Kommentar zu Flüchtlingen in Bonn

Atempause gut genutzt

Feldbetten für die Erstunterbringung von Flüchtlingen stehen in einer Sporthalle. Unterbringung, Verpflegung sowie Integrations- und Sprachkurse für Flüchtlinge kosten den Staat 2016/17 knapp 50 Milliarden Euro.

Symbolfoto.

Bonn. Rund 150 Flüchtlinge sind vor Ostern jede Woche nach Bonn gekommen. Sie mussten alle einigermaßen vernünftig untergebracht werden, was die Stadtverwaltung zeitweise stark überfordert hat.

Zusätzlich für Spannungen in der Stadtgesellschaft sorgte die Notlösung mit den Turnhallen. Die Verschnaufpause, die das Land der Bundesstadt seit Ostern einräumt, war deshalb mehr als nötig.

Sie ist offensichtlich bisher auch sinnvoll genutzt worden, wie die auf dem Tisch liegenden Pläne zur weiteren Unterbringung der Flüchtlinge in feste Gebäude beweist – auch wenn ein Teil davon nur auf Zeit errichtet werden soll. Für diesen Kraftakt in kürzester Zeit gebührt den Verantwortlichen im Rat- und Stadthaus großes Lob. Bleibt die Frage, warum das nicht schon früher möglich war. Vielleicht hätte man dann die Sporthallen erst gar nicht in Anspruch nehmen müssen.

Die Erwartung der Sportvereine, dass sie angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen und zahlreicher neuer Unterbringungsmöglichkeiten bald wieder über ihre Hallen verfügen wollen, ist nachvollziehbar. Aber: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.Derzeit kann niemand definitiv sagen, wie es in einigen Wochen weitergeht – vor allem, ob die EU sich hinsichtlich einer gerechteren Flüchtlingsverteilung endlich einigen wird. Deshalb ist die Zurückhaltung der Verwaltung hinsichtlich einer Freigabe der Hallen ebenso verständlich.

Was nutzt es, wenn sie dem Sport wieder zur Verfügung gestellt werden, sie in drei Monaten dann doch wieder aufwendig in Notunterkünfte hergerichtet werden müssen? Dann doch lieber beim Status quo bleiben. Zumal es sich nur um sechs von mehr als 100 Sporthallen in Bonn handelt.