele Mitarbeiter, die 20 Jahre mit der Halle Beuel verbunden sind, ist das ein dramatisch emotionaler Einschnitt.“

Jetzt, da die Halle freigeräumt ist, werden die Dimensionen erst deutlich. Ganz klar: Diese Halle muss umgebaut werden. Die Vorstellungen sind auch schon sehr konkret. Als der Architekt kurz vor dem Juli-Termin mitgeteilt habe, dass der Umbau bis zum Start der neuen Spielzeit nicht mehr zu machen sei, sei das ein Schock gewesen, gibt Pause zu. „Wir brauchen aber die Saison, um zu überleben.“ Und nun soll es erst einmal ein Provisorium sein. „Wir werden vieles mit Vorhängen abtrennen, weil wir nicht baulich in das Gebäude eingreifen dürfen“, erläutert Martina Steimer, bei der alle Fäden zusammenlaufen. Wenn auch nur eine Mauer gesetzt wird, ist es mit dem Bestandschutz vorbei, und es gelten neue Bestimmungen zum Brandschutz und zu baulichen Anforderungen. Dazu kommt es schon noch, wenn der Antrag zum Umbau gestellt ist. Steimer hat schon jede Menge Dekoration besorgt: In Griechenland hat sie etliche Lampen und weitere Deko erworben und im Container auf den Weg nach Beuel geschickt.

Die Unterschriften sind noch nicht geleistet, da steht Detlev Cremer schon längst in seiner Latzhose in einem der vielen Räume hinter der Halle und beginnt mit dem renovieren des künftigen Büros. Cremer, der mit Jochen Rausch, dem heutigen stellvertretenden WDR-Rundfunkdirektor, mit der Band Stahlnetz Furore zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle machte, ist ein Jugendfreund von Steimer. Er hilft, so wie viele andere auch. Piotr Macalla ist Designer in Amsterdam, Czeslaw Swierkot kommt eigens aus Polen, und auch Jaroslav Pudelko und Pantheon-Mitarbeiter Tom Malangeri haben die Ärmel hochgekrempelt. Vielleicht ist es diese große Hilfsbereitschaft, die Pause so entspannt wirken lässt.

Ganz und gar nicht entspannt ist Dave Davis, wie Steimer schmunzelnd erzählt. Der will die Premiere seines neuen Programms am 28. Oktober im neuen Pantheon feiern, und zurzeit sieht es in der Halle alles andere als nach Kabarett aus. Überhaupt: Wenn Steimer von einer „Schrottimmobilie“ spricht, dann ist das nicht übertrieben. Der Zustand der Räume sei eine „Katastrophe“, meint Pause, und das nicht nur aus energetischer Sicht. Immerhin werden jährlich 140 000 Euro alleine für Nebenkosten fällig. Auch in den Künstlergarderoben ist seit Jahren kein Handschlag mehr gemacht worden, und die Toiletten sehen aus, als seien sie noch aus den 1970er Jahren. Der Weg wird steinig und lang.