Aufmarsch verläuft friedlich

Auch die "Sioux" mischen mit

BONN. Erneut ist es zu einer Art Machtdemonstration einer Rockergruppe in Bonn gekommen. Rund 50 Männer trafen sich am Samstagabend gegen 18.30 Uhr in zwei gegenüberliegenden Bars an der Ecke Rathausgasse/Belderberg. Wie ein Mitglied dem General-Anzeiger erklärte, gehörten sie den "Sioux" an. Die sind in Bonn bislang noch kaum in Erscheinung getreten.

Die Bonner Polizei reagierte auf das Treffen mit einem Großaufgebot an Kräften. Rund ein Dutzend Streifenwagenbesatzungen zog die Leitstelle zeitweise am Belderberg zusammen. Schließlich hatten zuletzt mehrere Rockergruppen, darunter die gefürchteten "Hells Angels" und die "Bandidos" der Bundesstadt einen Besuch abgestattet. Laut Polizei sollen Sioux-Mitglieder beim "Bandido"-Aufmarsch am Montagabend vergangener Woche gesehen worden sein

Das Treffen am Samstagabend verlief friedlich, zu Provokationen seitens der Rocker, die auch nicht ihre Kutten trugen, kam es nicht. Vielmehr habe es sich um einen "Männerabend" gehandelt, wie ein Beamter es formulierte. Dass das Treffen ohne Vorkommnisse über die Bühne ging, bestätigte auch die Leitstelle der Polizei.

Ob es sich dabei um eine Gruppe der "Sioux" gehandelt hatte, dazu wollte sich der leitende Beamte allerdings nicht äußern. Nach einem Streifzug durch die City habe sich die Gruppe, deren Personalien man zuvor überprüft hatte, gegen 21.30 Uhr wieder aufgelöst. Zu Fuß oder in Luxuslimousinen sowie Geländewagen mit Ruhrgebiets-Kennzeichen verließen die Männer die Stadt.

Nach GA-Informationen besteht die Vereinigung der "Sioux", die bundesweit über lokale Sympathisanten verfügen soll, seit einigen Jahren. Auch in der Bonner Region sind Mitglieder unterwegs. Wie aus der Szene zu erfahren ist, hatten die "Sioux" bislang aber keinen Wert auf öffentliche Auftritte gelegt.

Was sich jetzt offensichtlich geändert hat. Wie aus Polizeikreisen zu hören ist, wird den "Sioux" eine besondere Nähe zu der niederländischen Rockergruppe "Satudarah" unterstellt, die auch in Aachen und Duisburg aktiv ist. Wie die "Sioux", deren Kutte ein Totenkopf mit Indianerschmuck ziert, führen auch die Satudarah-Rocker eine indianische Symbolik als Erkennungszeichen: einen Indianer mit einem schwarzen und einem weißen Kopf sowie einem roten Zopf.

Satudarah kommt allerdings aus der polynesischen Sprache und bedeutet so viel wie Blut. "In den Niederlanden sind die Satudarah eine mächtige Truppe", sagte ein Ermittler. Von Fachleuten werden sie als kriminelle Vereinigung eingestuft.

Für die Bonner Polizei sind die "Sioux" eine in der Szene relativ neue Rockerformation. "Unsere Fachdienststelle hat die Gruppe ins Auge genommen, um sie besser zuordnen zu können", sagte Behördensprecher Robert Scholten. "Wir sind keine Rocker. Wir sind auch keine Bordellbesitzer, Drogenhändler oder Leute, die mit irgendeiner Form von organisierter Kriminalität etwas zu tun haben", sagte ein Sioux, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, dem GA. Seine Organisation sei "ein privater Freundeskreis". Zudem legt er Wert auf die Feststellung: "Wir haben mit Satudarah nichts zu tun."

Auch mit den "Hells Angels" oder "Bandidos" sei man weder befreundet noch verfeindet. Vielmehr wollten seine Rothäute "unabhängig bleiben", und erklärtes Ziel der Gruppe sei es, "sich an die bestehenden Gesetze zu halten und die Polizei nicht zu provozieren". Im Unterschied etwa zu Rockern gebe es bei den Sioux keine Clubkasse oder hierarchischen Strukturen mit einem "Präsi"(denten) an der Spitze. Doch der Mann gibt zu: "Auch wir sind nicht alle Engel."

Nach Einschätzung von Insidern wollten die "Sioux" am Samstag in der City zeigen, dass es sie gibt und dass man in Bonn mit ihnen rechnen müsse. Dazu sagte das Sioux-Mitglied nur so viel: "Wir sind eine friedliche Gruppe, aber wenn uns einer auf die Füße tritt, dann werden wir uns mit aller Macht verteidigen und keinen Millimeter zurückgehen." Schließlich sei Bonn eine schöne Stadt, "wo wir auch mit unseren Familien leben. Wir wollen, dass Bonn sauber bleibt."