Funde im Bonner Münster

Archäologen finden altes Mosaik und Knochen

Bonn. Im Bonner Münster schreitet die umfangreiche Sanierung voran. Die Handwerker haben mittlerweile mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen. Archäologen förderten Geheimnisse unter dem Kirchenboden und Kreuzgang zutage.

Im Bonner Münster schreitet die umfangreiche Generalsanierung voran. Im Kirchenraum sitzt der durch Bohr- und Stemmarbeiten erzeugte Staub in den Ritzen und an den sakralen Säulen. Anbauten wie die Kanzel sind durch Holzkästen geschützt, die Bestuhlung ist zuvor ebenso eingelagert worden wie Schätze und die Orgel. Unter dem Dach haben die Bauarbeiter die Gewölbedecke aus Tuffstein von der Dämmschicht befreit. Ihr hatte der Taubenkot zugesetzt. Mit einer Seilwinde haben sie das kontaminierte Material in Eimern durch das sogenannte Heilig-Geist-Loch in der Decke hinunter befördert. Es waren die Vorbereitungen für die anstehende Aufarbeitung des Daches.

Durch die Steine ziehen sich laut Architektin Maike Scholz (Büro Hahn + Helten) „unzählige Risse“. Sie sollen mit mineralischen Stoffen verfüllt werden. Entstanden sind die Spalten im Laufe der Zeit durch Temperaturwechsel, die die Bausubstanz immer wieder in Bewegung bringen. Um die Statik weiter zu verbessern, ist der Einbau einer bislang nicht vorhandenen Querverbindung im Dachstuhl vorgesehen.

Mosaik aus dem 19. Jahrhundert

Was hinter dem Bauzaun auf dem Münsterplatz passiert, ist für Passanten nicht sichtbar. Die Handwerker haben Teile des Kirchenbodens geöffnet, um Schächte für die späteren Versorgungsleitungen anzulegen. Die komplette Elektronik wird im Zuge der Generalsanierung unter der Aufsicht von Projektsteuerer Ägidius Strack erneuert. Mittlerweile haben die Arbeiten im zweiten und wichtigsten Bauabschnitt begonnen, dessen Kosten bei rund 15 Millionen Euro liegen. Parallel fördern Mitarbeiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland bislang Verborgenes unter dem Kirchenboden und Kreuzgang zutage.

Durch den Kreuzgang verläuft ein 35 Meter langer Graben, durch den später Versorgungsleitungen verlaufen sollen. Bei der Freilegung haben die Denkmalschützer Knochenteile aus allen Epochen entdeckt, die das etwa 1000 Jahre alte Münster durchlebt hat. Die sterblichen Überreste sollen nach der Dokumentation wieder bestattet werden. Andere Funde plant der LVR in seine Sammlungen aufzunehmen, wie Peter Schönfeldt, Archäologe des Unternehmens Archaeonet sagte.

Zum Münsterplatz hin haben Archäologen in der Basilika überraschenderweise Teile des alten Fliesenmosaiks gefunden. Vermutlich stammt es aus dem späten 19. Jahrhundert. Es liegt deutlich tiefer als der übrige Untergrund. „Vermutlich hat sich der Boden bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 gesenkt, der auch das Münster getroffen hatte“, sagte Architektin Jutta Pieper (Hahn + Helten).

Stromkabel von insgesamt 53 Kilometer Länge werden entfernt, 72 Kilometer neue Leitungen werden zur Versorgung des Münsters eingebaut. Im Boden haben die Denkmalschützer Knochenteile aus allen Epochen entdeckt, die das etwa 1000 Jahre alte Münster durchlebt hat, darunter ist ein vollständig erhaltenes Skelett. „Vermutlich stammt es von einem Stiftsangehörigen“, sagt Peter Schönfeld, Archäologe des Dienstleisters Archaeonet. Die Beisetzung im Kreuzgang sei über Jahrhunderte hinweg üblich gewesen, auch weil das Münster lange Zeit Zentrum städtischen Lebens war. Die sterblichen Überreste sollen nach der Dokumentation erneut bestattet werden.

„Bislang liegt die Generalsanierung voll im Kostenplan“, so Strack. Die vorbereitenden Arbeiten haben bisher knapp zwei Millionen Euro verschlungen. Insgesamt hat Strack 20,22 Millionen Euro für alle Baumaßnahmen kalkuliert. Etwas hinterher hinkt das Großprojekt auf der Zeitschiene. Ursprünglich hatte Strack mit einer Bauzeit bis Ende 2020 gerechnet. „Nach jetzigem Stand brauchen wir vier Monate länger.“ Wichtiger als die Einhaltung der Bauzeit sei ihm allerdings die Budgeteinhaltung. Die umfangreiche Restaurierung der rissigen Fassade, die im Mai hätte starten sollen, beginnt nicht mehr in diesem Jahr. Strack hat den Zeitplan angepasst. Unter anderem reagierte er auf den Auszug des früheren Stadtdechanten Wilfried Schumacher aus der nebenan liegenden Pfarrwohnung. Es ergebe Sinn, die maroden Leitungen dort sofort auszutauschen. Weiter sagte Strack, ein Teil des Kreuzgangs bleibe bis auf Weiteres geöffnet. Den größten Teil der Gesamtkosten zahlt das Kölner Erzbistum, letztlich aus Kirchensteuergeldern. Die zuständige Kirchengemeinde Sankt Martin soll einen Eigenanteil aufbringen. Der Münster-Bauverein will sie mit Spenden von bis zu 2,5 Millionen Euro unterstützen. Bislang seien eine Million Euro zusammengekommen, erklärte Vorstand Karl Wilhelm Starcke: „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir uns Ziel erreichen werden.“ Der Münster-Bauverein wolle nun gezielt auf Unternehmer zugehen und sie um Beiträge bitten.