WCCB in Bonn

Architektenstreit verzögert Vordach-Bau

Bei der Afghanistan-Konferenz in Bonn im ehemaligen Plenarsaal sorgte bereits ein Zelt für mehr Platz.

Bei der Afghanistan-Konferenz in Bonn im ehemaligen Plenarsaal sorgte bereits ein Zelt für mehr Platz.

Bonn. Für 1,4 Millionen Euro soll ein Vordach zum Regenschutz vor dem neuen Kongresssaal des WCCB angebracht werden. Ein Streit verzögert den Bau jedoch. Die Stadt hält eine provisorische Lösung für denkbar.

Langsam wird Michael Kleine-Hartlage ungeduldig. Der Geschäftsführer der Bonn Conference Center Management GmbH (Bonn CC) wartet schon lange darauf, dass das geplante rund 1000 Quadratmeter und etwa 1,4 Millionen Euro teure große Vordach vor dem neuen Kongresssaal des World Conference Centers Bonn (WCCB) endlich angebracht wird. Bisher Fehlanzeige. Dabei ist das Vordach für den reibungslosen Betrieb äußerst wichtig, so der Manager. Es soll Kongress- und Tagungsgäste, die bei großem Ansturm zeitweise auch schon mal vor dem Gebäude in langen Schlangen auf ihre Akkreditierung warten müssen, besser vor Regen und Schneefall schützen.

Architektinnen wollen sich zu Problem nicht äußern

Der Haken: Die Planung und die Errichtung eines Vordachs am WCCB sind an das Urheberrecht der Architektinnen des Münchners Büros „Yes architecture“ gebunden – Ruth Berktold und Marion Wicher. Sie hatten Ende 2004 den Architektenwettbewerb für das WCCB samt Hotel gewonnen und sollen jetzt eigentlich auch das Vordach planen. „Die Stadt Bonn ist dazu vor geraumer Zeit an die beiden Urheberrechtsinhaberinnen herangetreten. Eine Lösung der Urheberrechtsfragen konnte allerdings bis zum heutigen Tage nicht erzielt werden, da die Architektinnen sich untereinander nicht einigen können“, sagte Stadtsprecherin Monika Hörig auf Nachfrage des GA.

Ob eine dauerhafte Errichtung einer Teilüberdachung am WCCB daher realisiert werden könne, sei nach heutigem Stand deshalb fraglich. Bei Großveranstaltungen könnte stattdessen beispielsweise mit mobilen beziehungsweise provisorischen Lösungen gearbeitet werden, sagte Hörig. Die Stadt stehe diesbezüglich bereits in Kontakt mit der Bonn CC.

Architektin Berktold wollte sich gegenüber dem GA zur Angelegenheit nicht äußern. Nur so viel: „Ich warte bis heute darauf, dass sich die Stadt Bonn bei mir meldet“. Das stößt wiederum bei der Stadt Bonn auf Verwunderung. „Wir stehen doch in Gesprächen mit den Architektinnen“, sagte Stadtsprecherin Hörig. Derweil läuft Kleine-Hartlage die Zeit davon. „Wir hoffen, dass wir spätestens zu Beginn der Weltklimakonferenz eine geeignete Lösung gefunden haben werden“, sagte er. Zur Weltklimakonferenz COP (Conference of the Parties), die in diesem November nach 1999 und 2001 zum dritten Mal in Bonn und erstmals im WCCB tagen wird, erwartet die Bonn CC immerhin rund 20 000 Teilnehmer aus aller Welt.

Bonn CC setzt auf provisorische Lösung

Sie werden nicht alle auf einmal ankommen, aber zu Stoßzeiten müssen dann sicher viele auch draußen anstehen. Deshalb setzt Kleine-Hartlage auf temporäre Lösungen, damit niemand nasse Füße bekommen wird. Sie könnten je nach Bedarf auf und abgebaut werden und benötigten zudem keine Zustimmung der Urheberrechtsinhaberinnen, weiß der Geschäftsführer.

Vorstellbar seien Konstruktionen, wie sie 2011 zur Afghanistan-Konferenz im ehemaligen Plenarsaal oder vor Fertigstellung des neuen WCCB-Kongresssaals am Maritim zum Einsatz kamen, als dort noch die großen UN-Kongresse getagt haben. „Die temporären Zusatzbauten benötigen wir zur COP sowieso – ob mit oder ohne Vordach“, meinte Kleine-Hartlage. Die Kosten in sechsstelliger Höhe wird der Bund übernehmen.