Interview

Asbeck kritisiert Entwurf für Bonner Bundesviertel

Kritisiert die Verwaltung: Investor Marc Asbeck.

Kritisiert die Verwaltung: Investor Marc Asbeck.

Bonn. Der Bonner Investor Marc Asbeck kritisiert die Ergebnisse der Planungswerkstatt und sieht seine eigenen Projekte, wie etwa einen 17-stöckigen Neubau, nicht berücksichtigt.

Marc Asbeck plant derzeit den 17-stöckigen Neubau „GreenGate“ an der Ecke Kurt-Schumacher- und Fritz-Erler-Straße, „Twisters“ an der Franz-Josef-Strauß-Allee mit bis zu 17 Geschossen und „Curve“ an der Ecke Fritz-Schäffer- und Fritz-Erler-Straße mit zwölf Geschossen, die in der Höhe mit dem Rahmenplan nicht vereinbar wären. Mit Asbeck sprach .

Was bedeutet das Ergebnis der Planungswerkstatt für Ihre Projekte?

Marc Asbeck: Die tragenden Kräfte der Verwaltungsverantwortlichen hatten mich im Vorfeld der Rahmenplanung gebeten, konkrete Bauabsichten vorerst zurückzustellen, da man diese ins Verfahren mit einpflegen würde. Diese Versprechen wurden nicht eingelöst.

Aber die Idee, mögliche Hochpunkte zu definieren, muss doch nach objektiven Kriterien erfolgen?

Asbeck: Grundsätzlich hat die Politik der Verwaltung hier ja den richtigen Anstoß gegeben, nicht mehr rechtsfähige Bebauungspläne, die die Entwicklung lähmen, durch eine Rahmenplanung zu steuern. Wenn aber die Stadtplanung der Politik Vorlagen mit Inhalten wie „Das Bundesviertel ist kein Standort für weitere Hochpunkte“ zum Absegnen vorlegt, dann weiß man, dass dies ideologisch wirklich so gewollt war. Zum Glück ist es der Politik aufgefallen, und diese Vorlage wurde revidiert, sonst wäre die Höhendiskussion im Vorfeld gestorben. Dass die Siegerplanung Hochpunkte entlang der B9 setzt und dort neue Ballungsräume auch zum Nachteil der Anwohner schafft und nicht im Kern des Bundesviertels konzentriert, erstaunt mich. In Städten vergleichbarer Größe haben sich zentrierte Hochpunkte bewährt.

Haben Sie das Gefühl, gegenüber der öffentlichen Hand benachteiligt zu werden?

Asbeck: Konkret und nachweisbar: ja! Leider hat das auch damit zu tun, dass ich nicht „Everybodys Darling“ sein kann und will und ich als Einzelperson eher im Visier bin als ein Unternehmen, in dem die Menschen im Regelfall keine persönliche Verantwortung übernehmen müssen und Ansprechpartner stetig wechseln. Wie sehen Sie es denn, wenn die öffentliche Hand für den hochpotenten Mieter Uno, der übrigens keine Miete bezahlen muss, neben dem kulturhistorisch so bedeutsamen und denkmalgeschützten alten Wasserwerk im Schnelldurchmarsch ein Hochhaus errichten darf, was mir in unempfindlicher Denkmallage verwehrt wird? Da erschlägt ein Hochhaus höhenmäßig das zierliche alte Wasserwerk nebenan, der Architekt redet dekorative Versatzstücke vom städtebaulichen Dreiklang und es rutscht durch. Hätte ich als Privater in dieses Baufenster ein Hochhaus reinzuquetschen versucht, man hätte seitens der Stadt noch nicht mal einer Vorlage an den Stadtrat zugestimmt.

Nun kann ja nicht jeder Neubau dort ein Hochhaus werden. Warum sollten es Ihre Bauprojekte sein?

Asbeck: Richtig, aber über mehrere Kilometer mehrere Hochpunkte zu setzen, entspricht nicht der Optik einer kleinen, bescheidenen Bonner Skyline. Es ist dezentrales Gewirr, dies ist nicht nur meine persönliche Auffassung. Wir steuern mit „Twisters“ lediglich ein Grundstück bei, dieses hat es aber städtebaulich in sich. Das Grundstück der ehemaligen Fahrbereitschaft des Bundestages ist das einzige und letzte verfügbare mit nahezu 10.000 Quadratmetern Grundfläche im Zentrum des inneren Bundesviertels nahe Post Tower, Bundesnetzagentur (Tulpenfeld), Langem Eugen und nahe dem Uno-Campus.

Wie groß ist die Nachfrage auf dem Bonner Immobilienmarkt?

Asbeck: Wir haben einen ungesunden, nur knapp über ein Prozent liegenden Büroflächenleerstand und benötigen jährlich mindestens 100.000 Quadratmeter Büroneubaufläche, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur ein Bruchteil kann mangels Flächen realisiert werden. Mit diesem Kerngrundstück könnten 60.000 bis 80.000 Quadratmeter kurz- bis mittelfristig dargestellt werden. Eine Konzentration auf die Player wie Telekom und Post halte ich für gefährlich. Wenn sich da mal die Windrichtung dreht, wird in Bonn das große Heulen aufkommen, deshalb: gerne frischen Wind mit Neuansiedlungen. Zudem können wir uns vorstellen, einen Teil des Wohnungsbedarfs der Arbeitspendler durch darauf zugeschnittenen Wohnraumbau auf diesem Grundstück zu erbringen.

Welches Vorgehen ist sinnvoll?

Marc Asbeck: Es gibt nur sehr wenige Flächen, die überhaupt noch zur Verfügung stehen. Nur kann man ansiedlungswilligen Unternehmen nicht sagen: Kommen Sie doch in drei Jahren wieder, dann sind wir uns hier alle bis auf den letzten Zweifler einig, wohin die Entwicklung geht. Da lachen sich die Leute doch tot. Im Ernst, bei dem über hundert Meter hohen Hochhaus am Kanzlerplatz und dem Uno-Neubau ging es doch auch ratzfatz.

Wo sehen Sie die Hauptprobleme im vorliegenden Rahmenplan?

Asbeck: Er ist als Leitfiktion für kommunale Entscheidungen gefährlich, da er die Entscheidungsgänge und Prozesse beeinflusst. Er ist gefährlich, da er Sicherheit in die Politik sendet, obwohl die Rahmenplanung einen eklatanten Basisfehler aufweist: Der Entwurf ist seitens der Verwaltung von Anfang an ihrem Empfinden in Tabuzonen reglementiert worden, die nicht beplant werden dürfen und dahingehend moderiert und gesteuert worden. Das ist so, als wenn Sie einem Maler sagen: Mal uns bitte ein ansprechendes Bild, aber du musst mit nur zwei Farben auskommen. Das ist nicht zu Ende gedacht. Glauben Sie wirklich, dass da gerade mal ausnahmsweise das Hochkompetenzteam für Städtebau am Werk ist? Das Schicksal unser aller städtebaulichen Lebenssilhouette wird gerade von Einzelpersonen ohne Fremdkontrolle im Amtszimmer definiert.

Wie flexibel sollte ein Leitplan sein?

Marc Asbeck: Das Wichtigste ist, dass Geschosszahlen nicht planungsrechtlich im Vorfeld festgelegt und somit für die Zukunft zementiert werden. Damit schneiden wir uns alle ins eigene Fleisch, nehmen uns die Flexibilität und Handlungsfähigkeit, für Bonn interessante Neuansiedlungen offen und wettbewerbsfähig zu begleiten. Uns selbst durch Höhenfestlegungen den Handlungsspielraum für den Bedarfsfall einzugrenzen, ist nicht vorausschauend und nicht so schnell revidierbar. Wollen wir wegen einer voreiligen Höhenfestlegung ein Topunternehmen oder eine ansiedlungswillige Bundesbehörde oder eine Uno-Organisation vor den Kopf stoßen?

Wäre ein solcher Entwurf aus Ihrer Sicht anfechtbar?

Asbeck: Wenn mit den von den Planungsbüros vorgeschlagenen Gebäudehöhen innerhalb des Prozesses aus unerfindlichen Gründen auf einmal Pingpong gespielt wird, dann hat das ein Geschmäckle. Nicht nur Haftungsansprüche wären denkbar, der Prozess wirkt zelebriert und nicht authentisch. Wichtig ist, dass die Politik keine Vorlagen zum Absegnen bekommt, die sich hinterher als nachteilig herausstellen.