Ein Zeichen kultureller Solidarität

Auf Entdeckungsreise bei der Theaternacht in Bonn

Bonn. Im Mittelpunkt der Theaternacht standen Spiel, Spaß – und das Euro Theater. Bis in die späten Abendstunden hinein tummelten sich die Besucher in den Spielstätten.

Die zwölfte Bonner Theaternacht war ein wenig anders als ihre Vorgänger. Immerhin hatten die Organisatoren den Besuchern der Großveranstaltung mit rund 120 Angeboten gleich zwei zentrale Sätze mit auf den Weg gegeben: „Gehen Sie auf Entdeckungsreise“ lautete der eine, in jedem Jahr aufs Neue beschworene. Und „Lassen Sie sich das nicht gefallen“ der andere. Elisabeth Einecke-Klövekorn, Vorsitzende der ausrichtenden Theatergemeinde, legte ihn der Öffentlichkeit mit Blick auf das Euro Theater Central ans Herzen, das aufgrund geplanter Sparmaßnahmen seitens der Stadt in seiner Existenz bedroht ist.

„Angesichts der Beträge, um die es geht, handelt es sich dabei lediglich um Symbolpolitik“, kritisierte sie bei der Eröffnung im Innenhof der Universität Bonn und forderte die Gäste der Theaternacht auf, sich für das renommierte Haus einzusetzen, das erst im vergangenen Jahr den Monika-Bleibtreu-Preis erhalten hat und in diesem Jahr erneut nominiert ist.

Tatsächlich konnte das Euro Theater einen enormen Besucherandrang verzeichnen, Aktionen wie der Bürgerchor oder auch die spätabendlichen Speed-Dance-Improvisationen von bo komplex wurden begeistert angenommen. Doch auch die anderen Spielstätten konnten sich nicht über mangelndes Interesse beklagen.

Die Brotfabrik, in der insgesamt acht Laien-Ensembles Auszüge aus kommenden Produktionen zeigten, platzte aus allen Nähten; bei der „Dreigroschenoper“-Aufführung des Theater Uhu kamen zum Beispiel längst nicht alle Interessenten in den Saal, und auch die ebenso verwirrenden wie reizvollen Fragmente aus Falk Richters „Die Verstörung“, die das Theater Rampös auf die Bühne brachte, kamen beim Publikum gut an.

Gerammelt voll war es auch im Startup-Arbeitsraum „The 9th“, wo das Theater Bitze mit wenigen Worten und einer ordentlichen Dosis performativer Energie das Verhältnis zwischen Mensch und Müll thematisierte. Und im Waschsalon in der Kaiserstraße war noch nicht einmal auf den  
Waschmaschinen ein weiterer Sitzplatz zu finden, während sich eine reine Frauentruppe (die Wasch-Gäng) an Ephraim Kishons Trauerspiel „Es war die Lerche“ versuchte.

Immense Bandbreite zu bieten

Sowohl inhaltlich als auch stilistisch hatte die Theaternacht wie in jedem Jahr eine immense Bandbreite zu bieten. 38 Spielstätten im gesamten Stadtgebiet, vom Pantheon in Beuel bis zum Theater im Keller in Duisdorf und von den Kammerspielen Bad Godesberg bis zum Anno Tubac in der Kölnstraße, präsentierten Schauspiel, Tanz und Kleinkunst, luden in „Mister Pilks Irrenhaus“ (Theater Fulminant), griffen schon einmal auf Beethoven 2020 vor (Faust Drei – das Unternehmenstheater) und offenbarten unter dem Titel „Unerhörtes vom stillen Ort“ ebenso absurd-komische wie bewegende Geschichten über Obdachlose und andere Toilettenbesucher (Theater Bonn). Das alles konnte man sich schon gefallen lassen – und hoffen, dass die Stadt sich dieses Reichtums auch bewusst ist und alles daran setzt, um ihn zu erhalten, statt ihn zusammenzustreichen.

Das Interesse sprach auf jeden Fall für sich. Bis in die späten Abendstunden hinein tummelten sich die Besucher in den Spielstätten, hungrig auf mehr. Während im Pantheon bei der Live-Beetz-Party mit ihrer Mischung aus Klassik, Pop und Electronica schon ebenso getanzt wurde wie in der Oper bei der offiziellen Theaternachtparty, war in der Brotfabrik, im Kult 41 und natürlich im Euro Theater bis 1 Uhr Programm. Ein stärkeres Zeichen kann man kaum setzen.